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LUZERN: Pfleger-Vermittlung: Verband kritisiert ehemaligen SP-Politiker

Lathan Suntharalingam, Ex-Kantonsrat der SP, hat sich selbstständig gemacht. Mit seiner Medifair GmbH rekrutiert er deutsches Pflegepersonal für hiesige Spitäler und Kliniken – teils zu Dumpinglöhnen, wie der Zentralschweizer Pflegefachverband sagt.
Pascal Imbach
Sind gefragt: Pflegefachleute in Spitälern und Kliniken. (Bild: Keystone)

Sind gefragt: Pflegefachleute in Spitälern und Kliniken. (Bild: Keystone)

Bis letztes Jahr politisierte und polarisierte er als SP-Kantonsrat in Luzern: Piragalathan – genannt Lathan – Suntharalingam, 39, zweifacher Familienvater, geboren 1974 in Sri Lanka und 1988 vor dem Bürgerkrieg in der Heimat mit seiner Familie in die Schweiz geflüchtet. Der ausgebildete Intensivkrankenpfleger politisierte stramm auf der Linie der Linken: Er engagierte sich unter anderem für Integration, einen starken Sozialstaat und gerechte Löhne. Letztes Jahr trat er aus dem Kantonsparlament aus und hängte seine Politkarriere an den Nagel.

Seit Dezember tritt Suntharalingam nun in anderer Funktion in Erscheinung: Nebst seiner Tätigkeit als Intensivkrankenpfleger am Kantonsspital Luzern mit einem Pensum von 50 Prozent hat er die Medifair GmbH mit Sitz in Luzern gegründet und geschäftet seither als Personalvermittler. In der Funktion eines Headhunters rekrutiert er Pflegefachpersonal für Spitäler und Kliniken – insbesondere solches aus Deutschland. Dafür hat er nebst einem Schweizer Geschäftspartner eigens einen deutschen Vermittler mit ins Boot geholt, der vor Ort Ausschau nach auswanderungswilligen Pflegern hält. Die Mission ist klar: Der ausgetrocknete Schweizer Arbeitsmarkt für Pflegefachleute verlangt nach Arbeitskräften aus dem Ausland, aus naheliegenden Gründen vor allem nach solchen aus Deutschland. Suntharalingam beschafft sie. Er verfügt über alle notwendigen Bewilligungen zur «privaten Arbeitsvermittlung» (Kanton) sowie zur «privaten Auslandsvermittlung» (Bund). So weit, so gut.

4200 bis 4900 Franken Monatslohn

Schaut man sich allerdings die Stelleninserate an, welche die Firma im Internet platziert, wird man hellhörig. «Dringend» werden Krankenschwestern/Krankenpfleger gesucht. Wer über spezielle Fachweiterbildungen, etwa im Bereich der Intensivpflege, verfügt, dem winkt laut Facebook-Seite der Firma ein Monatsgehalt von «5000 bis 6000 Euro» (umgerechnet rund 6000 bis 7200 Franken).

Etwas anders sieht es allerdings bei «normalem» Pflegepersonal aus. Im einen Inserat etwa wird eine Krankenschwester oder ein Krankenpfleger «für eine chirurgische Akutabteilung in der Schweiz» gesucht, Nettogehalt: 3000 bis 3500 Euro, das sind 3600 bis 4200 Franken – und brutto folglich rund 4200 bis 4900 Franken.

Böses Erwachen nach Anstellung

Beim Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK) ist man darüber alles andere als erfreut. Denn: «Der Einstiegslohn für eine Pflegefachfrau oder einen Pflegefachmann ist in der Schweiz deutlich höher», sagt Claudia Husmann, Geschäftsleiterin des SBK Zentralschweiz. Er beträgt laut Husmann 4900 bis 5200 Franken brutto. «Und dies wohlgemerkt für Leute, die noch über keinerlei Berufserfahrung, geschweige denn irgendeine weiterführende Ausbildung verfügen.» Für Husmann ist klar: «Hier sind wir in einem Bereich, in dem man von Dumpinglöhnen sprechen kann.» Beim Verband verfolgt man die Tätigkeit von Vermittlungsfirmen wie derjenigen von Suntharalingam schon seit Jahren mit Interesse – und Besorgnis. Husmann sagt: «Solche Firmen versprechen deutschen Pflegern einen für ihre Verhältnisse attraktiven Lohn und locken sie damit in die Schweiz. Kommen die deutschen Kollegen hier an, folgt oft das böse Erwachen, wenn sie merken, wie viel teurer die Wohnung, das Essen und die gesamten Lebenshaltungskosten sind.» Die Folge: «Viele geben den Job in der Schweiz schon nach kurzer Zeit wieder auf und kehren in die Heimat zurück, da ihnen dort unter dem Strich genau gleich viel zum Leben bleibt wie in der Schweiz. Das entschärft den Pflegefachpersonalmangel nicht nachhaltig.»

Falscher Anreiz, falsche Leute?

Doch nicht nur die Frage, wie viel die Deutschen in der Schweiz verdienen, ist für den Pflegeverband relevant, sondern auch die Frage, welche Leute zu diesen Konditionen letztlich in die Schweiz kommen. Husmann spannt den Bogen zur Arbeitsmarktsituation in Deutschland. Sie sagt: «Wie in der Schweiz sind Pflegefachleute auch in Deutschland extrem gefragt. Es gibt viele offene Stellen. Wer in Deutschland eine Pflegefachausbildung abgeschlossen hat, der kann eigentlich frei auswählen, wo er arbeiten will.» Die Löhne seien aufgrund des Pflegermangels in den letzten Jahren gestiegen. «Wenn Pfleger dann für 4200 bis 4900 Franken in die Schweiz kommen, obwohl sie in Deutschland locker einen Job finden würden, stellt sich für uns die Frage, was das für Leute sind und wie es um ihre Arbeitsqualität bestellt ist.» Zwar würden viele gute deutsche Fachleute in der Schweiz arbeiten, «aber die wären nicht für diese Löhne eingereist».

8 bis 12 Prozent Provision

Suntharalingams Rechnung ist jedenfalls nachvollziehbar: Er vermittelt mit Hilfe seines deutschen Kollegen Pfleger in die Schweiz und kassiert dafür Provision. Laut eigenen Angaben liegt diese bei 8 bis 12 Prozent des Bruttojahreseinkommens der vermittelten Person. Bringt er beispielsweise einen deutschen Berufsanfänger mit einem Monatslohn von hier üblichen 5100 Franken unter, ergibt das ein Bruttojahreseinkommen von 66 300 Franken und folglich eine Provision von 5300 bis 8000 Franken für Suntharalingam. Vermittelt sie pro Monat nur fünf durchschnittlich verdienende Pfleger, verdient die Medifair-Crew daran bis zu 40 000 Franken. Wie viele Vermittlungen die drei Personen bisher abgeschlossen haben, verrät Suntharalingam nicht. Die Kritik des Verbandes aber weist er entschieden zurück. «Erstens stimmt es nicht, dass wir Leute zu Dumpinglöhnen vermitteln. Und zweitens sind nicht wir es, die die Löhne vorgeben, sondern die Spitäler. Wir haben mit der Lohngestaltung nichts zu tun. Wir versuchen lediglich, im finanziellen Rahmen der Arbeitgeber geeignetes Personal zu finden. Nicht mehr und nicht weniger.»

Zusätzliche Dienstleistungen

Suntharalingam legt Wert auf die Feststellung, dass er mit der Medifair GmbH auch Dienstleistungen anbietet, die weit über die reine Vermittlung hinausgehen. «Wir holen die Leute vom Flughafen oder vom Bahnhof ab, fahren sie ins Spital zum Vorstellungsgespräch, unterstützen sie bei den Behördengängen. Und wenn es mit der Anstellung klappt, suchen wir auch gleich noch eine Wohnung für sie, wenn sie dies wünschen.» Und noch etwas stösst Suntharalingam sauer auf: «Wenn der Verband sagt, dass viele deutsche Pfleger wieder in die Heimat zurückkehren würden, weil es sich für sie finanziell nicht lohnt, dann deckt sich das überhaupt nicht mit den Erfahrungen, die wir bisher gemacht haben.» Viele Deutsche würden nicht nur den Lohn als Anreiz sehen, in der Schweiz zu arbeiten. «In den hiesigen Spitälern herrscht ein angenehmeres Arbeitsklima, auch die ganze Infrastruktur ist hierzulande oftmals besser als in Deutschland. Es geht also längst nicht nur ums Geld.» Lohndumping sei im Pflegebereich in der Schweiz ohnehin nicht möglich, sagt Suntharalingam. «Dafür ist ausgebildetes Pflegepersonal viel zu gefragt.»

Beim Pflegefachverband SBK sieht man dies etwas differenzierter. Sektionschefin Claudia Husmann sagt: «Spitäler haben zurzeit keine grosse Auswahl – sie nehmen das Personal, das sie bekommen. Aber sie würden das Geld für die Vermittlung lieber in die Infrastruktur und die Ausbildung ihrer Mitarbeiter investieren.»

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