LUZERN: Post-Lädeli soll Schule machen

Die Post unterzieht ihr Filialnetz in der Stadt Luzern einer «Gesamtbetrachtung» – und sucht bereits Betreiber von Postagenturen.

Robert Knobel
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Eine von 12 Filialen in der Stadt Luzern: Die Post an der Würzenbachstrasse. (Archivbild / Nadia Schärli / Neue LZ)

Eine von 12 Filialen in der Stadt Luzern: Die Post an der Würzenbachstrasse. (Archivbild / Nadia Schärli / Neue LZ)

Immer weniger Leute gehen «auf die Post», um Briefe oder Pakete aufzugeben. Trotzdem unterhält die Post noch immer ein Netz von insgesamt fast 1500 Poststellen in der ganzen Schweiz. Diese sind entsprechend defizitär (Ausgabe vom Freitag). Auch in der Stadt Luzern sind viele Filialen unrentabel. Im Moment gibt es 12 Poststellen auf Stadtgebiet. Dabei soll es vorderhand auch bleiben.

Dennoch sagt Markus Flückiger, Kommunikationsverantwortlicher Postnetz Mitte bei der Schweizerischen Post, man sei dabei, eine «Gesamtbetrachtung» für die Stadt Luzern zu machen. Dabei gehe es nicht um Schliessungen von einzelnen Poststellen, betont Flückiger. Vielmehr steht im Zentrum, die bestehenden Angebote rentabler betreiben zu können – im Idealfall so, dass auch die Kunden profitieren können. Dass dies kein Widerspruch sein muss, zeigen die sogenannten Agentur-Lösungen, die es seit einiger Zeit auch in Luzern gibt. So beispielsweise in der Altstadt. Dort ist die Poststelle seit 2012 in die Bäckerei Merz in der Eisengasse integriert. Man kann dort Briefe und Pakete aufgeben, Sendungen abholen und Einzahlungen machen. Nur dass diese Dienstleistungen nicht von Postangestellten ausgeführt werden, sondern von den Verkäuferinnen der Bäckerei. Der Vorteil: Die Postkunden profitieren so von den Öffnungszeiten der Bäckerei, die viel länger sind als die einer normalen Poststelle. So kann man abends bis 18.30 Uhr, donnerstags bis 19.30 Uhr seine Postgeschäfte erledigen.

Längere Öffnungszeiten

Nun sucht die Post nach weiteren solchen Kooperationsmodellen mit bestehenden Geschäften in den Quartieren, wie Recherchen unserer Zeitung zeigen. Insbesondere für die Poststelle Würzenbach wird nach so einer Lösung gesucht – möglichst in der Nähe des heutigen Standortes. Dem Quartier bleibt so die Post erhalten, und dies mit ausgebauten Öffnungszeiten. Auch für Reussbühl steht eine ähnliche Lösung im Raum. Da die dortige Poststelle sehr gross ist, wäre denkbar, sie am jetzigen Standort zu belassen und einen Teil der Räumlichkeiten an einen Partner abzugeben.

Weniger Personal und Angebote

Die Kehrseite von solchen Agenturlösungen: Die Post verzichtet auf eigenes Personal und baut damit Stellen ab. Zudem bieten Agenturen meist nicht das ganze Dienstleistungspaket einer normalen Poststelle. Insbesondere beim Zahlungsverkehr gibt es Einschränkungen. So sind in den beiden Stadtluzerner Postagenturen, die in Kioske integriert sind (siehe Kasten), keine Einzahlungen möglich. In der dritten Agentur (Bäckerei Merz) sind Zahlungen möglich, aber nur fürs Inland und nur mit Karte.

Hauptpost erweitern

Für andere Poststellen, insbesondere diejenige in Littau und im Hirschen­graben, sind mittelfristig keine Änderungen geplant. Diese sollen in der heutigen Form beibehalten werden. Das trifft auch auf die Hauptpost beim Bahnhof zu. Diese würde man sogar gerne erweitern. Doch das ist aufgrund der engen Platzverhältnisse kaum realistisch. Schliesslich sucht die Post auch nach einem neuen Standort für Geschäftskunden, die grosse Massensendungen aufgeben wollen. Heute wird der Schalter bei der Uni hinter dem Bahnhof sehr stark von Geschäftskunden benutzt. Doch die Zufahrt mit dem Auto ist dort nicht ideal. Deshalb soll ein neuer Standort ausserhalb des Zentrums gesucht werden.

Zeitpunkt der Umsetzung offen

Ein konkreter Zeitplan, bis wann die Post ihre Strategie in der Stadt Luzern umsetzen will, besteht nicht. Man wolle einfach «in den kommenden Jahren» nach neuen Möglichkeiten suchen, sagt Markus Flückiger. Bei diesem Prozess ist auch die Stadt involviert. Die Stadt hat nämlich ein gesetzliches Anhörungsrecht, was Veränderungen beim Poststellennetz betrifft. Zurzeit beschränkt sich die Zusammenarbeit zwischen Post und Stadt weitgehend auf jährliche Austauschtreffen, wie Thomas Scherer von der städtischen Finanzdirektion sagt. Sobald die Post konkrete Vorschläge macht, werde sich die Stadt aktiv einbringen, sagt Scherer.

Robert Knobel