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LUZERN: Real entzieht Privatfirmen ihren Abfallsammel-Auftrag

Der Gemeindeverband Real will die Abfalltransporte ab 2020 in Eigenregie durchführen. Er erhofft sich dadurch mehr Flexibilität. Eine Mitgliedsgemeinde wehrt sich aber noch gegen die «Verstaatlichung».
KVA. Real. Die neuen Müllabfuhr-Lastwagen verfügen über viel Platz im Cockpit und moderne navigations und GPS-Geräte, welche z.b. das Gewicht jeder einzelnen Containerladung direkt an die Zentrale schicken. Auf dem Bild Hayle Desfamaryam Abfall Fotografiert in Luzern am 10. Januar 2013 (Neue LZ/Nadia Schärli) (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 10. Januar 2013))

KVA. Real. Die neuen Müllabfuhr-Lastwagen verfügen über viel Platz im Cockpit und moderne navigations und GPS-Geräte, welche z.b. das Gewicht jeder einzelnen Containerladung direkt an die Zentrale schicken. Auf dem Bild Hayle Desfamaryam Abfall Fotografiert in Luzern am 10. Januar 2013 (Neue LZ/Nadia Schärli) (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 10. Januar 2013))

Auch wenn die Abfallsammlung jeweils mit den markanten blauen Real-Lastwagen unterwegs ist: Ausgeführt wird die Arbeit von privaten Firmen, nur die Fahrzeuge gehören dem Gemeindeverband Real (Recycling Entsorgung Abwasser Luzern).

Das wird sich jetzt ändern: Der Vorstand hat beschlossen, dass Real die Sammlung ab 2020 selbst übernimmt. Derzeit führen die Firmen Heggli AG mit Sitz in Kriens und Leisibach Entsorgung AG mit Sitz in Hochdorf die Sammlungen im Auftrag von Real in den Verbandsgemeinden durch. Ausnahme ist die Stadt Luzern, wo das kommunale Tiefbauamt für die Abfallsammlung zuständig ist. Dies wird vorerst auch so bleiben.

Real will direkt Einfluss nehmen

Für den Entscheid gebe es mehrere Gründe, wie Real auf Anfrage schreibt. So wolle man die Sammelrouten optimieren, die Firmen hätten das bis anhin nicht getan. «Natürlich muss man nach wie vor alle Strassen abfahren», sagt Adrian Borgula (Grüne), Luzerner Stadtrat und Real-Präsident. «Doch man kann die Reihenfolge so festlegen, dass der Wagen auch auf der letzten Tour am Ende des Tages möglichst voll zur Kehrichtverbrennungsanlage Renergia nach Perlen fährt.» In der Stadt habe man mit verschiedenen Optimierungen die Sammelleistung innert Jahresfrist um über 10 Prozent erhöhen können.

Laut Real nimmt zudem die Bedeutung «alternativer Logistiklösungen» wie Unterflursystemen zu. Dabei handelt es sich zum Beispiel um unterirdische Container an zentralen Stellen, wodurch die Abfallsammlung weniger aufwendig wird.

«Der Sammeldienst in Eigenregie bietet als einzige Lösung die nötige Flexibilität für laufende Veränderungen in diesem Bereich.» So könne Real direkt Einfluss auf die Anzahl und Ausrüstung der Kehrichtfahrzeuge und Sammelequipen nehmen, was derzeit nicht möglich sei.

Zu guter Letzt komme hinzu, dass künftig die Mitarbeiter an der Front direkt von Real instruiert werden und diese ihre Erfahrungen wieder in die Disposition und Routenplanung einfliessen lassen könnten.

«Umstellung erfolgt wegen der Flexibilität»

Welchen Betrag die Firmen derzeit für den Auftrag erhalten, kommunizieren die Beteiligten nicht. Gemäss Real liegen die Kosten rund 10 Prozent über dem ursprünglich mit den Firmen vereinbarten Betrag.

Für den gesamten Sammeldienst inklusive Stadt Luzern sind 2018 rund 14 Millionen Franken budgetiert. Real rechnet ab 2020 nach der Übernahme mit Kosten im selben Bereich. «Die Umstellung erfolgt nicht aus finanziellen Gründen, sondern wegen der Flexibilität», sagt Borgula.

Der Real-Entscheid kommt nicht überall gut an. Der Krienser Gemeinderat hat dagegen eine Petition beim Vorstand eingereicht. «Einerseits geht es darum, das lokale Gewerbe zu fördern», sagt der Krienser Bauvorsteher Matthias Senn (FDP) mit Blick auf die Heggli AG. «Andererseits sind wir grundsätzlich der Meinung, dass eine Verstaatlichung von privaten Leistungen nur erfolgen sollte, wenn die privaten Unternehmungen schlechte Arbeit machen oder sonst wesentliche Vorbehalte gegen deren Arbeit bestehen. Das ist in diesem Fall nicht ersichtlich.»

Für die Petition habe man auch andere Gemeinden um Unterstützung angefragt, so Senn. «Leider haben wir keine Mitstreiter gefunden.»

Kriens stellt kein Mitglied im siebenköpfigen Real-Vorstand. Dort sind neben der Stadt Luzern die Gemeinden Meggen, Inwil, Malters, Weggis, Emmen und Ebikon vertreten. Matthias Senn vertritt Kriens in der Delegiertenversammlung, in der alle 22 Verbandsgemeinden eine Stimme haben.

Den Entscheid kann der Vorstand jedoch alleine fällen. «Die Delegiertenversammlung muss dazu keinen formalen Beschluss fällen, da es sich um Ausgaben im Rahmen des von ihr beschlossenen Budgets handelt», schreibt Real.

«Einschnitt» für betroffene Firmen

Die betroffenen Firmen wollen den Real-Entscheid nicht öffentlich kommentieren. Sie geben aber Auskunft zu den Auswirkungen auf den Betrieb. «Für uns ist das schon ein Einschnitt. Wir hätten die Aufgabe gerne weiterhin ausgeführt», sagt Brigitte Heggli, Mitglied der Geschäftsleitung der Heggli AG. «Existenzbedrohend ist das aber nicht, die Firma ist gross genug.»

Umsatzzahlen kommuniziert Brigitte Heggli nicht, Aufschluss gibt jedoch folgender Vergleich: Für die Abfallentsorgung seien acht Fahrzeuge mit je drei Mitarbeitern unterwegs, die Firma als Ganzes beschäftigt rund 200 Personen.

Auch für die Leisibach Entsorgung AG sei der Verlust des Auftrags einschneidend, aber nicht existenzbedrohend, so Geschäftsleiter René Leisibach. «Wir erledigen Entsorgungen in rund 70 Gemeinden in der ganzen Zentralschweiz.»

2020 müsse man aufgrund des Entscheids von Real 15 von total rund 110 Stellen abbauen. Die betroffenen Mitarbeiter werden von Real nicht direkt übernommen. Der Verband will die neuen Stellen ausschreiben lassen. Es sei aber zu vermuten, «dass sich etliche Mitarbeiter der privaten Firmen bewerben werden», so Real.

Stefan Dähler
stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

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