LUZERN: Patientenschutz will Ärzte genauer durchleuchten

Es gibt ausländische Ärzte, die trotz hoher Schulden in der Schweiz praktizieren. Die Stiftung für Patientenschutz fordert künftig eine verbesserte Überprüfung der finanziellen Situation solcher Mediziner.

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Unter den in der Schweiz tätigen Medizinern gibt es solche, die 
nicht nur aufgrund ihrer Patienten alle Hände voll zu tun haben. (Bild: Keystone)

Unter den in der Schweiz tätigen Medizinern gibt es solche, die nicht nur aufgrund ihrer Patienten alle Hände voll zu tun haben. (Bild: Keystone)

Ein deutscher Hausarzt, der in der Agglomeration von Luzern eine Praxis betreibt und in Deutschland einen Schuldenberg von 500 000 Franken hinterlassen haben soll. Ein polnischstämmiger Zahnarzt, der in drei Kantonen (unter anderem in der Region Entlebuch) praktiziert und laut Betreibungsregisterauszug offene Rechnung in der Höhe von 700 000 Franken angehäuft hat. Das sind nur zwei von mutmasslich vielen weiteren Beispielen von Medizinern, die vor ihren Gläubigern in die Schweiz geflüchtet sind – und hier unbehelligt weiterwirken können.

Schwammige Vorgaben

Wie kann das sein? Wieso wird bei der Erteilung der entsprechenden Zulassung nicht auch die wirtschaftliche Situation von Ärzten eingehend geprüft, die in der Schweiz arbeiten wollen? Bei der zuständigen Dienststelle Gesundheit des Kantons stützt man sich auf das schweizweit geltende Medizinalberufsgesetz. Dieses sieht vor, dass Ärzte über die notwendigen fachlichen Diplome verfügen und unter anderem «beruflich vertrauenswürdig» sein müssen, wie man beim Amt festhält.

Für Margrit Kessler, Präsidentin der Stiftung SPO Patientenschutz, ist das zu schwammig. Sie sagt: «Es kann doch nicht sein, dass sich ein Arzt in der Schweiz niederlassen kann, der in einem anderen Land Misswirtschaft betrieben hat.» Sie fordert die Kantone auf, bei der Bewilligungsvergabe genauer hinzusehen. Kessler, die für die GLP im Nationalrat sitzt, stellt auch eine Forderung in den Raum: Künftig sollen die Betreibungsregisterauszüge von Medizinern eingesehen werden – bevor eine Bewilligung erteilt wird.