Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LUZERN: Pädophiler Lehrer zu 24 Monaten Gefängnis verurteilt

Das Kriminalgericht Luzern hat einen Lehrer, der wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern angeklagt war, zu zwei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Der Beschuldigte ist geständig.
Das Kriminalgericht am Alpenquai in Luzern: Hier wurde der Rentner verurteilt. (Symbolbild) (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Das Kriminalgericht am Alpenquai in Luzern: Hier wurde der Rentner verurteilt. (Symbolbild) (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

Weil ein Mann in der Vergangenheit mehrere Male unbefugt in ein Jugendlagerhaus eingedrungen war und dort mehrfach sexuelle Handlungen mit Kindern vollzogen hatte, wurde dieser nun vom Kriminalgericht Luzern zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten verurteilt, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von vier Jahren.

Der Primarlehrer mit mehrjähriger Erfahrung hat sich zwischen 2006 und 2012 mehrfach nachts Zugang zu einem Jugendlagerhaus im Kanton Luzern verschafft. Im Schlag, in dem mehrere Mädchen geschlafen hatten, entledigte er sich nach dem immer gleichen Schema seiner Kleider, öffnete ein Fenster als Fluchtweg und vollzog sexuelle Handlungen mit sich selbst. Dies wurde von den Mädchen bemerkt.

Ein Opfer von 2006 gab bei der Einvernahme zu Protokoll, dass der Beschuldigte ihr bisheriges Sexualleben geprägt habe. «Die seelische, psychisch-emotionale Entwicklung der Mädchen (...) wurde durch das Verhalten des Beschuldigten offensichtlich gefährdet», ist dem heute veröffentlichten Urteil zu entnehmen.

Ein forensisch-psychisches Gutachten zeigte: Der Mann litt zur Zeit der Taten unter einer Störung der Sexualpräferenz bzw. unter Pädophilie. Mehr noch: Er litt unter einer sexuellen Präferenz für vorpubertierende Kinder beiderlei Geschlechts. Das Gutachten ging von einer leichten Beeinträchtigung der Steuerungsfähigkeit aus und schätzte die Wiederholungsgefahr auf durchschnittlich bis hoch ein.

Freiwilligenarbeit bei Kinderorganisationen

Eine angeordnete Therapie versprach Besserung. Gemäss Therapieverlaufsbericht löste sich der Beschuldigte im Behandlungsverlauf von pädophilen Fantasien.

Doch im Sommer 2017 kam der Luzerner Staatsanwaltschaft ein Polizeibericht der Kantonspolizei Zürich zu. In diesem stand, dass sich der Beschuldigte Anfang 2016 mehrmals freiwillig in Kinderorganisationen engagiert habe. Diese Freiwilligenarbeit habe auch die Betreuung von Kindern beinhaltet, wie aus dem Bericht hervorgeht.

Dies veranlasste die Staatsanwaltschaft Luzern, einen erneuten Therapiebericht einzuholen. In diesem wurde das Rückfallrisiko des Mannes von ursprünglich gering bis mässig aufgrund der neusten Erkenntnisse auf mässig erhöht. Neue Hinweise auf ein erneutes strafrechtliches Verhalten des Beschuldigten würden nicht vorliegen. Aufgrund dieser Erkenntnisse wurde der Urteilsspruch jedoch angepasst. Das Gericht verlängerte die Probezeit von ursprünglich zwei Jahren auf vier Jahre und wies den Mann an, keine ausserberuflichen oder freiwilligen Tätigkeiten in der Betreuung von Kindern unter 16 Jahren wahrzunehmen. Der Beschuldigte, der im Kanton Solothurn wohnhaft ist, hat alle Sachverhalte zugegeben, zeigte sich kooperativ und bereute seine Taten. Das wirkte sich strafmildernd auf das Urteil aus.

Berufsverbot oder nicht?

Der Primarlehrer, der an verschiedenen Schulen unterrichtete, erhielt vom Kanton Solothurn eine unbefristete Berufssperre. Diese muss aber nicht lebenslänglich gelten. Kann der Verurteilte – indem er entsprechende Therapien und Kurse absolviert – nachweisen, dass er wieder fähig ist, als Primarlehrer zu arbeiten, darf er beim Kanton ein Gesuch stellen, um das Lehrerpatent wieder zu erhalten.

Denn: «Anders als beispielsweise bei Rasern geht das Verfahren für Pädagogen nach dem Schuldspruch noch weiter. Dann wird das sogenannte Administrativverfahren eingeleitet», sagt Charles Vincent, Leiter der kantonalen Dienststelle Volksschulbildung. Und dabei brauche es noch nicht einmal ein Urteil: «Sobald ein Schulleiter einen gravierenden, begründeten Verdacht hat, wird der entsprechende Lehrer freigestellt», sagt Vincent. Werde der Verdacht offiziell durch ein Gericht bestätigt, so frage sich das Bildungs- und Kulturdepartement, ob diese Person noch weiter unterrichten darf. Vincent: «Es kann sein, dass der Verurteilte etwa nur noch an höheren Schulen mit Erwachsenen unterrichten darf.» Entscheidend ist der Grad des Vergehens. «Chattet jemand anzüglich mit Minderjährigen im Internet, ist das anders als ein tatsächlicher Übergriff», sagt der Dienststellenleiter. Ob der Person ein befristetes oder unbefristetes Berufsverbot ausgesprochen wird und an welche Auflagen es gebunden ist – etwa mit der Verpflichtung einer Therapie –, liegt im Ermessen des Departements. Doch: «Das Unterrichtsverbot muss verhältnismässig sein.»

Bei schwerwiegenden Vergehen könne die Person auch ein lebenslanges Berufsverbot erhalten. Erteilt das Departement ein solches, wird dieses – wie befristete Unterrichtsverbote übrigens auch – an die Schweizerische Erziehungsdirektorenkonferenz übermittelt. Diese führt eine schwarze Liste, eine Liste mit Lehrpersonen, die wegen solcher Vergehen ein Unterrichtsverbot erhalten haben. Die Schulleiter aus der ganzen Schweiz können anfragen, ob Lehrpersonen auf dieser Liste aufgeführt sind.

Hinweis
Urteilsnummer 2P6 17 39.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.