Luzern

Pilatusplatz: Kanton und Stadt lehnen Vorschlag zur Erhaltung von Parkplätzen ab

Die Autoparkplätze an der Obergrundstrasse gegenüber dem Einwohneramt müssen weg. Das örtliche Gewerbe spricht von einer «bedauernswerten Finte der Stadt».

Simon Mathis
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Diese Parkplätze an der Obergrundstrasse in Luzern sollen aufgehoben werden.

Diese Parkplätze an der Obergrundstrasse in Luzern sollen aufgehoben werden.

Bild: Pius Amrein (Luzern, 1. Dezember 2020)

Die Erneuerung der Kantonsstrassen rund um den Stadtluzerner Pilatusplatz sorgen für Diskussionsstoff. Denn die beiden Projekte, die der Stadtrat zurzeit prüft, sehen eine Aufhebung gewisser Parkplätze auf dem Inseli neben dem Stadthaus zwischen Obergrundstrasse und Hallwilerweg vor. Gegen diese Pläne wehrt sich die gewerbenahe IG Pilatusplatz. Sie hat deshalb beim Kanton Luzern als Strasseneignerin einen neuen Vorschlag zum Erhalt der Parkplätze eingereicht.

Die Idee: Die Parkplätze bei der Obergrundstrasse sollen eine Fahrgasse erhalten, die durch eine Trenninsel von den übrigen Spuren abgegrenzt werden. Über eine solche Pufferzone verfügen bereits die Parkplätze auf der anderen Seite des Inselis beim Hallwilerweg. Ansonsten wünscht die IG den Erhalt des Status quo − sowie die Öffnung und Aufwertung des Stadthausparkes. Nun aber sprechen sich sowohl Stadt Luzern als auch Kanton gegen den Vorschlag aus, wie es in einer Mitteilung der Stadt heisst. Die Variante sei «nicht bewilligungsfähig».

Drei Argumente gegen den Vorschlag der IG

Die kantonale Dienststelle Verkehr und Infrastruktur hat die Prüfung der Stadt Luzern übertragen. Die drei wichtigsten Erkenntnisse dieser Prüfung seien:

  1. Eines der Projektziele ist es, die Bushaltestellen behindertengerecht auszugestalten. Der Vorschlag der IG stehe im Widerspruch dazu. So führe er zu einer kurvigen Haltekante bei der Station Pilatusplatz, was es den Bussen verunmögliche, die Kante durchgehend parallel anzufahren. Zudem führe der Vorschlag der IG dazu, dass man auf Seite des Stadthauses «praktisch alle Bäume» fällen müsse, um die nötige Fläche zum Ein- und Aussteigen zu schaffen.
  2. Beim Vorschlag der IG hätte der geplante Veloweg von der Pilatusstrasse zum Hirschengraben keinen Platz mehr.
  3. Der Vorschlag beeinträchtige die Verkehrssicherheit. Die separate Parkplatzzufahrt hätte zur Folge, dass die Fahrspuren des Durchgangsverkehrs «stark verschmälert» würden. Zudem würde der heute schon unsichere Fussgängersteifen am Hirschengraben noch gefährlicher.

Sorge um die Erreichbarkeit der Geschäfte

Mit diesen Argumenten kann die IG Pilatusplatz nicht viel anfangen. «Gemäss unseren Informationen muss der aktuelle Baumbestand bei der Anpassung der Bushaltestelle sowieso erneuert werden, egal ob mit bisheriger Verkehrsführung oder nicht», sagt Toni Lötscher, Co-Präsident der IG Pilatusplatz und Mobiliar-Generalagent Luzern. Er spricht von einer «bedauernswerten Finte der Stadt». Es sei Ziel der IG, sich für die Erreichbarkeit der umliegenden Quartiere und Geschäfte, der Verhinderung von Lärm und Suchverkehr sowie für ein attraktives Zentrum einzusetzen, weshalb diese Bäume erhalten oder wieder gepflanzt werden müssten.

Die Stadt Luzern bezeichnet Lötschers Aussage als falsch. «Es gehört zu den Projektvorgaben, den aktuellen Baumbestand möglichst zu erhalten», sagt Stefan Huonder, Gesamtprojektleiter bei der Stadt Luzern. Zwar müssten einzelne Bäume vor dem Stadthaus zugunsten der behindertengerecht ausgestalteten Bushaltestelle gefällt werden, diese würden aber durch Neupflanzungen ersetzt.

Für die geplante Velospur fehle leider schlicht der Platz, fährt Toni Lötscher fort. Die IG schlage vor, eine Velo-Erschliessung der Bahnhofstrasse abzweigend von der Veloachse Bruchstrasse über die Rütligasse zu prüfen. Dieser Vorschlag werde aber «leider von den Stadtoberen gänzlich ignoriert.» Bezüglich Verkehrssicherheit komme ein anerkannter Ingenieur zu einem anderen Schluss:

«Gemäss unserem Bericht wäre der Parkierungsstreifen möglich, mit kleinen Anpassungen an den Trottoirs. Wir finden es bedauerlich, dass die Stadt die Anliegen der mehr als 860 Mitglieder der IG Pilatusplatz ignoriert und die IG auf den Erhalt der Parkplätze reduziert.»

Die Stadt Luzern wird bis 2021 entscheiden, welche Variante sie beim Kanton zur Weiterbearbeitung beantragen wird. Favorit der Stadt ist die so genannte Y-Lösung, die eine neue Verkehrsführung sowie die Aufhebung der allermeisten Inseli-Parkplätze vorsieht:

Die Y-Lösung würde die erste Variante ergänzen, die unter Beibehalt der derzeit bestehenden Verkehrsführung folgende Massnahmen vorschlägt:

Über welchen der beiden Vorschläge der Kanton befinden wird, ist noch offen. Die Bauarbeiten beginnen frühestens zwischen 2024 und 2026.