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LUZERN: Schwer kranke Kinder aus Spital evakuiert

Im Kinderspital haben die Lüftungen von Isolationszimmern versagt. Zwei schwerkranke Kinder mussten verlegt werden. Das Spital pocht auf einen Neubau.
Das Kinderspial in Luzern, hier in einem Bild vom April 2014. (Bild: Archiv Nadia Schärli / Neue LZ)

Das Kinderspial in Luzern, hier in einem Bild vom April 2014. (Bild: Archiv Nadia Schärli / Neue LZ)

Letzte Woche mussten im Kinderspital des Luzerner Kantonsspitals zwei schwerkranke kleine Kinder in ein ausserkantonales Spital verlegt werden. Grund: In ihren Isolierzimmern wurden in der Luft Schimmelpilzsporen nachgewiesen, wie Marco Rossi, Chefarzt der Infektiologie und Spitalhygiene im Luzerner Kantonsspital (Luks), Recherchen unserer Zeitung bestätigt. Er sagt: «Wir wollten kein Risiko eingehen und haben deswegen entschieden, zwei Patienten zu verlegen.»

Die vier Isolierzimmer im Kinderspital sind für Patienten vorgesehen, die an schweren Krankheiten, wie beispielsweise Leukämie, leiden. Rossi erklärt: «Diese Kinder brauchen eine keimarme Umgebung.» Würden solche Kinder Luft mit Pilzsporen einatmen, könne das zu einer Pilz-Lungenentzündung und im schlimmsten Fall zum Tod führen.

Keine regelmässigen Messungen

Bei den Pilzsporen handelt es sich nicht um Schimmel an den Wänden, wie man meinen könnte. Die Sporen schweben in der Luft, sind unsichtbar und können nur mit einem Messgerät festgestellt werden. Die Isolationszimmer werden nicht regelmässig auf Sporen untersucht, doch weil derzeit in der benachbarten Augenklinik gebaut wird, hat man eine solche Messung veranlasst. Bei Baustellen, so Rossi, sei das Risiko, dass Schimmelpilzsporen mit dem Wind weggetragen werden, gross. Die Messung habe ergeben, dass der Wert für diese Hochrisiko-Patienten zu hoch sei. Die Menge der Pilzsporen sei vor allem in der Aussenluft sehr hoch, die Werte im Inneren des Spitals würden verglichen mit dem Aussenwert nur etwa einem Prozent entsprechen, erklärt er. «Für schwer abwehrgeschwächte Kinder ist aber selbst dieser Wert zu viel.»

Lüftung veraltet

Weil in den Isolationszimmern ein besonders hoher Hygiene-Standard herrscht, wird über eine Lüftungsanlage filtrierte Luft zugeführt. Diese Lüftungsanlagen seien allerdings langsam veraltet. Die Steuerung der Lüftung müsse nun optimiert werden, sagt der Infektiologe. Zusätzlich werden die Fenster und Türen besser abgedichtet, um ein Eindringen von Pilzsporen zu verhindern. Zum zeitlichen Rahmen sagt er: «Wir hoffen, dass wir die Kinder in ein bis zwei Wochen wieder zurückholen können.»

Schimmelsporen gibt es insbesondere rund um Bauernhöfe, auf Baustellen und Kompostanlagen, wie Rossi erklärt. Alle Menschen würden täglich solche Sporen einatmen, «doch für gesunde stellt das keine Gefahr dar». In der Zwischenzeit stehen die Isolationszimmer aber nicht leer. Dort sind derzeit andere Patienten, die beispielsweise einen einfachen Bruch erlitten haben, untergebracht.

Aus gesundheitlichen Gründen sei das kein Problem, so Rossi. Er gibt Entwarnung: «Selbst für die meisten Patienten stellen diese Pilze keine Gefahr dar. Besonderen Schutz benötigen nur ganz wenige Menschen mit einer schwersten Abwehrschwäche.»

Mehraufwand für Familien

Für die Angehörigen der betroffenen Kinder ist der vorübergehende Umzug in ein anders Spital allerdings mit Mehraufwand verbunden. Wer kommt für diese Kosten auf? Rossi: «Für die Familien sollten möglichst keine zusätzlichen Kosten entstehen. Der Sozialdienst des Kantonsspitals ist in Kontakt mit den betroffenen Familien.»

Laut Marco Rossi, der seit 14 Jahren als Infektiologe und Spitalhygiene im Luks arbeitet, hat es einen solchen Fall noch nie gegeben. Dass dieser Vorfall nun passiert sei, stehe nicht in direktem Zusammenhang mit dem Alter des Gebäudes. Trotzdem wünscht sich Rossi, «dass der Neubau so schnell wie möglich realisiert wird». Mit diesem Wunsch ist er nicht allein. Auch Michèle Graber, Kantonsrätin der GLP, drängt mit einer Anfrage an die Regierung auf den Neubau (siehe Box). Sie will wissen, warum der Neubau des Kinderspitals nicht prioritär und vor dem Neubau in Wolhusen realisiert wird. Gemäss Regierung werden «beide Betriebseinheiten mit erster Priorität verfolgt und so bald als möglich realisiert». Auch das Luks teilte 2014 mit, dass die Inbetriebnahme des Kinderspitals im Jahr 2020 geplant ist.

«Kinderspital in desolatem Zustand»

Politikkuy. Kantonsrätin Michèle Graber (GLP) verlangt, dass der Neubau des Luzerner KinderspitaIs vorangetrieben wird. In einer Anfrage an den Regierungsrat schreibt sie: Die Planung eines Neubaus des Kinderspitals war sehr weit fortgeschritten. Warum wurde der Neubau zurückgestellt? Die Regierung antwortete letzte Woche darauf, dass ein etappierter Neubau den Betrieb zu stark eingeschränkt hätte und unter der Annahme einer Gesamtspitallösung ein isolierter Neubau des Kinderspitals medizinisch und wirtschaftlich nicht mehr zweckmässig gewesen wäre.

Graber stellt fest: «Das Kinderspital ist in einem desolaten baulichen und betrieblichen Zustand.» Es sei eine schlechte Visitenkarte für Luzern und das Kantonsspital. Die räumlichen Gegebenheiten, die Kapazitäten und Prozessabläufe seien sowohl für Kinder als auch für die Angehörigen «äusserst unbefriedigend, und die Situation ist nicht mehr länger haltbar».

Yasmin Kunz

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