Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LUZERN: Schul-Pionier muss sich neu erfinden

Im Gegensatz zu Handwerkern hatten Büroangestellte lange keine Lobby. Das änderte sich vor genau 150 Jahren mit der Gründung des KV-Vereins Luzern. Heute erfordert die Digitalisierung erneut einen Paradigmenwechsel.
Natalie Ehrenzweig
Angehende Kaufleute in Luzern beim Maschinenschreiben (um 1930). (Bild: KV Luzern)

Angehende Kaufleute in Luzern beim Maschinenschreiben (um 1930). (Bild: KV Luzern)

Natalie Ehrenzweig

stadt@luzernerzeitung.ch

Eine Selbsthilfeorganisation – das war der Verein junger Kaufleute, der vor 150 Jahren in Luzern gegründet wurde. «In der Zeit der zweiten industriellen Revolution gab es immer mehr Fabriken, die Buchhalter, Sekretäre und Korrespondenten brauchten. So entstand eigentlich der Beruf des kaufmännischen Angestellten», erzählt Beat Schürmann. Er ist Geschäftsleiter des Kaufmännischen Verbands Luzern, wie die Organisation heute heisst.

1867 wollten die jungen Berufsleute sich organisieren, um besseren Zugang zu Berufsbildung und Weiterbildung zu bekommen. «Metzger und Bäcker hatten ihre Zünfte, die unter anderem die Nachwuchsförderung und die Weiterbildung organisierten. Der Verein hat zum ­Beispiel Kurse in Englisch oder Handelsrecht angeboten», weiss Beat Schürmann.

Mit den Weltkriegen kamen die Frauen

Der Verein junger Kaufleute wurde in den 50er-Jahren zum Kaufmännischen Verband Luzern. «Im 20. Jahrhundert übernahm der Bildungsverein auch gewerkschaftliche Funktionen und gab etwa Lohnempfehlungen aus», erzählt Schürmann. Noch bevor es ein allgemeines Krankenkassenobligatorium, eine Unfall- oder Arbeitslosen­versicherung gab, bot der Verein seinen Mitgliedern solche Dienstleistungen an. Die Geschichte wird zurzeit von Martin Eberli für eine Festschrift aufgearbeitet, die im September herauskommt. Schwierige Zeiten gab es demnach vor allem während der Weltkriege: «Diese Zeit war aber auch massgebend dafür, dass viele Frauen den Beruf lernten. So sind heute zwei Drittel der 5500 Mitglieder weiblich», sagt Schürmann.

Die Entwicklung des Vereins verlief parallel zu den Veränderungen im Beruf der kaufmännischen Angestellten. Neben der Bildungsfunktion stellt der Verband immer mehr andere Dienstleistungen bereit: «Wir bieten eine Karriere- und Laufbahn­beratung, psychologische Beratung bei Problemen und auch eine Rechtsberatung. Das Erst­gespräch ist jeweils gratis», sagt der Geschäftsleiter. Durch die ­Digitalisierung und die techno­logische Entwicklung sei der Beruf des kaufmännischen Angestellten komplexer geworden. «Ausserdem gibt es viele Quereinsteiger und andere Berufe mit Schnittstellen zu uns. Wir leben in unsicheren Zeiten, am Anfang des Informations- und Kommunikationszeitalters. Alle wollen sich darauf vorbereiten, aber niemand weiss wie», sagt Beat Schürmann. Und ausserdem vergesse man oft, dass nicht alle diese Veränderungen wollen oder so schnell umsetzen können.

In Zukunft werde wohl der Beratungsaspekt im Kaufmän­nischen immer wichtiger. «Der technologische Fortschritt führt dazu, dass die Menschen höher qualifiziert sein müssen und auch, dass die Menschlichkeit gegenüber den Maschinen zum Wettbewerbsvorteil wird», vermutet Beat Schürmann. Bereiche, die immer wichtiger werden, seien vor allem das Personal­wesen, die Informatik und beratende Funktionen generell. Zudem braucht es Generalisten. «Die kaufmännische Ausbildung ist eine Grundausbildung. Viele junge Berufsleute spezialisieren sich schon rasch nach der Lehre in eine bestimmte Richtung. Dazu finden sie eben in unserer Berufsakademie zahlreiche Optionen», sagt der Geschäftsleiter. Ihn hat bei der Aufarbeitung der Verbandsgeschichte beeindruckt, wie lange es KV Luzern bereits gibt: «Kurz nachdem der erste Zug in Luzern hielt, wurde unser Verein gegründet.» Nun wird gefeiert. «Im Sommer gibt es ein Fest für geladene Gäste und unsere Mitglieder. Wir wollten erst einen Tag der offenen Tür machen. Aber bei uns kann man natürlich nicht viel anschauen», räumt der Geschäftsleiter ein. Früher hätte es noch mehr zu sehen gegeben: Damals unterhielt der Verband noch ein Orchester, das mittlerweile ins Stadtorchester integriert wurde. «Und es gab einen Männerchor. Heute haben wir nur noch den Turnverein.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.