LUZERN: «Ohne Wilde wäre es nicht halb so schön»

Zahlreiche wilde Gruppen nehmen an den Umzügen teil – auch, weil sie sich so im Fernsehen zeigen können. Doch einige schleichen sich kurz nach den Kameras davon. Das kommt nicht nur bei den Offiziellen schlecht an.

Martina Odermatt
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Wilde am Wey-Umzug: Michelle und Peter Burri sind als rasendes Tixi-Taxi unterwegs. (Bild: Jakob Ineichen / LZ (Luzern, 27. Februar 2017))

Wilde am Wey-Umzug: Michelle und Peter Burri sind als rasendes Tixi-Taxi unterwegs. (Bild: Jakob Ineichen / LZ (Luzern, 27. Februar 2017))

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

«Ehrensache», sagen sie. «Wenn, dann richtig.» Die Rede ist von den «Wilden Gruppen» an der Fasnacht. Diese reihen sich jeweils zwischen die offiziellen Nummern beim Umzug ein. Mit den obigen Aussagen antworten sie auf die Frage, ob sie am Fasnachtsumzug von A bis Z mitlaufen.

Einige Wilde hatten dem Luzerner Fasnachtskomitee jüngst Kopfschmerzen bereitet, da sie sich bei den Umzügen kurz vor den Fernsehkameras eingeschleust, und danach wieder aus dem Staub gemacht hatten. Doch eine kleine Umfrage unter den wilden Gruppen, die sich für den Wey-Umzug brav in einer Schlange anstellen, zeigt: Den Umzug frühzeitig zu verlassen, ist bei allen befragten Wilden verpönt.

Viele haben während Monaten an ihren Kleidern und Gefährten gearbeitet. So auch die «Soubanner». Sie nahmen das 125-Jahr-Jubiliäum von Luzern Tourismus zum Anlass für ihr diesjähriges Motto. «Für uns fängt die Fasnacht schon im Oktober an», sagen sie. Seit 15 Jahren gehen sie an den Wey-Umzug. «Ob bei Regen, Sonnenschein oder Schnee, wir stehen bei jedem Wetter hier an.» Den Umzug nicht bis ans Ende mitzulaufen, käme ihnen nie in den Sinn.

«Den Umzug nach den Kameras zu verlassen, ist ein absolutes No-Go», sagt auch Daniel Roos der Gruppe «Onheiligi». «Wir machen Fasnacht für alle, nicht nur für die Kamera.» Als wilde Gruppe wollen die vier Männer die Fasnacht beleben und fordern noch mehr Fasnächtler auf, es ihnen gleichzutun. «Es ist doch wichtig, den Leuten eine Freude zu bereiten.»

Ähnlich sehen das die «Broggebronzer» aus Adligenswil. Sie sind heuer als «Moonshriners» unterwegs, die feinsten Whiskey brennen. «Es ist eine Frechheit, nach den Kameras den Umzug zu verlassen. Wer sich hier einreiht, soll dann auch den ganzen Umzug mitlaufen. Die Gruppe, bestehend aus sieben Jungs, sei schon immer gemeinsam an die Fasnacht gegangen. «Wir wollen der Fasnacht etwas zurückgeben», heisst es von Tobias Lechmann. Seit zwei Jahren kommen sie auch mit Grend und Wagen nach Luzern. Für sie ein Muss: «Die Fasnacht lebt von individuellen Gruppen mit Masken. Es ist nicht dasselbe, wenn alle nur mit Perücke und Tiergwändli an die Fasnacht gehen.»

Keine Tierverkleidung ab Stange gibt es bei den Chocobons. Die kleine Süssigkeit gibt es bei Ihnen im Grossformat. Doch natürlich dürfen auch die kleinen Schoko-Eier nicht fehlen. «Wir haben wohl alle Läden leergekauft», sagt Marc Fruseli. 500 Franken hätten sie für die Süssigkeiten ausgegeben. Diese sollen jetzt an die Kinder verteilt werden. Jedenfalls grösstenteils. «Die anderen verteilen die Chocobons, ich esse sie lieber selbst», so Fruseli. Auch er versichert, den ganzen Umzug mitlaufen zu wollen. «Wenn du uns nicht glaubst, kannst du am Ende auf uns warten und uns in Empfang nehmen», heisst es. Bereits am Sonntag hätten sie am Umzug in Emmenbrücke teilgenommen.

Wilde Gruppen gehören dazu – Regeln aber auch

Auch in der Schlange stehen Peter (57) und Michelle (21) Burri, Vater und Tochter. Weil die Fasnacht «eine geile Sache ist», wie Vater Burri sagt. «Als Vater mit der Tochter Fasnacht zu machen, das ist doch das Tollste überhaupt», so Burri. Die beiden sind als Tixi Taxi unterwegs, inklusive Rollator. Fünf bis sechs Abende haben sie in ihre Grende investiert. Den Umzug werden sie bis ans Ende mitlaufen. «Ist doch doof, wenn man das nur wegen dem TV macht.»

Das findet auch der Umzugschef des Lozärner Fasnachtskomitees Daniel Abächerli. Er weiss aber ebenso, dass die Kameras für viele Fasnächtler eine grosse Rolle spielen: «Sie wollen sich halt zeigen.» Und immer wieder würden sich einzelne Gruppen danach davonstehlen. Mit Absperrungen würde man diese Taktik allerdings erschweren. Am Fritschi-Umzug vom Donnerstag hätten denn auch nur einzelne Wilde nach dem Schwanenplatz das Weite gesucht. «Schade», findet Abächerli. «Ohne wilde Gruppen ist es nicht halb so schön. Sie gehören zur Fasnacht und auch zu den Umzügen, aber sie sollen am ganzen Umzug teilnehmen.»

Die «Schoko-Bons» halten den warmen Temperaturen stand. (Bild: Jakob Ineichen / LZ (Luzern, 27. Februar 2017))

Die «Schoko-Bons» halten den warmen Temperaturen stand. (Bild: Jakob Ineichen / LZ (Luzern, 27. Februar 2017))

Die Broggebronzer erobern Luzern als Whiskybrenner. (Bild: Jakob Ineichen / LZ (Luzern, 27. Februar 2017))

Die Broggebronzer erobern Luzern als Whiskybrenner. (Bild: Jakob Ineichen / LZ (Luzern, 27. Februar 2017))

Die Gruppe Soubanner mimt Touristen von damals. (Bild: Jakob Ineichen LZ (Luzern, 27. Februar 2017))

Die Gruppe Soubanner mimt Touristen von damals. (Bild: Jakob Ineichen LZ (Luzern, 27. Februar 2017))