LUZERN: Schuleintritt wird verschoben

Ab 2016 werden Luzerner Schulkinder später eingeschult. Damit sollen weniger Schulabgänger zu jung für eine Lehrstelle sein.

Roseline Troxler
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Kinder werden ab dem Schuljahr 2016/17 später eingeschult als bisher. Im Bild: der Kindergarten Schädrüti in Luzern. (Bild Corinne Glanzmann)

Kinder werden ab dem Schuljahr 2016/17 später eingeschult als bisher. Im Bild: der Kindergarten Schädrüti in Luzern. (Bild Corinne Glanzmann)

Roseline Troxler

Verlässt ein Schüler die obligatorische Schulzeit unter 15 Jahren, kann dies bei der Lehrstellensuche eine Hürde darstellen. Denn Jugendliche dürfen offiziell erst ab 15 Jahren arbeiten. Ein Lehrstellenbeginn ist für Jüngere nur mit einer Bewilligung möglich.

Stichtag drei Monate früher

Nun handelt der Kanton Luzern. Wie Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung, auf Anfrage bestätigt, wird sich der Stichtag für die Einschulung ab dem Schuljahr 2016/17 ändern. Bisher war der Stichtag für den Kindergarten auf den 1. November festgelegt. Kinder, die bis zum 31. Oktober des Jahres der Einschulung den 5. Geburtstag feiern, mussten den Kindergarten besuchen. Mit diesem Stichtag werden jedoch auch Kinder eingeschult, die noch nicht fünf Jahre alt sind. Künftig wird der 1. August als Stichdatum für den Kindergarteneintritt gelten. Wer vor dem 1. August fünf Jahre alt wird, muss zum Schuljahresbeginn in den Kindergarten.

Motion von der CVP

Das Eintrittsalter in die Volksschule wurde zwischen 2000 und 2005 um ein halbes Jahr vorverlegt. Seither kommt es vor, dass Schüler, die nach 2000 eingeschult wurden, die obligatorische Schulzeit vor dem 15. Geburtstag beenden.

Der ehemalige CVP-Kantonsrat Jakob Lütolf forderte in einer Motion im Jahr 2012 eine Überarbeitung des Einschulungsalters. Der Wauwiler setzte sich dafür ein, den Stichtag anzupassen. In der Begründung schrieb Lütolf, dass jährlich 500 bis 600 Schüler betroffen seien. Und Jakob Lütolf sagte 2012 weiter, dass eine Bewilligung für einen Lehrvertrag mit einem Lehrling unter 15 Jahren einen grossen bürokratischen Aufwand mit sich zieht.

Die Regierung war gegen eine Änderung des Stichtags, das Parlament aber überwies die Motion von Jakob Lütolf Mitte Juni 2013.

Die Änderung des Stichtags erfolgt laut Charles Vincent gleichzeitig mit der obligatorischen Einführung des Zweijahreskindergartens. «Für die Verschiebung des Stichtags braucht es eine Teilrevision des Gesetzes über die Volksschulbildung», erklärt Vincent. Die Vernehmlassung dazu soll Ende März dieses Jahres starten.

Kanton rechnet mit mehr Klassen

Die Änderung des Stichtags führt dazu, dass 2016 weniger Schulkinder eingeschult werden. Anstatt eines ganzen Jahrgangs werden nur Schulkinder vom November 2011 bis Ende Juli 2012 den Kindergarten besuchen. So gibt es wegen der neuen Regelung in den Kindergartenklassen im Schuljahr 2016/17 rund einen Viertel weniger Kinder. Zudem wird die minimale Klassengrösse im Kindergarten von 12 auf 16 Kinder angehoben. Dennoch rechnet Charles Vincent damit, dass leicht mehr Klassen geführt werden müssen als heute, wo es 303 Klassen gibt. Grund: die Einführung des Zweijahreskindergartens, welchen die Gemeinden ab dem Schuljahr 2016/17 anbieten müssen. «Da einzelne Gemeinden auf den gleichen Zeitpunkt die Basisstufe einführen, ist eine genaue Berechnung der Anzahl Kindergartenklassen aber fast unmöglich», erklärt Vincent.

83 Bewilligungen ausgestellt

Die Wirkung der neuen Regelung wird sich erst in zehn Jahren zeigen. Dann werden die Schüler die Schule mit 15 Jahren verlassen oder bei Beginn der Sommerferien kurz vor dem 15. Geburtstag stehen.

Laut Charles Vincent fehlen genaue statistische Auswertungen, wie viele Schüler heute beim Schulabschluss jünger als 15 Jahre alt sind.

Wenn Jugendliche bei Lehrantritt zwischen 14- und 15-jährig sind, brauchen sie eine Bewilligung durch den Kanton, damit ihr Lehrvertrag als gültig anerkannt wird. Teilweise braucht der Schulabgänger auch ein Arztzeugnis, das bestätigt, dass die Beschäftigung für den Jugendlichen verträglich ist. Laut der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung wurden im vergangenen Jahr 83 Bewilligungen für Schulabgänger ausgestellt, welche bei Lehrantritt jünger als 15 Jahre alt waren. Dies entspricht 1,7 Prozent aller Lehrverträge. Die Zahl der Bewilligungen ist in den letzten vier Jahren stark angestiegen. 2011 lag die Zahl noch bei 12 Bewilligungen, was 0,3 Prozent aller Lehrverträge entsprach.