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LUZERN: Parteien begrüssen Strichplatz

Die FDP will mit zwei Vorstössen den Strassenstrich eindämmen. Die Gewerbler im Ibach sind erfreut, und die GLP bringt einen alten Vorschlag.
Olivia Steiner
Eine Prostituierte wartet im Ibach auf einen Freier. (Bild: Dominik Wunderli/Neue LZ)

Eine Prostituierte wartet im Ibach auf einen Freier. (Bild: Dominik Wunderli/Neue LZ)

Ein Strichplatz, auf dem die Prostitution konzentriert würde, kommt bei den Fraktionen im Stadtparlament gut an. Gemacht wurde der Vorschlag von der FDP im Rahmen eines Vorstosses (Ausgabe von gestern). Geht es nach der FDP, könnte dieser auf dem Areal des aktuellen Containerdorfs der Cityring-Baustelle in Ibach entstehen. Der Platz soll 24 Stunden zugänglich sein und würde Toiletten, eine Dusche und Abfalleimer zur Verfügung stellen. Die Benützung wäre kostenpflichtig.

Grüne: Auch Freier sollen zahlen

«Ein definierter Strichplatz, der gemeinsam mit allen Agglomerationsgemeinden eruiert wird, ist begrüssenswert», sagt etwa Korintha Bärtsch, Fraktionschefin der Grünen/Jungen Grünen. Kostenpflichtig dürfe dieser aber nur dann sein, wenn auch die Freier zur Kasse gebeten würden. Aber: «Es wäre aber eine Illusion zu glauben, dass mit dem Platz der Strassenstrich an den anderen Orten verschwinden wird», so Bärtsch. Auch András Özvegyi, Fraktionschef der GLP, sagt:«Die Idee eines Strichplatzes finde ich gut. Um Verunreinigungen einzudämmen, sollen zudem Verrichtungsboxen geprüft werden.» CVP-Grossstadträtin Franziska Bitzi Staub begrüsst einen Strichplatz ebenfalls, da die Sicherheit der Prostituierten erhöht werden könne. «Mit der entsprechenden Infrastruktur dürfte die Benutzung auch etwas kosten.»

SVP und SP wollten sich noch nicht zum Vorschlag der FDP äussern, da ihre Fraktion diesen noch nicht beraten habe.

«Mehr Illegalität»

Weiter schlägt die FDP vor, den öffentlichen Grund möglichst frei von Prostitution zu halten. Dort sollen Prostituierte ihre Dienste ausserhalb des Strichplatzes nur noch zwischen 22 und 4 Uhr anbieten dürfen. Zudem sieht die FDP eine gebührenpflichtige Monatskarte, ähnlich einer Parkkarte, vor.

Korintha Bärtsch (Grüne) beurteilt diese weiteren Vorschläge der FDP kritisch. «Den Strassenstrich zeitlich oder räumlich weiter einzuschränken oder mit Bewilligungen und Gebühren zu belegen, führt zu einem viel zu hohen Vollzugsaufwand und tendenziell nur zu mehr Illegalität.»

Mit einer Beurteilung zurückhaltend gibt sich die SP/Juso-Fraktion. Grossstadtrat Daniel Furrer: «Wir möchten uns zuerst innerhalb der Fraktion fundiert mit dem Thema auseinandersetzen.» Generell sei die SP kritisch gegenüber Repression, da sich das Gewerbe so in die Illegalität verschiebe.

András Özvegyi (GLP) sagt: «Mit Verboten nur von der Stadt haben wir Mühe. Das müsste kantonal geregelt werden.» Auch mit einer zeitlichen Einschränkung kann Özvegyi nicht viel anfangen. «Dies kommt einem Verbot und somit einer Verdrängung gleich.» Eine Bewilligungspflicht im Sinne der gewerblichen Gleichbehandlung erachtet Özvegyi dagegen als prüfenswert.

Ähnlich kling es seitens der CVP. Franziska Bitzi Staub: «Verbote lösen das Problem nicht, sondern führen zu einer Verlagerung.» Von einer Bewilligungspflicht sei vorerst abzusehen. Zuerst sollten die Erfahrungen mit der Registrierungspflicht, die der Kanton im Rahmen des Gesetzes über die Sexarbeit vorsieht, abgewartet werden.

SVP-Fraktionschef Marcel Lingg sagt: «In Sinne der Gleichheit mit anderen Gewerbetreibenden wäre eine Gebührenpflicht positiv. Denn es dürfen keine Steuergelder aufgewendet werden, um die ‹negativen Begleiterscheinungen› der Prostitution zu finanzieren.» Weiter will Lingg die Vorschläge der FDP noch nicht kommentieren.

Mitarbeiter fühlen sich nicht sicher

Die FDP begründet ihre Forderungen damit, dass die Gewerbetreibenden im Ibach seit der Verlagerung des Strichs unter den Folgen zu leiden hätten. Doch wie schlimm ist die Situation für die betroffenen Gewerbetreibenden? Eine Umfrage zeigt: Alle kontaktierten Unternehmen begrüssen die Vorstösse. So sagt etwa Bruno Affentranger, Verwaltungsratsmitglied der UD Medien Holding AG: «Unser Terrain wird immer wieder von Prostituierten und ihren Kunden genutzt. Was zurückbleibt, ist unvorstellbar.» Deshalb hat die Unternehmung inzwischen Überwachungskameras installiert und zeigt Freier, die auf den Bildern erkennbar sind, wegen Hausfriedensbruchs an. «Schlimm ist auch, dass sich unsere Mitarbeiter und vor allem Mitarbeiterinnen nicht mehr sicher fühlen. Daher nehmen wir die Vorschläge der FDP sehr positiv auf.»

Auch Rolf Schaller, Geschäftsleitungsmitglied der Sedel Garage AG Luzern, sagt: «Es ist jeden Morgen eine Riesensauerei. Daher begrüssen wir die Ideen der FDP.» Ähnlich klingt es bei Walo Odermatt, Geschäftsführer von Frey + Cie Telecom: «Ich sehe zwar ein, dass der Standort grundsätzlich geeignet ist. Dennoch ist der hinterlassene Dreck – Feuchttücher, Kot, Zigaretten, Flaschen und so weiter – schlicht unzumutbar.» Dementsprechend sollten die Reinigungsgebühren von den Verursachern getragen werden.

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