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LUZERN: Schutzprojekt in Weggis ruft «grosse Widerstände» hervor

Die Bewilligungen für das Schutzprojekt im Gebiet Linden liegen vor. Damit ist das vorerst letzte grosse Schutzprojekt der Gemeinde auf der Zielgeraden.
Roseline Troxler
Arbeiten gegen Steinschläge und Hochwasser im Gebiet Laugneri in Weggis am Donnerstag, 24. März 2016. (Bild: Philipp Schmidli (24. März 2016))

Arbeiten gegen Steinschläge und Hochwasser im Gebiet Laugneri in Weggis am Donnerstag, 24. März 2016. (Bild: Philipp Schmidli (24. März 2016))

Roseline Troxler

roseline.troxler@luzernerzeitung.ch

Noch bevor die Bauarbeiten für das eine Schutzprojekt abgeschlossen sind, ist schon das nächste im Gang. Im Gebiet Linden, entlang der südlichen Rigi-Flanke, sollen in den nächsten eineinhalb Jahren zwei Schutzdämme entstehen. Der längere oben fixierte Damm wird stattliche 230 Meter zählen, der kürzere darunter 180 Meter.

Das Schutzprojekt ist das vorerst letzte seiner Art in Weggis. Es soll das Siedlungsgebiet Linden vor Naturgefahren schützen. Die Gemeinde hatte nach einem Felssturzereignis 2003 die erste Gefahrenkarte in Auftrag gegeben. Es hat sich gezeigt, dass 15 Prozent der Weggiser Bauzone in der roten Zone liegen. Diese Zone besagt, dass erhebliche Gefahr droht, ausserhalb und innerhalb von Gebäuden. Es dürfen keine Neubauten errichtet werden.

Murgänge in der Planungsphase

Während der Gemeinderat die ersten Massnahmen plante, kam ein Unwetter dazwischen. Oberhalb des Siedlungsgebietes gingen beim grossen Unwetter im August 2005 mehrere Murgänge nieder. Sie spülten viel Schlamm in die Gebiete Gribsch, Linden und Laugneri. Drei Häuser sind eingestürzt, mehrere Gebäude mussten evakuiert werden.

Dies soll sich nicht wiederholen. Baptist Lottenbach (FDP), Gemeindeammann von Weggis, sagt zum Projekt Linden: «Wir sind froh, das letzte Schutzprojekt realisieren zu können, es liegen alle Bewilligungen vor.» Doch bevor die Schutzdämme errichtet werden können, brauche es noch Rodungsarbeiten. «Die ersten Baumaschinen werden voraussichtlich Ende Sommerferien auffahren.» Die Arbeiten sind anspruchsvoll. «Die Dämme müssen im steilen Gelände angelegt und zum Teil im Terrain eingeschlitzt werden.»

Das Schutzprojekt Linden kostet rund 2,5 Millionen Franken. Beim Projekt Laugneri II, das derzeit noch im Gang ist, wird mit Kosten von 9,9 Millionen Franken gerechnet. Bund und Kanton beteiligen sich mit gut 70 Prozent. Doch auch die rund zwanzig Eigentümer werden mit einem Perimeterbeitrag zur Kasse gebeten. Deren Unmut ist gross. Doch die Weggiser haben im Oktober 2016 an der Urne entschieden, dass die Betroffenen rund 900'000 Franken an die Schutzmassnahmen zahlen müssen.

Die Arbeiten für das Schutzprojekt Laugneri II sind im unteren Teil abgeschlossen. «Die im Spätherbst gestarteten Felssicherungsmassnahmen kommen termingerecht voran.» Dafür mussten zuerst die darunter liegenden Gebiete durch einen Schutzdamm und Netze gesichert werden. Für die Arbeiten im sehr steilen Gelände braucht es viel Material. «Dieses wird per Helikopter zu den Felsobjekten geflogen.»

Das Projekt Linden bildet den Abschluss der Schutzprojekte – zumindest vorerst. Denn Rutsche hat es in Weggis immer wieder gegeben. Besonders einschneidend waren die Schutzmassnahmen für die Bewohner des Gebiets Horlaui. Im Mai 2014 rieten Experten dem Gemeinderat zu Sofortmassnahmen. Kurz darauf sprach die Exekutive ein Verbot aus, die Häuser zu betreten. Sie wurden in der Folge abgerissen. Ein Eigentümer ging bis vor Bundesgericht, blitzte dort aber ab.

Gemeinde kann sich wieder anderer Themen annehmen

Baptist Lottenbach ist froh, kommen die Schutzbauten bald zum Abschluss. «Das Wichtigste ist, dass die Einwohner nun geschützt sind», betont er. Denn bei den Bauarbeiten zeige sich: «Es gibt oberhalb der Siedlungsgebiete grosse, sehr labile Felsblöcke.» Positiv sei der Abschluss auch aus einem anderen Grund. «Die Gemeinde kann sich nun nach 15 Jahren wieder anderen Themen annehmen.» Denn in Bereichen wie Strassen- oder Gebäudeunterhalt hätten Projekte zurückgestellt werden müssen.

Gefahrenkarte wird nach Abschluss überarbeitet

Nach Abschluss der Schutzprojekte wird die Gefahrenkarte überarbeitet. «Die Mehrheit der früher gefährdeten Gebiete kommt in die Zone ohne Gefahr. Neubauten sind hier künftig wieder möglich. Bei einigen Gebäuden, wo kein Damm erstellt werden konnte, sondern Schutznetze gebaut wurden, bleibt die Gefahrenkarte rot, auch wenn sie nun geschützt sind.» Dort bleiben die Einschränkungen bestehen.

Ganz abgeschlossen ist das Thema für den Gemeinderat aber noch nicht: So gab es gegen die Verfügung der Perimeterbeiträge Beschwerden. Das Kantonsgericht wird sich damit beschäftigen. Baptist Lottenbach hat gewisses Verständnis für den Ärger der Anwohner. Gleichzeitig sagt er: «Wären die Perimeterbeiträge nicht abgewälzt worden, hätten wir mit den Schutzprojekten an der Urne möglicherweise keinen Erfolg gehabt. Es gab grosse Widerstände. Wir mussten alle Register ziehen. Bei einem Nein hätten wir möglicherweise auch in den Gebieten Laugneri II und Linden auf Notrecht zurückgreifen und die Bewohner evakuieren müssen.» Ausserdem betont er, dass die Eigentümer durch die Schutzbauten eine grosse Wertsteigerung der Liegenschaften erhalten. Diese betrage nach Abzug der Kosten für die Schutzbauten noch immer das 1,8 bis 2,5-fache.

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