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LUZERN: Polizei hat Mühe mit Fanbussen

Polizeichef Adi Achermann will Gästefans vermehrt zu Fuss ins Stadion schicken trotz der Krawalle vom Montag. Diese habe es nur gegeben, weil FCL-Chaoten sich nicht an den Zeitplan hielten.
Alexander von Däniken
Hier war es noch friedlich: FCL-Anhänger marschieren am Pfingstmontag vom Schwanenplatz her über den Bahnhofplatz in Richtung Allmend. (Bild: PD)

Hier war es noch friedlich: FCL-Anhänger marschieren am Pfingstmontag vom Schwanenplatz her über den Bahnhofplatz in Richtung Allmend. (Bild: PD)

Alexander von Däniken

Einmal mehr wird in Luzern der sportliche Wettkampf von wüsten Krawallen in den Schatten gestellt. Am Montag gerieten Luzerner und Zürcher Chaoten am Rande des Spiels FC Luzern gegen FC Zürich aneinander, verursachten Sachschaden und prügelten sich. Die Luzerner Polizei hielt mit Gummischrot dagegen, als die Fanlager nach dem Spiel rund um die Voltastrasse aufeinandertrafen (wir berichteten). Das letzte gewalttätige Aufeinandertreffen von Luzerner und Zürcher Chaoten liegt noch nicht einmal ein Jahr zurück: Am 16. August 2014 wurden sogar fünf Polizisten verletzt. Luzerner Chaoten hielten damals VBL-Busse mit Zürcher Anhängern an, ein Buschauffeur wurde mit einer Eisenstange bedroht. Polizeikommandant Adi Achermann sprach damals von einer neuen Stufe der Gewalteskalation. Nun nimmt er zu den Krawallen vom Montag Stellung.

Adi Achermann, im letzten August kam es zu Krawallen, weil FCZ-Fans in Bussen transportiert wurden. Am Montag kam es zu Krawallen, weil FCZ-Fans zu Fuss unterwegs waren. Welchen Schluss ziehen Sie daraus?

Adi Achermann: Ich habe eigens angeordnet, dass die FCZ-Fans zu Fuss ins Stadion gehen können (obwohl die Zürcher Fanarbeiter einen Bustransport wünschten, siehe rechte Box, Anm. d. Red.). Die Krawalle vom letzten August haben gezeigt, dass es für die Polizei äusserst schwierig ist, mehrere Extrabusse auf ihrem Weg im Auge zu behalten und wenn etwas passiert – so schnell wie möglich vor Ort zu sein. Ausserdem ist das Schadenspotenzial bei Bustransporten ebenso hoch, wenn nicht höher.

Der Montag hat aber gezeigt, dass solche Fan-Märsche auch nicht funktionieren.

Achermann: Das lässt sich so nicht sagen. Der Einsatz am Montag war eine polizeitaktisch einwandfreie Leistung. Es kommt immer auch auf das Verhalten der Fans an.

Es ist zu Ausschreitungen und Sachbeschädigungen gekommen. So einwandfrei konnte die Polizeiarbeit also nicht sein.

Achermann: Schon vor dem Spiel auf dem Hinweg konnten wir erfolgreich ein Aufeinandertreffen der Chaoten verhindern. Nach dem Spiel hielten sich einige aus dem Luzerner Lager nicht an die zeitliche Abmachung. Ausserdem wussten wir nicht, dass sich die beiden Gruppen vor dem Fanlokal treffen wollten. Diese gewaltbereiten Gruppierungen waren auf Krawalle aus.

Haben Sie diese Krawalle nicht vorhersehen können? Immerhin gab es im August eine Vorgeschichte, und die Schottersteine auf dem ehemaligen Zentralbahn-Trassee luden förmlich zu Gewaltanwendung ein.

Achermann: Natürlich gingen wir schon im Vorfeld von einem hohen Gewaltrisiko aus. Aber es gibt immer ein Restrisiko; besonders wenn sich gegen 200 Luzerner rund 600 Zürchern gegenüberstehen. Wie sich einzelne Gruppen daraus situativ verhalten, ist nicht vorauszusehen, wie sich auch an der 1.-Mai-Nachdemo in Zürich schon gezeigt hat.

Das Fanlokal war bekanntlich auf Anweisung der Besitzerin geschlossen. Wie hat sich das auf die Polizeiarbeit ausgewirkt?

Achermann: Wir wurden erst kurzfristig über den Treffpunkt vor dem Spiel, dem Schwanenplatz, und jenem nach dem Spiel informiert, was unsere Arbeit sicher nicht einfacher gemacht hat. Anzufügen ist, dass wir beobachtet haben, wie ältere Fans jüngere Kollegen zurückhielten und so Schlimmeres verhindert haben. Und zwar in beiden Lagern.

Eine zeitliche Trennung der Fan-Märsche ist das eine, eine räumliche Trennung das andere. Warum unterscheiden sich die Fan-Routen nur durch eine Querstrasse?

Achermann: Weil bei den begrenzten Platzverhältnissen keine grossen Alternativen bestehen. Ausserdem haben wir einige Brennpunkte wie etwa beim Steghof erfolgreich entschärft.

Kann man daraus schliessen, dass die Luzerner Polizei künftig vermehrt Gästefans zu Fuss zum Stadion schickt?

Achermann: Ja, wenn sich diese Massnahme in der jeweiligen Lagebeurteilung als geeignet herausstellt. Dabei muss man aber immer den Einzelfall beurteilen.

Das dürfte viele Steuerzahler und vor allem Anwohner nicht gerade beruhigen. Fassen Sie denn aufgrund der erneuten Krawalle noch weitere Massnahmen ins Auge?

Achermann: Es gibt eine Arbeitsgruppe mit Vertretern von verschiedenen Polizeikorps, in der auch wir vertreten sind. Die se Arbeitsgruppe arbeitet intensiv an verschärften Massnahmen; etwa ID-Kontrollen. Allerdings machen solche Massnahmen nur Sinn, wenn sie schweizweit eingeführt werden.

Hinweis

Adi Achermann (51) ist seit Mai 2014 Kommandant der Luzerner Polizei. Der Jurist war im Dezember 2013 im Zuge der Polizeikrise inte­rimistisch in dieses Amt eingesetzt worden.

Zürcher Chaoten wüten mit Eisenstangen vor dem Café Volta in der Volta­strasse. (Bild: Leserreporter)Zürcher Chaoten wüten mit Eisenstangen vor dem Café Volta in der Volta­strasse. (Bild: Leserreporter)
Darauf kommts zur Krawalle (Bild: Leserreporter)Darauf kommts zur Krawalle (Bild: Leserreporter)
Gemäss Polizei wurde niemand verletzt. (Bild: Leserreporter)Gemäss Polizei wurde niemand verletzt. (Bild: Leserreporter)
Ein Mann liegt am Boden und wurde mutmasslich verprügelt. Passiert ist der Vorfall an der Ecke Bireggstrasse / Bleicherstrasse. (Bild: Leserreporter)Ein Mann liegt am Boden und wurde mutmasslich verprügelt. Passiert ist der Vorfall an der Ecke Bireggstrasse / Bleicherstrasse. (Bild: Leserreporter)
Der Wasserwerfer fährt auf und sorgt für Ruhe. (Bild: Leserreporter)Der Wasserwerfer fährt auf und sorgt für Ruhe. (Bild: Leserreporter)
Aufruhr im Sektor D1, nachdem Zürcher Anhänger über den Zaun gestiegen sind und auf einen Luzerner eingeprügelt haben. (Bild: Philipp Schmidli)Aufruhr im Sektor D1, nachdem Zürcher Anhänger über den Zaun gestiegen sind und auf einen Luzerner eingeprügelt haben. (Bild: Philipp Schmidli)
Grossaufgebot der Polizei beim Bahnhof. (Bild: Leserreporter)Grossaufgebot der Polizei beim Bahnhof. (Bild: Leserreporter)
Vor dem Spiel: FCL-Anhänger blockierten die Seebrücke... (Bild: Neue LZ)Vor dem Spiel: FCL-Anhänger blockierten die Seebrücke... (Bild: Neue LZ)
... zündeten Pyros... (Bild: Neue LZ)... zündeten Pyros... (Bild: Neue LZ)
... und marschierten in Richtung Allmend. (Bild: Neue LZ)... und marschierten in Richtung Allmend. (Bild: Neue LZ)
Ein Kleber zeugt vom Marsch der FCZ-Anhänger. (Bild: Neue LZ)Ein Kleber zeugt vom Marsch der FCZ-Anhänger. (Bild: Neue LZ)
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Krawalle in Luzern

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