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LUZERN: Reformierte Kirchgemeinde steckt in schwieriger Situation

Die Reformierte Kirchgemeinde Luzern verliert immer mehr Mitglieder. Präsidentin Marlene Odermatt spricht über Sparmassnahmen und sagt, warum sie auf die Katholiken neidisch ist.
Stefan Dähler
Marlene Odermatt, Präsidentin der Reformierten Kirchgemeinde Luzern, in der Lukaskirche. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 15. Dezember 2017))

Marlene Odermatt, Präsidentin der Reformierten Kirchgemeinde Luzern, in der Lukaskirche. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 15. Dezember 2017))

Interview: Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

500 Jahre nach Beginn der Reformation steckt die Reformierte Kirchgemeinde Luzern in einer schwierigen Situation. Die Mitgliederzahl sinkt, derzeit sind es noch rund 21'000. Etwa 400 Personen seien alleine in den letzten zwei Jahren ausgetreten, sagt Marlene Odermatt, Präsidentin des Vorstands der Kirchgemeinde. Dadurch sinken auch die Steuereinnahmen. Nun geht die Kirchgemeinde in die Offensive und startet eine Informationskampagne, um in der Bevölkerung breiter wahrgenommen zu werden. Doch ohne Sparmassnahmen wird es nicht gehen.

Marlene Odermatt, warum die Infokampagne?

Wir haben derzeit ein verstaubtes Image. Viele Leute denken, wir machen nur Gottesdienste, die immer schlechter besucht sind. Doch unsere Kirchenzentren sind während der Woche voll. Es gibt unzählige Angebote wie Mittagstische, Frauentreffs, Konzerte, Handauflegen, Gesprächskreise oder Spielnachmittage. Auch ­geben wir jährlich 1,2 Millionen Franken für Soziales aus – knapp 10 Prozent des Gesamtbudgets. Wir unterstützen Hilfswerke im Ausland, Beratungsangebote und Sozialprojekte oder Institutionen wie die Wärchbrogg und die Gassenarbeit.

Was unternehmen Sie genau?

Wir haben einen Flyer produziert, der aufzeigt, was wir alles anbieten. Weiter achten wir bei Vergaben darauf, dass wir als Spender sichtbar gemacht werden – etwa auf der Homepage einer Institution, auf einer Sponsorenliste oder im Jahresbericht. Die Leute sollen sehen, was die Kirche leistet. Dafür müssen wir auch unsere kirchliche Bescheidenheit ablegen.

Die Mitgliederzahlen bei der katholischen Kirche sind stabiler, sie profitiert auch von der Zuwanderung. Wieso ist das bei den Reformierten nicht der Fall?

Wir haben vor einigen Jahren, als viele Deutsche in die Schweiz eingewandert sind, auch noch davon profitiert. Doch inzwischen kommen weniger Zuwanderer aus den nordischen Ländern, in denen es auch viele ­Reformierte gibt. Die südlichen Länder sind eher katholisch geprägt.

Wie wirken sich die sinkenden Mitgliederzahlen aus?

Wir müssen uns folgende Frage stellen: Was bedeutet es, wenn es so weitergeht? Die Tendenz ist, dass wir uns verkleinern müssen. Es gilt nun zu analysieren, was unsere Kernaufgaben sind, um Prioritäten zu setzen.

Welche Sparmassnahmen haben Sie bereits ergriffen?

Der Kirchenvorstand wurde von 7 auf 5 und der Kirchenrat von 30 auf 24 Mitglieder reduziert. Weiter haben wir bei der Verwaltung und bei Anschaffungen gespart. Doch das reicht nicht. Wir müssen ans Lebendige.

Was heisst das konkret?

Wo und wie viel wir sparen werden, kann ich noch nicht sagen. Wir können gemäss Finanzplan noch zwei Jahre überbrücken, danach muss schrittweise ein ­Abbau erfolgen. Derzeit erarbeitet eine Arbeitsgruppe mögliche Massnahmen, im Frühling 2018 sollen die Teilkirchen miteinbezogen werden. Es wird nicht einfach. Geht es so weiter, müssen Angebote gestrichen und irgendwann auch Personal abgebaut werden.

Sind höhere Steuern denkbar?

Wir müssen in unserer Situation alle Optionen erwägen.

Die Katholische Kirchgemeinde Luzern hat Wohnüberbauungen realisiert und profitiert nun von den Mieteinnahmen. Ist das eine Option für Sie?

In der Vergangenheit haben wir das abgelehnt, da viele Mitglieder der Ansicht waren, dass die Kirche keine Immobilienfirma sein soll. Doch heute schaue ich ehrlich gesagt etwas neidisch auf die Katholiken. Wir erarbeiten nun eine neue Immobilienstrategie. Es ist durchaus denkbar, dass Wohnungen künftig eine Rolle spielen werden. Wir verfügen zwar nicht über so viel Land wie die Katholische Kirchgemeinde. Eine Möglichkeit wäre jedoch, dass Zentren künftig auch umgenutzt werden.

Vor einem Jahr haben sich die Teilkirchen Horw und Meggen-Adligenswil-Udligenswil abgespalten. Wie wirkt sich das aus?

Beide Teilkirchen waren Geber in unserem internen Finanzausgleich. Die Ausgleichszahlungen laufen nun noch neun Jahre weiter, ab 2027 fallen rund 700000 Franken weg. Abgesehen vom Finanziellen hat die Abspaltung den Zusammenhalt der verbliebenen Teilkirchen aber gestärkt.

Zum Schluss noch ein Ausblick: Wird die Reformierte Kirchgemeinde Luzern in 30 Jahren noch existieren?

Ja, davon bin ich überzeugt. Wir haben gute Mitarbeiter, die tolle Arbeit leisten. Die Frage ist aber, in welcher Form es uns geben wird. Grundsätzlich liegt der Wandel aber in der Natur der reformierten Kirche. Das Motto der Reformation lautet schliesslich «semper reformare», also immerwährende Reformierung.

Zur Person

Marlene Odermatt (55) ist seit 2013 Präsidentin des Vorstands, also der Exekutive der Reformierten Kirchgemeinde Luzern. Sie war von 2011 bis im Juni dieses Jahres Mitglied des Kantonsrats für die SP, trat dann aber zurück, weil sie von Adligenswil in einen anderen Wahlkreis in die Stadt ­Luzern zog.

Zwei Teilkirchen haben sich abgespalten

Bei der Reformierten Kirchgemeinde Luzern handelt es sich quasi um eine Dachorganisation mit rund 21 000 Mitgliedern. Ihr gehören acht Teilkirchen in der Region an: Stadt Luzern, Littau-Reussbühl, Buchrain-Root, Ebikon, Emmen-Rothenburg, Kriens, Malters und Rigi-Südseite (Vitznau, Weggis, Greppen). Die beiden Teilkirchen Meggen-Adligenswil-Udligenswil mit rund 2300 Mitgliedern sowie Horw mit rund 1700 Mitgliedern haben sich vor einem Jahr abgespalten. Sie beteiligen sich während zehn Jahren aber weiterhin am Finanzausgleich der Kirchgemeinde. (std)

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