LUZERN: Raritätenparadies lässt Drummer-Herzen höher schlagen

Alte Schlagzeuge sind seine Leidenschaft: Jetzt organisiert Pit Furrer das erste Vintage Drum Meeting. Nicht nur für Angefressene.

Pirmin Bossart
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Pit Furrer mit seinem Schlagzeug der Marke Trixon aus dem Jahr 1963. (Bild: PD)

Pit Furrer mit seinem Schlagzeug der Marke Trixon aus dem Jahr 1963. (Bild: PD)

Als 16-Jähriger war Pit Furrer mit seinem Vater zu Besuch bei Verwandten in Deutschland. «Dort habe ich zum ersten Mal live ein Schlagzeug gesehen.» Das ist 40 Jahre her, aber es war das Initiationserlebnis. Das Schlagzeug ist zu seiner Leidenschaft geworden. Pit trommelte bei Flame Dream, spielte in Stevens Nude Club und ist heute mit Piri Piri unterwegs. Zum 60. Geburtstag macht er sich und den zahlreichen Schlagzeugfreunden selber ein Geschenk: Er lädt zum ersten Vintage Drum Meeting in Luzern. Dort dreht sich alles um alte Schlagzeuge, sozusagen die Oldtimers unter den Drums.

Faszination für Material und Klang

Solche Meetings gibt es bereits in Deutschland, England und Holland. «Die Schlagzeuge, die ich dort sah, waren längst nicht so bis ins kleinste Detail original, wie wir das hier haben und pflegen können.» Der Anlass dürfte neben Sammlern von alten Schlagzeugen auch Musikfans sowie Schlagzeug spielende Kinder mit ihren Eltern interessieren. Sie könnten eine lockere Geschichtslektion erleben. «Wir haben Schlagzeuge aus den 1940er- und 1950er-Jahren, wie man sie nirgendwo mehr sieht. Ebenso Schweizer Produkte wie Imperial und Giannini, die es schon lange nicht mehr gibt.» Die Firma Paiste aus Nottwil, die weltweit zu den renommiertesten Herstellern von Cymbals (Blech) gehört, zeigt eine neue Cymbals-Linie, die auf den alten Legierungen der 1960er-Jahre beruht.

Ähnlich wie Oldtimerfreunde, die sich andächtig um einen Chevrolet Corvette aus den frühen 1950er-Jahren scharen, bekommen Vintage-Schlagzeugfreunde glänzende Augen, wenn sie ein originales Ludwig-Schlagzeug sehen und hören. Es ist nicht nur die besondere Materialität mit ihrer Ästhetik, die fasziniert, es ist auch der Klang. «Die alten Schlagzeuge sind anders verarbeitet. Alles war Handarbeit. Sie klingen einfach anders. Das merken auch meine Schlagzeugschüler, wenn sie sich mal an ein Vintage-Schlagzeug setzen», so Furrer.

Glückliche Bastler und Sammler

Vintage-Schlagzeug-Liebhaber sind immer auch Sammler. Sie tauschen Teile, pützeln und hegen ihre Objekte, restaurieren sie selber und fachsimpeln stundenlang. Zu ihnen gehören neben Pit Furrer etwa Arno Troxler, Leiter des Jazz Festivals Willisau. Auch Frasi Müller, Betreiber der Bar 59, der hobbymässig Schlagzeug spielt, fährt auf alte und seltene Schlagzeuge ab. Drummer scheinen noch eine Spur intensiver mit ihrem Instrument verbunden zu sein als andere Musiker. Immerhin müssen sie das Instrument vor und nach jedem Konzert auf- und wieder abbauen, es in Einzelteile zerlegen, dieses und jenes richten, defekte Teile ersetzen. Das festigt die Beziehung.

Am glücklichsten sind Vintage-Schlagzeug-Liebhaber, wenn sie irgendwo ein altes Schlagzeug oder auch nur Teile davon finden und sie eigenhändig restaurieren können. Sie alle haben sich ihr Wissen durch Bücher und im Austausch mit andern angeeignet. Das braucht Geduld. Pit, der seine Werkstatt in Kriens hat, nickt. «Manchmal dauert es Monate, bis du nur eine bestimmte originale Schraube findest.»

HINWEIS

Die Ausstellung findet morgen in Justino's Vasco da Gama in Littau von 11 bis 18 Uhr statt. Mehr Infos unter: www.vintagepit-drums.ch/news