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LUZERN: Schwarzfahrer verursachen Millionenkosten

Wer im Bus oder Zug ohne Billett erwischt wird, zahlt eine saftige Busse. Doch die Bussgelder decken die Einnahmeverluste durch Schwarzfahrer nicht annähernd.
Alexander von Däniken
Billettkontrolle gestern in einem VBL-Bus in Luzern. (Bild Manuela Jans)

Billettkontrolle gestern in einem VBL-Bus in Luzern. (Bild Manuela Jans)

Knapp 2000 Fälle von Schwarzfahrern hat die Staatsanwaltschaft des Kantons Luzern letztes Jahr bearbeitet (Ausgabe von gestern). Das allein klingt schon nach viel, betrifft aber nur jene Schwarzfahrer, welche die Busse nicht bezahlen. Offizielle Zahlen über Schwarzfahrer im Kanton Luzern gibt es nicht. Wir haben deshalb bei den grössten Verkehrs­betrieben der Region nachgefragt. Bei den VBL war aus zuverlässiger Quelle zu erfahren, dass gemäss einer Hochrechnung jährlich über 900 000 Schwarzfahrer unterwegs sind. Erwischt worden sind davon lediglich rund 8000. Darunter befinden sich auch solche, die Inhaber eines Abos sind, dieses aber zum Zeitpunkt der Kontrolle nicht dabeihatten. Würden die rund 900 000 Schwarzfahrer alle ein Billett kaufen, würde dies mehrere Millionen Franken zusätzlich in die VBL-Kasse spülen. Anders gesagt: Der Schaden, den die Schwarzfahrer verursachen, geht allein bei den VBL in die Millionen.

Beim ersten Mal kostets 90 Franken

Ein Teil davon wird durch die Bussen für erwischte Schwarzfahrer wieder reingeholt. Die VBL büssen Schwarzfahrer mit den national geltenden Zuschlägen von 90 Franken für «Ersttäter» und 130 bis 160 Franken für «Wiederholungs­täter». Vorsichtig geschätzt, nehmen die VBL pro Jahr zwischen 600 000 und 700 000 Franken durch solche Bussen ein. Das deckt die entgangenen Billetteinnahmen nicht annähernd. Ausserdem müssen auch die Kontrolleure bezahlt werden. Christian Bertschi, Kommunikationsverantwortlicher der VBL, sagt: «Fakt ist, dass die Einnahmen durch Schwarzfahrer in keinem Verhältnis zum Kontrollaufwand stehen.» Wichtig sei aber die präventive Wirkung der Kontrollen: «Durch die Präsenz unserer Kontrolleure werden die Fahrgäste dazu animiert, auch tatsächlich ein Billett zu lösen.»

Auch Zivilforderungen sind möglich

Neben den Lohn- und Planungskosten für die Kontrolleure betreiben die VBL einen grossen Aufwand für das Rechnungs- und Mahnungswesen: Die Kontrolleure notieren jeweils die Personalien der Schwarzfahrer und stellen einen Beleg aus. Ein paar Tage später flattert eine Rechnung ins Haus. Wird diese nicht beglichen, folgen Mahnungen. Nützen auch diese nichts, können die VBL bei der Polizei oder der Staats­anwaltschaft Anzeige erstatten. Kommt es zu einem Schuldspruch, werden eine zusätzliche Busse sowie die Übernahme der Verfahrenskosten fällig. Zusätzlich sind die Verkehrsbetriebe ab diesem Zeitpunkt offiziell im Recht und können auf Basis des Schuldspruchs zivilrechtliche Forderungen geltend machen, etwa den Zuschlag und Umtriebsgebühren.

Für die Zentralbahn ist dieser Aufwand zu gross – sie hat das ganze Inkassowesen den SBB in Auftrag gegeben, wie Mediensprecher Peter Bircher erklärt. Letztes Jahr hat die Zentralbahn in den Regionalzügen zwischen Luzern, Engelberg und Interlaken 2000 Schwarzfahrer erwischt. Das entspricht 1,4 Prozent aller kontrollierten Reisegäste. Ähnliches hat auch die BLS zu berichten: Sie spricht von einer Schwarzfahrerquote von durchschnittlich 1,5 Prozent.

Je häufiger jemand beim Schwarzfahren erwischt wird, desto teurer wird es. Die Praxis hat aber einen Schönheitsfehler: Fährt jemand zuerst in Luzern schwarz und wird danach in Zürich ohne Ticket erwischt, gilt er in beiden Städten als «Ersttäter». Dies weil jeder Verkehrsbetrieb ein eigenes Register führt.

Nationales Schwarzfahrer-Register?

Damit soll bald Schluss sein. Der Nationalrat hat kürzlich beschlossen, die gesetzliche Grundlage für ein landesweites Register zu schaffen. Die VBL sehen dafür keinen grossen Bedarf, die Vorteile würden sich in Grenzen halten. Für Andreas Kaufmann, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr Zentralschweiz, ist hingegen klar: «Ein solches Register ist notwendig.» Wichtig sei, dass der Datenschutz eingehalten werde und die Daten nach Ablauf der vorgesehenen Fristen gelöscht würden: «Hier bietet ein einheitliches nationales Register vermutlich auch die bessere Ausgangslage, als wenn jede Transportunternehmung ein eigenes Register führt.»

Andreas Kaufmann fühgt hinzu: «Eigentlich sollte die Schwarzfahrer-Quote bei null liegen, da alle Fahrgäste wissen, dass sie ein Billett benötigen.» Es sei im Interesse der Verkehrsbetriebe und vor allem auch der bezahlenden Fahrgäste, «dass die Schwarzfahrerquote tief gehalten wird, da die entfallenden Einnahmen sonst von anderer Seite gedeckt werden müssen, beispielsweise über höhere Billettpreise».

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