LUZERN: Pfarrer der Pauluskirche spricht sechs Sprachen

Der Pole Rafal Lupa (44) ist der neue Pfarrer der Luzerner Pauluskirche. Verständigungsprobleme dürfte es mit ihm keine geben – aufgrund seiner bisherigen Tätigkeiten in diversen Ländern spricht er sechs Sprachen.

Oliver Schneider
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Rafal Lupa in der Pauluskirche, wo er ab dem 18. September als Pfarrer tätig sein wird. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 30. August 2017))

Rafal Lupa in der Pauluskirche, wo er ab dem 18. September als Pfarrer tätig sein wird. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 30. August 2017))

Oliver Schneider

stadt@luzernerzeitung.ch

Der langjährige Pfarrer der Luzerner Pauluskirche, Leopold Kaiser (70), hat seine Tätigkeit im Sommer beendet (wir berichteten). Auf ihn folgt Rafal Lu­pa (44). Am 18. September wird der Pole seine neue Stelle bei der Pfarrei St. Paul antreten. Als Seelsorger hatte er trotz seines vergleichsweise jungen Alters bereits ein abwechslungsreiches Leben mit Stationen in vielen verschiedenen Ländern.

Aufgewachsen ist Lupa in Polen, an der Grenze zur Slowakei. Er wurde zunächst als Elektriker ausgebildet. Mit 20 Jahren habe er sich dann entschieden, diesen Beruf nicht weiterzuverfolgen und ins Priesterseminar einzutreten. «Es war keine Blitzentscheidung, sondern ein langer Prozess, den ich durchlaufen musste.» Während des sechsjährigen Studiums in Philosophie und Theologie sei ihm aber immer klarer geworden, welchen Weg er gehen will. Und so kam es, dass Rafal Lupa 1999 zum Priester geweiht wurde.

Die ersten drei Jahre arbeitete Lupa als Vikar in Tuchow, einer kleinen Stadt in Polen. Ein Vikar ist ein Priester, der einem Pfarrer unterstellt ist und keine Alleinverantwortung für die Pfarrei trägt. «Auch in meinem Berufsfeld muss man zuerst Erfahrung sammeln», sagt Lupa. Nach einigen Jahren in einer Pfarrei habe der Bischof ihn nach Innsbruck gesendet, wo er seine Dissertation verfasste. Nebenbei habe Lupa als Hauskaplan im Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern gearbeitet. «Damals hatte ich über 100 Nonnen unter meinen Fittichen.» Es kam zum ersten Kontakt mit der deutschen Sprache, die er heute fliessend beherrscht.

«Italienisch essen kann ich immer noch perfekt»

Nach intensiven fünf Jahren sei er wieder nach Polen zurückgekehrt, wo er in einer Pfarrei angestellt war. Die nächste Station sei ein Sprachaufenthalt in Rom gewesen. Ohne ein Wort Italienisch zu sprechen, musste er sich für zwei Monate durch die Hauptstadt Italiens kämpfen. Da er aber vier Jahre lang Lateinunterricht hatte, habe er die Sprache sehr schnell in sein Repertoire aufgenommen. «Mit dem Sprechen hapert es heute ein wenig, italienisch essen kann ich aber immer noch perfekt», sagt Lupa und lacht.

Drittgrösste Pfarrei

Mit 5300 Mitgliedern ist die katholische Pfarrei St. Paul die drittgrösste der Stadt Luzern – nach St. Leodegar und St. Anton. Herzstück der Pfarrei ist die 1912 erbaute Pauluskirche, die am stark befahrenen Paulusplatz liegt. Während 14 Jahren wurde das Pfarreileben stark durch den charismatischen Pfarrer Leopold Kaiser geprägt. Im Juli hat der inzwischen 70-jährige Priester sein Amt in Luzern niedergelegt. Er wird künftig in Zug als priesterlicher Mitarbeiter tätig sein. (red)

Er selbst sei auch ein kleiner Hobbykoch und liebe mediterrane Küche, sagt Lupa. Kaum konnte er sich mit den Einheimischen verständigen – sprachlich sowie kulinarisch –, musste er auch schon wieder seine Koffer packen, um in seinem Heimatland eine neue Aufgabe zu übernehmen: die Leitung des Pilgerbüros der Diözese. In seinem Amt als Leiter durfte Lupa viele Pilgerreisen organisieren, unter anderem nach Israel. «Die Arbeit war sehr kräftezehrend, und ich war froh, als ich wieder zur Seelsorge zurückkehren konnte», sagt Lupa heute. So verschlug es ihn nach Deutschland, genauer gesagt nach Dortmund, wo er eineinhalb Jahre als Priester tätig war.

Während des Studiums bereits in der Schweiz tätig

Die Schweiz hat Lupa übrigens bereits früh kennen gelernt. Während seines Studiums war er als Sommeraushilfe für den Pfarrer in Fislisbach im Kanton Aargau tätig. Auch später sei er immer wieder von Polen in die Schweiz gereist, um in der Pfarrei auszuhelfen.

Vor fünfeinhalb Jahren habe er dann das Angebot erhalten, Seelsorger in Fislisbach zu werden, welches er sofort angenommen habe. «Bekam ich Besuch von Polen, so stand immer ein Ausflug nach Luzern auf dem Programm», sagt Lupa. Wie der Zufall es wollte, verliess Pfarrer Leopold Kaiser diesen Sommer die Pfarrei St. Paul nach 14-jähriger Seelsorgetätigkeit. Er wird künftig in Zug arbeiten. Lupa interessierte sich für die Stelle. Schliesslich gaben der Kirchenrat der Katholischen Kirchgemeinde Luzern und das Bistum Basel ihre Zustimmung.

«Die verschiedenen Stationen haben mein Leben in vielerlei Hinsicht bereichert und meinen Glaubenshorizont erweitert», sagt Lupa. So spricht er heute dank seiner Tätigkeit als Seelsorger beispielsweise sechs Sprachen. Seine Entscheidung, Pfarrer zu werden, habe er nie bereut. «Die Menschen geben mir immer wieder zu spüren, dass es das Richtige war», sagt Lupa. «Mit dem fortschreitenden Alter sehne ich mich aber immer mehr nach Sesshaftigkeit.» Vielleicht wird Rafal Lupa also viele Jahre Pfarrer von St. Paul bleiben.