LUZERN: Reizvoller Fritschi-Umzug – trotz einem Hänger

Zehntausende Fasnächtler erlebten eine «geniale» Parade von «Weltklasse». Allerdings brachte ausgerechnet das Piratenschiff der Zunft zu Safran den Umzug ins Stocken.
Die Zunft zu Safran Luzern mit dem Motto Safran-Piraten. Dieses Boot lief später beim Fritschi-Brunnen quasi auf Grund. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 8. Februar 2018))

Die Zunft zu Safran Luzern mit dem Motto Safran-Piraten. Dieses Boot lief später beim Fritschi-Brunnen quasi auf Grund. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 8. Februar 2018))

Roman Hodel

roman.hodel@luzernerzeitung.ch

«16.01 ist die letzte Umzugsnummer auf die Route gegangen, schreibs ins Protokoll!» So tönte es exakt zwei Stunden nach dem Start des gestrigen Fritschi-Umzugs unter den Verantwortlichen des Lozärner Fasnachtskomitees (LFK). 39 offizielle und ebenso viele wilde Nummern zählte der Fritschi-Umzug dieses Jahr. Und was für Nummern!

Da war beispielsweise die Noggeler Guuggenmusig. Passend zu ihrem Motto «Interkantonales Blaskapellentreffen» marschierten Majoretten voraus, während hinter der eigentlichen Musig noch drei Wagen folgten. Laut LFK zählte diese Nummer allein rund 200 Mitwirkende auf einer Länge von 300 Metern. Rekordverdächtig! Entsprechend viel Applaus gab es von den Zuschauerinnen und Zuschauern. 25000 säumten die Route – zwar 11000 weniger als im Rekordjahr 2017. Nur herrschte damals auch eine fast tropische Hitze. Heiss waren dieses Jahr dafür die Bauchtänzerinnen der Guuggenmusig Chottlebotzer. Sie bewegten sich – ebenfalls begleitet von viel Applaus – gekonnt auf und vor einem imposanten Wagen zu orientalischen Klängen. Apropos Klänge: Wenn der Abba-Klassiker «Money, Money, Money» ertönt, dann geht es natürlich ums liebe Geld. Hierfür lieferte der zeitweilen budgetlose Kanton Luzern einen Steilpass an die Fidelitas Lucernesis. «D Politiker chönd eifach ned entscheide und s’Volk muess lide, die arme Cheibe», hiess es in grossen Buchstaben auf ihrem Wagen.

Wo die Politik zum Thema wird, ist einer nicht weit: US-Präsident Donald Trump. Die Wey-Zunft schickte in ihrem Wagen ihn und seinen nordkoreanischen Widersacher Kim Jong-un ins Weltall – oder gleich auf den Mond? Neckisch: Die Rakete entsprach in Form und Farben dem gleichnamigen Glacé-Stengel. Rund um die Rakete hüpften Affen. Die Wey-Zunft fragte denn auch: «Wird die Welt von Affen regiert?»

Die Welt an sich beschäftigte auch die Maskenliebhaber-Gesellschaft (MGL). Für sie allerdings ist sie ganz einfach eine Muppet-Show. Und so war praktisch deren ganzes Personal auf dem Wagen zugegen: Von Miss Piggy über Waldorf und Statler – die beiden Nörgeler vom Balkon – bis zu Kermit. Als aktuelle Strategen fungierten bei der MGL ebenfalls Trump und Luzerns Stadtpräsident Beat Züsli. Krampus Lozärn sorgte sich derweil um etwas anderes: «Hacker wollen uns an den Kragen und wir haben den Mist zu tragen!» Mit Blick auf die Swisscom, bei der Unbekannte die Daten von 800000 Kunden gestohlen haben, ein top-aktuelles Thema.

Einmal übrigens kam der Fritschi-Umzug unfreiwillig ins Stocken: Ausgerechnet das riesige Piraten-Schiff der Zunft zu Safran schaffte es auf dem Kapellplatz nicht rund um den Fritschibrunnen. Zu lang! Im Weg stand nicht zuletzt das momentane Gerüst der Peterskapelle. Während die Guuggenmusigen das Schiff überholten, sägten flinke Hände an demselbigen – und montierten schliesslich den Bugmast ab. Mit viel Ächzen und Würgen schaffen die Piraten die Kurve doch noch.

Frau auf der Seebrücke von Fasnachtswagen angefahren

Unweit des Kapellplatzes, im Bereich der Seebrücke/Bahnhofstrasse, kam es um 16.15 Uhr zu einem Unfall. Eine Frau wurde von einem Fasnachtswagen angefahren und dabei verletzt, wie die Luzerner Polizei meldete. Der Unfallhergang ist Gegenstand von Ermittlungen. Zudem konnte die Polizei einen während des Umzugs verloren gegangenen Knaben wohlbehalten den Erziehungsberechtigten übergeben. Insgesamt verlief der Fritschi-Umzug aus Polizeisicht ohne grosse Zwischenfälle. Und die Stimmung war ohnehin rüüdig verreckt: «Genial», «grossartig» oder «Weltklasse» – die Zuschauerinnen und Zuschauer überboten sich gegenseitig mit Adjektiven. Zu Recht, schön wars! Könnte man auch ins Protokoll schreiben.

Umzug in Kürze

Anzahl Nummern: 39
Anzahl Zuschauer: 25 000
Stimmung: erwartungsfroh-euphorisch
Dauer: gut 2 Stunden
Highlight: Tänzerinnen der Chottlebotzer

Das Piratenschiff bleibt beim Fritschi-Brunnen stecken. (Bild: Webcam)

Das Piratenschiff bleibt beim Fritschi-Brunnen stecken. (Bild: Webcam)

Hier gab es am Donnerstag kein Durchkommen. (Bild: Screenshot Tele 1)

Hier gab es am Donnerstag kein Durchkommen. (Bild: Screenshot Tele 1)

Zwischen dem Schiff und dem Fritschibrunnen war fast kein Platz mehr – Wenden unmöglich. (Bild: Screenshot Tele 1)

Zwischen dem Schiff und dem Fritschibrunnen war fast kein Platz mehr – Wenden unmöglich. (Bild: Screenshot Tele 1)

Auch hier war es schon eng: Die Pferdekutsche der Zunft zu Safran am Anfang des Umzugs hatte gerade so Platz, um am Fritschibrunnen vorbei zu kommen. (Bild: Screenshot Tele 1)

Auch hier war es schon eng: Die Pferdekutsche der Zunft zu Safran am Anfang des Umzugs hatte gerade so Platz, um am Fritschibrunnen vorbei zu kommen. (Bild: Screenshot Tele 1)

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