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Patienten lassen Wut und Aggressionen an den Ärzten aus

Längst nicht alle Patienten verhalten sich gegenüber Ärztinnen und Ärzten mit dem Respekt, den man erwarten könnte. Besonders in den medizinischen Notfallzentren fliegen schon mal die Fetzen, und in seltenen Fällen kommt es sogar zu körperlichen Angriffen.
Die Notaufnahme ist naturgemäss Tag und Nacht geöffnet; momentan ist es hier ruhig. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 12.05.2018))

Die Notaufnahme ist naturgemäss Tag und Nacht geöffnet; momentan ist es hier ruhig. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 12.05.2018))

Allein die Öffnungszeiten des medizinischen Zentrums Permanence im Bahnhof Luzern geben einen Hinweis darauf, dass deren Kundschaft wahrscheinlich nicht der durchschnittlichen Klientel einer Schweizer Hausarztpraxis entspricht. In der Permanence werden die Patienten an 365 Tagen im Jahr ohne Voranmeldung behandelt.

Von Freitag ab 7 Uhr bis Sonntag um 23 Uhr ist die Praxis durchgehend geöffnet. «Wir haben Patienten, die in Begleitung der Polizei zu uns kommen, um beispielsweise abzuklären, ob jemand hafterstehungsfähig ist oder nicht», sagt Jonathan Wenger, Geschäftsleitungsmitglied der Med Center AG, welche die Permanence betreibt. Das Personal der Permanence wird immer wieder bedroht. «Meist verbal», wie Wenger sagt. Es passiere aber auch, so Wenger weiter, dass Patienten randalieren, sich am ­Mobiliar vergreifen und die Objekte durch die Räumlichkeiten schmeissen. In seltenen Fällen komme es sogar vor, dass die Behandelnden körperlich angegriffen würden, sagt Wenger weiter. Besonders heikle Situation entstehen mitunter dann, wenn beide Parteien einer kurz zuvor ausgetragenen Schlägerei zur Behandlung in der Permanence auftauchen und sich dort im Warteraum wieder begegnen.

Basierend auf dem «Ärztemonitor 2018» publizierte die «Bild am Sonntag» vor einer Woche folgende Zahlen zu den Verhältnissen in Deutschland: Demnach wurden im vergangenen Jahr Ärztinnen und Ärzte im landesweiten Durchschnitt pro Tag 288-mal körperlich angegriffen und 2600-mal beleidigt. Die Zeitung zitiert auch einen Hamburger Arzt mit folgenden Worten: «Meistens entzünden sich die Angriffe daran, dass Patienten nicht das bekommen, was sie wollen.»

Im Kantonsspital ist der Sicherheitsdienst bereit

Auf die Frage, was die Gründe dafür seien, dass Ärzte und Ärztinnen beleidigt oder sogar körperlich attackiert würden, geht Simona Benovici, Kommunikations- und Medienbeauftragte des Luzerner Kantonsspitals, nicht im Detail ein. Sie teilt schriftlich nur so viel mit: «Die Gründe sind in den wenigen Einzelfällen sehr individuell.» Und auf die Frage, was seitens des Kantonsspitals getan werde, um Beleidigungen oder gar physische Gewalt zu vermeiden, hält Benovici fest: «Unser medizinisches Personal ist für den Umgang mit Patienten geschult, mithin auch in deeskalativer Gesprächsführung.» Die Sicherheit wird aber noch durch weitere Massnahmen sichergestellt: «Falls es im Einzelfall zu einem Übergriff kommt, stehen der Sicherheits- und der Rechtsdienst des Luzerner Kantonsspitals beratend zur Seite.»

Aldo Kramis ist nicht nur Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Luzern, sondern praktiziert hauptberuflich im Hausarztzentrum Gersag. Er habe immer wieder mit sehr fordernden Patienten zu tun, sagt Kramis. Dabei gehe es dann auch darum, die Lage nicht eskalieren zu lassen. Kramis erzählt auch von den seltenen Fällen, in denen ein Patient aus der Praxis gewiesen werden muss. Und einmal sei die Situation derart aus dem Ruder gelaufen, dass Kramis und sein Team kurz davor standen, die Polizei zu alarmieren.

Angriff auf einen Berufsschullehrer

Im Umgang mit schwierigen Patienten liess sich die Belegschaft des Hausarztzentrums Gersag auch schulen. Eine entsprechende Fachperson wurde dafür in die Praxis eingeladen.

Ärzte sind Respektpersonen wie Pfarrer oder Lehrer. Diese Aussage trifft auch heute noch in hohem Masse zu. Immer wieder kommt es aber zu Ausnahmefällen. Wie unsere Zeitung im April berichtete, ereignete sich an der Frei’s-Berufsschule Anfang März folgender Vorfall: Ein mit einem Hausverbot belegter 17-Jähriger betrat einen Unterrichtsraum. Dort traf er auf seinen ehemaligen Lehrer und schlug ihm mit der Faust ins Gesicht. Ein Racheakt. Der Schlag war derart heftig, dass der Pädagoge ins Spital eingeliefert werden musste, dieses aber noch am gleichen Tag wieder verlassen konnte.

Thomas Heer

thomas.heer@luzernerzeitung.ch

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