Luzern
Rückzieher: Am Stadtfest Luzern kann man nun doch mit Bargeld bezahlen – das OK führt ein Bon-System ein

Nach heftiger Kritik am Bezahlsystem rudern die Organisatoren des Stadtfests zurück. Sie bieten neu eine Alternative zu Twint und Bankkarten an – das freut auch eine Seniorengruppe.

Matthias Stadler
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Nur Bares ist Wahres. So könnte man die Kritik zusammenfassen, die in den vergangenen Wochen auf das Organisationskomitee des Stadtfests Luzern eingeprasselt ist. Der Grund dafür war das Vorhaben, Bargeld am beliebten Anlass nicht mehr zu akzeptieren. Besucherinnen und Besucher hätten ihre Getränke und ihr Essen neu nur noch mit einer Bankkarte oder mit Twint bezahlen können.

Wer am Stadtfest Luzern ein Bier bestellen will, kann dieses auch heuer via Kauf eines Bon bar bezahlen.

Wer am Stadtfest Luzern ein Bier bestellen will, kann dieses auch heuer via Kauf eines Bon bar bezahlen.

Bild: Nadia Schärli (Luzern, 24. Juni 2017)

Am Mittwoch teilte das OK mit, dass es von diesem Vorhaben absehen werde. «Obwohl die Cashless-Bezahlung an diversen Veranstaltungen in der Schweiz bereits erfolgreich eingeführt worden ist, zeigt sich die Situation in der Stadt Luzern anders», heisst es in der Mitteilung. Daher habe man sich dazu entschieden, zusätzlich zu Twint und Bankkarten ein Bonsystem einzuführen, um allen Bedürfnissen gerecht zu werden.

Konkret soll am Fest, das am letzten Juni-Wochenende zum ersten Mal seit 2018 wieder durchgeführt wird, auf jedem bespielten Platz die Möglichkeit geboten werden, via Barzahlung Wertbons zu erwerben. Diese können die Gäste anschliessend bei den Ständen eintauschen. Die Bons können an denselben Stationen bezogen werden wie das Depot, erklärt OK-Präsidentin Nicole Reisinger. Die Verantwortlichen müssten also nicht extra neue Stände aufstellen. «Aber es ist klar, dass das vom Personal- und vom Sicherheitsaspekt her sicher ein Mehraufwand ist.» Sie spricht damit indirekt einen Zwischenfall an, der 2018 am Luzerner Fest für Aufregung sorgte. Dort gingen sage und schreibe 50'000 Franken verloren.

Digitalisierung noch nicht überall angekommen

Zufrieden mit dieser Lösung ist Angelica Ferroni. Die Präsidentin des Forums «Luzern60plus» sagt: «Wir freuen uns, dass das OK mit den Wertbons eine einfach erklärbare Lösung für diejenigen Besucherinnen und Besucher anbietet, welche die primäre, digitale Bezahlmethode nicht nutzen können.» Zudem rechne sie es den Organisatoren hoch an, dass diese «so schnell neue Lösungswege gesucht und auch gefunden haben». Ihr sei wichtig, dass an diesem Fest einzelne Bevölkerungsgruppen nicht ausgeschlossen werden. «Es ist nun einmal eine Tatsache, dass viele ältere Personen nicht digital unterwegs sind. Diese müssen analog bedient werden – das gehört einfach dazu.» Es brauche eine gewisse Zeit, bis alle Leute digital unterwegs seien – noch sei die Gesellschaft noch nicht so weit.

Angelica Ferroni spricht damit des Pudels Kern an: Das OK legte bei der Präsentation des neuen Konzepts für das Stadtfest – das bekanntlich das Luzerner Fest ersetzt – viel Wert darauf, zu betonen, dass alle Personen am Fest willkommen seien: Ein Fest von Luzern, für Luzern, hiess es an der Pressekonferenz vor drei Wochen mehrere Male. Die Verantwortlichen gingen damals davon aus, dass die vergangenen zwei Jahre einen Digitalisierungsschub mit sich gebracht und sich Bezahlmöglichkeiten wie Twint und Bankkarten definitiv und überall durchgesetzt hätten.

Damit lagen sie falsch, wie sich danach herauskristallisierte und die Onlineplattform Zentralplus berichtete. Dutzende gehässige Kommentare gingen beim Organisationskomitee ein, auch mit rechtlichen Schritten wurde gedroht. Dies, weil man in der Schweiz Bargeld als Bezahlmöglichkeit zwingend annehmen müsse.

Bargeld nicht mehr überall akzeptiert

«Das OK schätzt konstruktive Kritik», sagt dessen Präsidentin Nicole Reisinger. Man habe diese aus den vielen Kommentaren herausgefiltert und danach Lösungswege gesucht. Sie hält fest: «Es war nie die Absicht, einzelne Menschen oder ganze Bevölkerungsgruppen auszuschliessen.» Man habe schlicht gedacht, das digitale Bezahlen sei breiter akzeptiert, da es auch andere Veranstaltungen gebe, an denen die Gäste ausschliesslich damit bezahlen können.

In der Tat gibt es mehrere Anlässe, die kein Bargeld akzeptieren. So etwa auf dem Festival B-Sides auf dem Krienser Sonnenberg oder bei «Rudolfs Weihnacht» auf dem Inseli. Im Zuger «Freiruum» ist nur noch digitales Geld erwünscht, gleiches gilt für diverse Open-Airs wie jene in St. Gallen, Zürich oder Frauenfeld.