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LUZERN: «Robi» arbeitet 18 Stunden am Stück

Ein Roboter transportiert im Kantonsspital medizinische Artikel. Sogar den Lift kann er bedienen. Das Pilotprojekt endet diesen Monat, das Spital schliesst eine Festanstellung von «Robi» nicht aus.
Yasmin Kunz
Im Kantonsspital macht ein Pilotprojekt mit einem Roboter der medizinische Verbauchsartikel transportiert und verteilt. VM (Bild: Nadia Schärli / LZ)

Im Kantonsspital macht ein Pilotprojekt mit einem Roboter der medizinische Verbauchsartikel transportiert und verteilt. VM (Bild: Nadia Schärli / LZ)

Nicht jeder neue Mitarbeiter einer Innerschweizer Firma wird in unserer Zeitung gross porträtiert. In diesem Fall handelt es sich allerdings um einen besonderen Neuling. Einer, der nie launisch ist und immer gleich gut arbeitet: der Transportroboter des Luzerner Kantonsspitals.

Das Spital – mit 6692 Mitarbeitern der grösste Arbeitgeber in der Zentralschweiz – testet derzeit am Standort Luzern den Einsatz eines Roboters der Firma MT Robot aus Zwingen BL. Seit Juli 2016 ist das Gerät, welches mittlerweile liebevoll «Robi» genannt wird, in den Gängen und auf den Abteilungen des Spitals unterwegs. So transportiert der Roboter medizinische Verbrauchsgüter wie etwa Spritzen oder Infusionsbesteck vom Zentrallager im Untergeschoss in den 14. Stock.

Nachholbedarf bei Spitallogistik

Federführend im Projekt ist der Obwaldner Philippe Linder (38), Leiter Einkauf und Logistik am Luzerner Kantonsspital. Der Einsatz des Roboters im Spital ist denn auch seine Idee gewesen. «Die Spitallogistik hat im Vergleich zur Industrie punkto Digitalisierung deutlichen Aufholbedarf», sagt er.

Und Linder weiss, wovon er spricht, schliesslich kommt er ursprünglich aus der Industrie und hat Erfahrung mit Robotern. Nun möchte er auch das Spital auf den neusten Stand bringen. «Wir müssen immer in Bewegung bleiben. Wer sich nicht bewegt, bleibt stehen und verliert den Anschluss», begründet er das Roboter-Pilotprojekt. Als ehemaliger professioneller Langstreckenläufer weiss Philippe Linder sehr gut, dass man nur mit Bewegung vorankommt.

Mit «Robi» hat Linder 86 Logistikmitarbeiter. Der Neuzugang sei «ein sehr pflegeleichter», fügt er mit einem Lächeln an. «Einmal konfiguriert, verrichtet er die Arbeit, für die wir ihn brauchen», sagt er. Den Lift kann «Robi» selber bedienen. Damit das funktioniert, wurde auch die Ebikoner Firma Schindler an Bord geholt. Vereinfacht gesagt, schickt der Roboter ein Signal an die Liftsteuerung, dass er den Lift für ein gewisses Stockwerk braucht. Mit seinem Laserscanner und seinen Ultraschallsensoren prüft er dann, ob er mit seinen Massen – 138 Kilogramm schwer, 1,2 Meter hoch und 0,7 Meter breit – in den Lift passt.

Steht kein Hindernis im Weg, fährt er rückwärts in den Lift, um dann im gewählten Stockwerk vorwärts rauszufahren. «Robi» kann maximal 200 Kilogramm transportieren und 18 Stunden am Stück arbeiten – nachher muss er 6 Stunden an die Aufladestation. Kommt er einmal nicht mehr vorwärts, weil zum Beispiel ein Hindernis im Weg steht, kann er via SMS oder E-Mail Hilfe bei Linder anfordern.

Nachtschichten sind für den Roboter kein Problem

So gut dieses automatisierte Logistikkonzept nun auch tönen mag – braucht es solche modernen Geräte wirklich? «Ja», ist sich Linder sicher. «Das Spital befindet sich in einem grossen Wachstum. Der Platzmangel ist ein Problem; das Verteilsystem stösst zunehmend an Grenzen.»

Ein Roboter könne diesem Umstand Rechnung tragen, weil er beispielsweise auch in der Nacht arbeiten kann, wenn im Spital weniger Betrieb herrscht und auch die Lifte nicht ausgelastet sind. «Nachtschichten sind sowohl für die Logistikmitarbeitenden als auch für ein Unternehmen mit Mehraufwand verbunden.»

Mehraufwand deswegen, weil die Arbeitspläne komplexer werden, in unregelmässigen Arbeitszeiten für die Mitarbeitenden resultieren und es das Spital wegen Nachtzulagen teurer kommt. «Einem Roboter ist es egal, ob er nachts um 3 oder morgens um 9 Uhr Materialien jeglicher Art transportiert.» Trotzdem: Die zunehmende Digitalisierung inklusive immer cleverer Roboter stösst nicht überall auf Begeisterung. Das bestätigt auch Linder. Deshalb sei es wichtig, bei einem solchen Projekt die Mitarbeiter von Anfang an zu informieren. «Dass der Roboter ein Job-Killer ist, ist schlicht zu kurz gegriffen», sagt er auf die am meisten gestellte Frage. «Wir haben niemanden entlassen, nur weil wir einen Roboter einsetzen.»

«Robi» könnte auch putzen

Das Pilotprojekt, welches mehrere zehntausend Franken kostet, wäre eigentlich Ende Oktober abgeschlossen gewesen. Nun wolle man aber mit dem Gerät noch weitere Einsatzmöglichkeiten prüfen, wie der Leiter Einkauf und Logistik sagt. So könne man sich etwa vorstellen, dass «Robi» in den Zeiten, in denen er nichts transportiert, als Reinigungskraft zum Einsatz kommt.

Linder: «Wir wollen noch ein bisschen seine Grenzen ausloten und schauen, wozu der Roboter fähig ist.» Ende November wird das Pilotprojekt definitiv abgeschlossen. Wird «Robi» anschliessend fest angestellt? Das könne er nicht selber entscheiden, sagt Linder – fügt aber an: «Aus heutiger Sicht wäre es ein denkbarer Weg.» Übrigens gibt es auch in anderen Spitälern Transportroboter – etwa am Unispital Basel, wo sie seit 40 Jahren im Einsatz sind. Dort allerdings nur im Untergrund und ohne Liftfahrfähigkeiten.

Yasmin Kunz

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