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LUZERN: PH-Absolventin Sarah Erni liegen Menschen am Herzen

Am Samstag durften 143 Absolventen der Pädagogischen Hochschule Luzern ihr Diplom entgegen­nehmen. So auch Sarah Erni, die sich in ihrer Masterarbeit mit einem Flüchtlingsmädchen beschäftigte.
Martina Odermatt
PH-Absolventin Sarah Erni beim Schulhaus Utenberg. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 27. Januar 2018))

PH-Absolventin Sarah Erni beim Schulhaus Utenberg. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 27. Januar 2018))

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

Gerade noch war Sarah Erni für einen Sprachaufenthalt im spanischen Malaga. Just für die Diplomfeier am Samstag landete die 25-jährige Absolventin der Pädagogischen Hochschule Luzern wieder auf Schweizer Boden.

Lehrerin war nicht von Anfang an Ernis Traumberuf. Sie besuchte die Sekundarschule, wechselte dann an die Kanti. «Ich interessierte mich für vieles, verwarf aber meine Berufsideen immer wieder», sagt sie und lacht. So hätte aus Erni auch eine Coiffeuse, eine Floristin oder eine Physiotherapeutin werden können. Nur etwas konnte sie sich von vornherein nie vorstellen: einen Bürojob. Den ganzen Tag vor dem Computer zu sitzen, das sei nichts für sie.

«Dass ich schliesslich doch Lehrerin wurde, verdanke ich unter anderem einer Reisebekanntschaft, die angehende Lehrerin war.» Durch Gespräche fand Erni heraus, dass dieser Beruf auch etwas für sie sein könnte. «Als Sek-Lehrerin muss man Menschen mögen, sich in die Jugendlichen hineinversetzen können und sie unterstützen, auch wenn sie das in der Pubertät nicht immer gerne annehmen.» Ihre Berufswahl habe sie bis jetzt noch nicht bereut. Etwas Erfahrung konnte die 25-Jährige, die später die Fächer Sport, Deutsch, Englisch sowie Geografie und Geschichte unterrichten wird, immerhin bereits bei Lehrer-Stellvertretungen gewinnen.

Sinn in der Arbeit

Doch wieso gerade Sek-Lehrerin? «Ich mag die Abwechslung», sagt Sarah Erni. Und sie sehe einen Sinn in dieser Arbeit. Einerseits gehe es darum, das Fachwissen seiner Unterrichtsfächer zu vermitteln, andererseits habe man in der Sekundarschule auch viel Kontakt mit den Schülern. Zudem sei jede Klasse wieder anders. «Man sieht ihre Entwicklung und kann mit ihnen etwas erreichen.»

Menschen und ihre Geschichten beschäftigen Erni. Das zeigt sich auch bei ihrer Masterarbeit. «Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so eine tragische Geschichte zu erzählen habe», steht auf Deutsch sowie in arabischen Lettern auf dem Deckblatt ihrer Arbeit. Gesagt hat dies ein syrisches Mädchen, das hier zur Schule geht. Sie ist die Hauptprotagonistin in Ernis Diplomarbeit. Unter dem Titel «Vom Flüchtlingskind zur Sekundarschülerin» untersuchte Erni die Herausforderungen, denen Flüchtlingskinder in der Schule gegenüberstehen. Kennen gelernt hatte Erni das damals 14-jährige Mädchen, als sie eine Stellvertretung für eine andere Lehrperson machte. «Ich war fasziniert von ihr», sagt Erni rückblickend. «Im Mathematikunterricht war sie die erste, welche die Aufgaben lösen konnte. Doch bei sprachlastigen Fächern strauchelte sie.» Wie war ihr Start in der Schweizer Sekundarschule und wie geht es mit ihr weiter? Das wollte Sarah Erni ­herausfinden.

Nach dem Motto «Nicht reden über, sondern mit» trafen sich die beiden einmal im Monat, sprachen etwa über die Schule oder die Vergangenheit des Mädchens. Besonders schwierig war es für die Schülerin etwa, Freunde zu finden. Oder Prüfungen zu schreiben. «Sie hatte das Fachwissen, verstand aber oft die Prüfungsfragen nicht», fasst Erni zusammen. Doch die Schülerin liess sich nicht unterkriegen. «Ich war beeindruckt davon, wie reif sie für ihr Alter war, und wie stark ihr Wille war, eine Lehre zu machen und hier Fuss zu fassen.»

«Man muss von Anfang an viel reden»

Entstanden sind schliesslich zehn Tipps für Lehrpersonen. Zusammenfassend könne sie nur sagen, dass jedes Kind oder Jugendlicher eine Geschichte habe, und man Schweizer Jugendliche nicht mit syrischen Jugendlichen vergleichen könne. «Man muss viel Verständnis und Geduld aufbringen und von Anfang an viel reden.» Auch Gespräche mit den Eltern seien wichtig, man müsse ihnen etwa das Schweizer Bildungssystem erklären und das vielleicht mehrere Male.

Aus der Zusammenarbeit entwickelte sich bald auch eine Freundschaft. Noch immer stehen die beiden in Kontakt. Ganz so oft wie früher werden sie sich aber wohl nicht mehr sehen, sagt Erni. Das hat auch mit ihren Zukunftsplänen zu tun. Die Lehrerin zieht es für das nächste halbe Jahr ins Ausland. In zwei Wochen wird sie den Flieger nach Kambodscha nehmen. Wo und ob sie ab dem kommenden Schuljahr unterrichtet, ist noch offen. «Ich werde mich wohl von der Ferne aus bewerben müssen», sagt sie. Am meisten hofft sie auf eine Stelle als Fachlehrerin. «Ich freue mich schon sehr darauf, wenn ich dann als Lehrerin arbeiten darf.»

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