LUZERN: Polizeichef verteidigt Vorgehen

Der Vorfall um den Kaderpolizisten an der letzten Fasnacht beschäftigt weiter. Nun erklärt Polizeikommandant Adi Achermann, warum er die mutmassliche Tätlichkeit nicht öffentlich machte.

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Archivbild: Adi Achermann, Kommandant der Luzerner Polizei. (Bild: ALEXANDRA WEY (KEYSTONE))

Archivbild: Adi Achermann, Kommandant der Luzerner Polizei. (Bild: ALEXANDRA WEY (KEYSTONE))

Alexander von Däniken
alexander.vondaeniken@luzernerzeitung.ch

Polizeikommandant Adi Achermann wird gelobt, weil er den Vorfall eines Kaderpolizisten an der Fasnacht umgehend von zwei Stellen untersuchen liess (wir berichteten). Es gibt aber auch kritische Töne. So fragt sich Kantonsrat Hans Stutz (Grüne, Luzern), warum Achermann die Öffentlichkeit nicht umgehend informiert hat. 

Überdies ist Roberto Zalunardo laut Stutz «der falsche Mann» für die Administrativuntersuchung. Dies, weil der Baarer Rechtsanwalt als ehemaliger Polizeichef in Zug und Basel-Stadt den Anschein von Polizeinähe erwecke und zu den Mitverantwortlichen der basel-städtischen Dienstwagenaffäre gehört habe. Dies gemäss einer Recherche der «BZ Basel», wonach Zalunardo 2002 als damaliger Kommandant der Basler Polizei die private Nutzung der Dienstfahrzeuge mit seiner Unterschrift abgesegnet hatte. Ausserdem kritisiert Stutz die Staatsanwaltschaft Luzern, weil diese den Fall nicht einer ausserkantonalen Stelle übertragen hat. «Polizei und Staatsanwaltschaft arbeiten täglich zusammen, und eine Befangenheit kann nicht von vornherein ausgeschlossen werden», sagt Stutz. Auffällig in diesem Fall sei, dass sich die Eröffnung des Untersuchungsverfahrens vor allem auf den Rapport eines Polizisten stütze und nicht auf eine Anzeige des mutmasslichen Opfers. 

Staatsanwaltschaft: Keine Verbindung

Das Verfahren wurde gemäss der Staatsanwaltschaft nicht extern gegeben, weil es sich beim betroffenen Polizisten nicht um ein Mitglied des obersten Polizeikaders handle. Zudem habe der zuständige Staatsanwalt Michael Bucher «keine persönliche Verbindung zum Beschuldigten», so Simon Kopp, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft. Bucher sei deshalb in der Lage gewesen, das Verfahren gegen den Kaderpolizisten «unabhängig und unvoreingenommen zu führen». Zumal Bucher für die Staatsanwaltschaft Sursee arbeite, also nicht für die Region Stadt Luzern zuständig sei, wo der Fasnachtsvorfall passiert ist. 

Warum hat Kommandant Adi Achermann die Öffentlichkeit nicht umgehend über den Vorfall informiert? «Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren zu diesem Vorfall, nach Anzeige durch die Luzerner Polizei, umgehend gestartet. Dies geschah auch auf Ansinnen der Führung der Polizei», erklärt Achermann unserer Zeitung. Nach der Einstellung des Strafverfahrens durch die Staatsanwaltschaft sei auf eine interne wie externe Kommunikation der Administrativuntersuchung verzichtet worden. Konkret seien intern die Geschäftsleitung und die sogenannte Administrativkommission informiert worden. Achermann: «Dieses Vorgehen ist üblich und berücksichtigt die Persönlichkeitsrechte der involvierten Personen.» 

Und warum hat Achermann die Administrativuntersuchung Roberto Zalunardo übergeben? Dazu erklärt der Kommandant: «Die Führung einer Administrativuntersuchung bei der Polizei wird mit Vorteil von einem unabhängigen Experten durchgeführt, der sowohl mit der rechtlichen Situation wie auch dem Polizeialltag vertraut ist. Roberto Zalunardo erfüllt diese Bedingungen.» Er habe keinen Bezug zur Luzerner Polizei – sondern war und ist in anderen Kantonen beruflich aktiv und habe vertiefte Praxis und Erfahrung. Achermann fügt an: «Bei Administrativuntersuchungen ist jeweils auch zeitgerechtes Handeln geboten. Herr Zalunardo hat uns nach Anfrage für die Administrativuntersuchung zugesagt und kann diese auch zeitgerecht abschliessen.»