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LUZERN: Probearbeit: Fotografin fühlt sich abgezockt

Eine Architekturfotografin wird von einer Immobilienfirma zum Probeshooting eingeladen. Später werden ihre Bilder ohne Rücksprache kommerziell verwendet. Die gestellte Rechnung will die Firma nicht begleichen – darf sie das?
Christian Hodel
Archivbild: Kamera (Bild: LZ)

Archivbild: Kamera (Bild: LZ)

Christian Hodel

christian.hodel@luzernerzeitung.ch

Probearbeit hat viele Vorteile. Der Bewerber erhält einen Einblick in den Arbeitsalltag im Unternehmen – und der Arbeitgeber kann sich ein genaueres Bild von seinem potenziellen Angestellten machen. Eine Win-win-Situation, könnte man meinen. Nicht so für die auf Immobilien spezialisierte Fotografin Joanna Gosiewska aus Rotkreuz. Ihr letztes «Probeshooting» brachte ihr nichts als Ärger ein, der bis heute anhält.

Vor einigen Wochen wurde sie im Rahmen ihres Bewerbungsprozesses für eine Stelle von einer Luzerner Firma eingeladen, eine Immobilie in Rain zu fotografieren. Tage später kam die Absage für den Job. Die von der Fotografin am Probeshooting gemachten Bilder hat das Immobilien-Dienstleistungsunternehmen zu diesem Zeitpunkt aber bereits kommerziell genutzt und ins Internet gestellt – jedoch ohne Absprache mit der Fotografin.

Grundsätzlich gilt: Probetag ist zu vergüten

«Nach der Veröffentlichung habe ich natürlich eine Rechnung geschickt für meine Arbeit», sagt Gosiewska. Die veranschlagten 935 Franken wurden von der Luzerner Firma aber nie bezahlt. Auf Nachfrage teilte ihr die Leiterin Marketing & Kommunikation mit: Die Bilder seien «im Rahmen eines Probeshootings entstanden». Man sei nicht bereit, ihr den Aufwand zu entschädigen. Für die Fotografin indes ist die Sache glasklar: «So was geht nicht. Das könnte ja jeder machen: Eine professionelle Fotografin zu einem sogenannten Probe-Fotoshooting einladen, ihr nach der Lieferung der Bilder eine Absage erteilen und die Fotos frei verwenden.» Schliesslich seien die Fotos urheberrechtlich geschützt, und die Nutzungsrechte müssen erworben werden, so Joanna Gosiewska. Komme hinzu, dass «unbezahltes Probearbeiten in der Schweiz gesetzlich wohl kaum Halt hat».

Doch stimmt das wirklich? Raetus Cattelan ist Fachanwalt SAV Arbeitsrecht und Vorstandsmitglied des Luzerner Anwaltsverbands. Er hält fest: «Lässt ein Arbeitgeber einen Kandidaten versuchshalber an einem Probetag arbeiten, ist dies zu entschädigen – sofern nichts anderes vereinbart worden ist.» Es liegt also ein Arbeitsvertrag vor, was aber zur Folge hat, dass die Nutzungsrechte der Fotos an die Firma übergehen. Will heissen: Die Fotografin wird zwar für den Arbeitstag entlöhnt, die Rechte der Bilder gehören aber der Firma. «Vereinbaren die Parteien, dass das Probearbeiten entschädigungslos erfolgt, liegt kein Arbeitsvertrag vor. Dann bleiben die Urheberrechte der Bilder bei der Fotografin.» Letztlich ist laut Cattelan also unbestritten, dass die Fotografin eine Entschädigung zugute hat – entweder für ihre verrichtete Arbeit am Probeshooting oder indem die Firma ihr die Nutzungsrechte vergütet.

Gosiewska hat in der Zwischenzeit der Luzerner Firma eine Mahnung geschickt und ist bereit, die Betreibung einzuleiten und notfalls gar den weiteren rechtlichen Weg zu beschreiten.

Noch Anfang dieser Woche zeigten sich die Verantwortlichen aber unbeeindruckt von den Worten und den Schreiben der Fotografin. Stattdessen erhielt Joanna Gosiewska einen eingeschriebenen Brief. Darin be­ fand sich eine auf Papier ausgedruckte Kopie des E-Mail-Verkehrs zwischen dem Immo­bilien-Dienstleistungsunternehmen und der Fotografin. Auf einem Papier schreibt ihr der CEO des Unternehmens unter anderem: Man sei nicht bereit, die Rechnung zu zahlen. «Eine Mahnung usw. wird uns nicht dazu bringen, diese zu begleichen. Daher bitte ich Sie, uns damit nicht weiter zu belästigen.»

«Ich bestehe darauf, dass die Rechnung bezahlt wird»

Erst auf Nachfragen unserer Zeitung scheint sich nun im Streit eine Annäherung abzuzeichnen. Die von der Luzerner Immobilienfirma beauftragte Anwaltskanzlei lässt am Donnerstagabend der «Zentralschweiz am Sonntag» mitteilen, dass man die Forderung von Frau Gosiewska weiterhin als unbegründet ansehe. Nichtsdestotrotz habe die Firma aufgrund des Widerspruchs von der Fotografin die Bilder bereits vom Netz genommen. Eine Vergütung für die zwischenzeitliche Nutzung sei aber keine geschuldet. Dennoch nehme man gerne ein Angebot entgegen zur einvernehmlichen Lösung, die Rechte an den Bildern abzukaufen. Man sei jedoch nicht bereit, die im Rahmen des ordentlichen Bewerbungsprozesses verübten Tätigkeiten zu vergüten, da dies so nicht abgesprochen wurde.

Die Fotografin Joanna Gosiewska indes will mit der Luzerner Firma keinen Kompromiss eingehen und sagt: «Ich bestehe darauf, dass die Rechnung vollständig bezahlt wird.»

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