Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LUZERN: Schüler prügelt Lehrer spitalreif

Die Frei’s-Berufsschule spricht wegen Drohungen gegen Lehrer ein Hausverbot gegen einen Lehrling aus. Drei Monate später kehrt dieser trotzdem zurück. Und schlägt auf seinen Lehrer ein.
Wegen einer Prügelei wird das Arbeitslosengeld gestrichen (Symbolbild). (Bild: Neue LZ)

Wegen einer Prügelei wird das Arbeitslosengeld gestrichen (Symbolbild). (Bild: Neue LZ)

Es ist ein Donnerstag Anfang März: Die Temperaturen in der Stadt Luzern sind mild, der Föhn kommt auf. Es ist ein Donnerstag wie jeder andere auch. Zumindest fast. Denn in der Frei’s-Berufsschule an der Haldenstrasse ist die Stimmung aufgeheizt, elektrisiert, geladen.

Verantwortlich dafür ist ein 17-Jähriger aus dem Kanton Luzern: Obwohl er vor Monaten von der Schule geflogen ist, kehrt er an seinen alten Ausbildungsort zurück. Aus Rache. Er sucht seinen ehemaligen Lehrer, findet ihn im Unterrichtsraum und schlägt ihm mit der Faust ins ­Gesicht. Der Schlag ist heftig. So heftig, dass der Lehrer ins Spital muss. Zwar kann er dieses am gleichen Tag wieder verlassen, dennoch greift die Schulleitung durch; verständigt die Polizei und reicht Strafanzeige wegen Tätlichkeit und Hausfriedensbruch ein: «So etwas ist an unserer Schule noch nie vorgekommen. Wir bedauern den Vorfall sehr, können das aber unter keinen Umständen dulden. Uns ist ein ruhiger und guter Schulbetrieb sehr wichtig», sagt Schulleiterin Priska Fischer, als unsere Zeitung sie auf die Geschehnisse anspricht. Polizeisprecher Kurt Graf bestätigt die Anzeige, kann aber aufgrund des laufenden Ver­fahrens keine weiteren Angaben zum Zwischenfall machen.

Die Attacke auf seinen Lehrer ist für den 17-Jährigen wohl der unrühmliche Höhepunkt in einer Karriere der disziplinarischen Verfehlungen. Bereits im Herbst des letzten Jahres hat die Schulleitung den Ausbildungsvertrag mit dem 17-Jährigen aufgelöst. Zu schlecht waren seine Leistungen, zu auffällig das Verhalten, wie ­Fischer sagt: «In der Folge hatte er mehrere Lehrpersonen bedroht.» Die Berufsschule spricht gegen den Jugendlichen deshalb ein Hausverbot aus. Das er mit den bekannten Folgen übergeht.

Schule stellt Sicherheitsfirma ein

Die Vorfälle veranlassten die Frei’s-Schulen, ihr Sicherheitsdispositiv zu verschärfen. In Absprache mit der Luzerner Polizei engagierte sie eine private Sicherheitsfirma. Security-Mitarbeiter bewachen nach den Drohungen mehrere Wochen lang die Eingänge zum Schulhaus und zu den Turnhallen. Und tun es seit dem Angriff erneut. Die Stimmung an der Schule scheint dies nicht zu beeinflussen. «Ich habe die Leute bei den Eingängen schon gesehen, aber wenn ich nicht gewusst hätte, dass das Sicherheitsleute sind, hätte ich es nicht gemerkt», sagt eine medizinische Praxisassistentin im 3. Lehrjahr, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Der Angriff ging zunächst an ihr vorbei. Auf den Gängen der Schule machten aber Gerüchte die Runde: «Daraufhin haben wir unsere Lehrperson angesprochen, die uns vom Vorfall erzählt hat – aber natürlich ohne Namen zu nennen», so die 18-Jährige.

Schlägereien an Schulen kennt man wohl eher von Auseinandersetzungen auf dem Schulhausplatz – wo Schüler gegen Schüler kämpfen. Dass eine ­solche Attacke auf einen Lehrer aussergewöhnlich ist, bestätigt Christof Spöring, der Leiter der kantonalen Dienststelle Berufs- und Weiterbildung: «Angriffe von Schülern auf Lehrer sind sehr selten, um nicht zu sagen, dass es praktisch nie zu solchen Übergriffen kommt.» Die Frei’s-Schule hat den Kanton über den prügelnden Schüler in Kenntnis gesetzt, eingeschaltet hat sich die Dienststelle aber nicht. Die Klärung des Zwischenfalls sei «in der Verantwortung der Frei’s-Schule, die das auch sehr gut macht», so Spöring.

Nicht die Gewalt nimmt zu, dafür die Respektlosigkeit

Auch an den Luzerner Gymnasien ist Gewalt gegen Lehrer kein Thema, wie Aldo Magno sagt. Der Leiter der Dienststelle Gymnasialbildung erklärt: «In den letzten Jahren hat es keine Vorkommnisse in diese Richtung ­gegeben.» Und auch die Primarschullehrer müssen sich nicht vor Schlägen fürchten, wie Annamarie Bürkli vom Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverband sagt. Aber: «In den letzten Jahren bemerken wir immer stärker, dass der Respekt einzelner Schüler gegenüber der Lehrperson abnimmt.» Wohl eine Zeiterscheinung, wie Magno und Spöring unisono glauben: «Heute besucht eine andere Generation die Berufsfachschulen als früher. Die allgemeine gesellschaftliche Entwicklung hin zu weniger ­Respekt ist bekannt», so Spöring. Doch nur weil ein Schüler weniger Ehrfurcht an den Tag lege als früher, müsse er nicht gleich gewalttätig sein.

Frei’s-Schulleiterin Priska Fischer ist auch Wochen nach dem Angriff noch betroffen. Nicht nur wegen des verletzten Lehrers, auch wegen des Brutalo-Schülers: «Wir haben engen Kontakt mit der Stelle für Gewaltprävention der Luzerner Polizei. Wir haben alles darangesetzt, damit der mutmassliche Täter wieder Fuss fassen kann. Und haben dafür ­gesorgt, dass ihm externe Unterstützung ermöglicht wird.»

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.