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LUZERN: Schwarzpendler zahlt immense Busse

Es ist zwar weit verbreitet – aber ohne Billett Zug oder Bus zu fahren, kann richtig teuer werden. In einem aktuellen Fall wäre sogar ein Jahres-GA günstiger gewesen.
Lena Berger
Symbolbild / Neue ZZ / Stefan Kaiser

Symbolbild / Neue ZZ / Stefan Kaiser

Sie haben bei der letzten Busfahrt «vergessen» ein Billett zu lösen und wurden dabei prompt von Kontrolleuren erwischt? Damit sind sie nicht alleine. Kein Delikt wurde in den ersten zwei Maiwochen häufiger von der Staatsanwaltschaft Luzern geahndet – abgesehen von Verstössen gegen das Strassenverkehrsgesetz. Das zeigt eine Auswertung der «Zentralschweiz am Sonntag».

Die untersuchten Fälle zeigen deutlich: Regelmässig aufs Billettlösen zu verzichten, ist nicht empfehlenswert. Das geht ins Geld. Die Bussen liegen in der Regel zwischen 60 und 300 Franken – hinzu kommen teils saftige Zuschläge von den Transportunternehmen. Trotzdem gibt es Unbelehrbare, die den Kontrolleuren immer und immer wieder ins Netz gehen. Von Schwarzfahrer zu sprechen, würde diesen Menschen kaum gerecht, es sind vielmehr Schwarzpendler.

17 Mal ohne Billett nach Olten

Ins Auge sticht vor allem ein Fall. Innerhalb von knapp drei Monaten ist ein Schweizer 17 Mal ohne gültiges Billett im Zug zwischen Luzern und Olten erwischt worden. Auf dieser SBB-Strecke gilt Selbstkontrolle, es sind also nur sporadisch Zugbegleiter unterwegs. Dass er ihnen trotzdem alle paar Tage ins Netz ging, wird den Mann jetzt teuer zu stehen kommen. Die Staatsanwaltschaft hat ihm eine Busse von 1700 Franken aufgebrummt. Dazu kommen SBB-Zuschläge, die sich um die 2600 Franken bewegen dürften. Zusammen macht das fast 700 Franken mehr, als ihn ein GA der zweiten Klasse pro Jahr gekostet hätte. Und: Ein reguläres Retourbillett an fünf Tagen die Woche hätte einen Drittel gekostet.

Ähnliches gilt für einen Asylsuchenden aus Somalia, der in einem Zentrum in Luzern untergebracht ist. Der Mann wurde binnen sechs Wochen 13-mal von SBB-Kontrolleuren erwischt – mal fuhr er nach Bern oder Basel, dann auch mal nach Genf oder Lugano. Auch in diesem Fall hat sich das Schwarzfahren nicht gelohnt. Die Staatsanwaltschaft verurteilte den Mann zu einer Busse von 1300 Franken. Dazu kommen SBB-Zuschläge von 160 Franken ab der dritten Schwarzfahrt. Wenn er nicht zahlungsfähig ist, muss er 13 Tage ins Gefängnis.

Doch nicht nur die SBB haben mit Wiederholungstätern zu kämpfen, auch bei den Verkehrsbetrieben Luzern (VBL) kennt man solche «Stammkunden», wie Sprecher Christian Bertschi bestätigt. «Es ist schade, dass selbst drastische Geldstrafen bei gewissen Leuten keine Wirkung zeigen. Dass sie ein Abo günstiger käme, leuchtet ihnen nicht ein – oder sie können sich ein solches nicht leisten.» Dass Passagiere versuchen, das Billettgeld zu sparen, ist nicht neu. Wie verbreitet das Phänomen ist, überrascht aber. Jeder vierte Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Luzern ist in den ersten zwei Maiwochen an einen Schwarzfahrer geschickt worden: Insgesamt 86 Personen wurden mit einer Busse bestraft, weil sie – teils mehrfach – ohne Billett Bus oder Zug gefahren sind.

VBL hüllen sich in Schweigen

Aufs Jahr hochgerechnet macht das 2064 Fälle. Rund 90 Prozent, also etwa 1858 Fälle, betreffen die VBL. Eine eindrucksvolle Zahl, die Sprecher Christian Bertschi in dieser Grössenordnung auf Anfrage bestätigt. Die tatsächliche Zahl der erwischten Schwarzfahrer auf dem VBL-Netz dürfte allerdings deutlich höher liegen. Grund: Ein Bruchteil der Fälle landet bei der Staatsanwaltschaft. Nur, wenn die gestellte Rechnung nicht innert der gesetzten Frist bezahlt wird, gibts eine Strafanzeige. Im VBL-Geschäftsbericht sucht man die Zahl der erwischten Schwarzfahrer und der eingenommenen Zuschläge allerdings vergeblich. Wer danach fragt, bekommt seit Jahren die allgemeine Antwort: Die Einnahmen aus den Zuschlägen entsprächen nicht dem Aufwand für die Kontrollen.

Die wenigsten werden erwischt

Doch warum halten sich die VBL so bedeckt? Ein möglicher Grund: Man informiert nur ungern darüber, wie viele Schwarzfahrer ungeschoren davon kommen. Einen Eindruck vermitteln die Zahlen der BLS. Von 55,5 Millionen Fahrgästen wurden 2015 auf den BLS-Zügen und -Bussen etwas mehr als eine Million Passagiere kontrolliert. 17 000 Personen wurden dabei mit einem ungültigen oder teilgültigen Fahrausweis erwischt. Die BLS haben demnach eine Schwarzfahrerquote von 1,3 Prozent. Hochgerechnet auf alle Fahrgäste dürfte die Dunkelziffer demnach letztes Jahr bei rund 700 000 Schwarzfahrern gelegen haben. Das heisst auch: Nur 2,3 Prozent der Fahrgäste ohne Billett wurden erwischt.

Die SBB legen die Zahl der erwischten Schwarzfahrer ebenfalls offen. Sie haben 2015 rund 430 000 Reisende ohne gültigen Fahrausweis festgestellt – dies bei 366 Millionen Passagieren.

Lena Berger

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