Luzern: Schwerer Badeunfall im Lido

Ein Mann stürzte vom Steg unglücklich ins niedrige Wasser: Verdacht auf Tetraplegie. Neue Signalisationen sollen solch schwere Badeunfälle verhindern.

Yasmin Kunz
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Auf diesem Holzsteg im Strandbad Lido Luzern passierte der tragische Unfall. (Bild Pius Amrein)

Auf diesem Holzsteg im Strandbad Lido Luzern passierte der tragische Unfall. (Bild Pius Amrein)

Das diesjährige Pfingstwochenende sorgte für Rekordtemperaturen. Rekordverdächtig war auch die Anzahl Badegäste: Das Strandbad Lido Luzern zählte 12 000 Besucher an den drei Pfingsttagen. Die Freude darüber wurde am Pfingstmontag im Lido aber durch ein tragisches Ereignis getrübt. Eine Familie spielte auf dem Steg, der sich neben dem Aussichtsturm des Bademeisters befindet. Um zirka 11 Uhr kam es zum Unglück: Der Familienvater stürzte aus noch ungeklärten Gründen vom Steg. Dabei muss er mit dem Kopf auf dem Grund aufgeschlagen haben.

Der reglose Verunfallte wurde von seiner Frau und dem Bademeister auf den Steg gehievt. Zwei Notärzte, die als Badegäste vor Ort waren, leisteten Soforthilfe. Sie stabilisierten und beatmeten den Verunfallten, bis kurz darauf zwei Ambulanzfahrzeuge eintrafen. Gemäss Augenzeugen, die sich bei unserer Zeitung meldeten, dauerte die Rettungsaktion etwa 90 Minuten. Danach wurde der verunfallte Mann mit dem Krankenwagen ins Kantonsspital Luzern transportiert. Da er sich schwere Rückenverletzungen zugezogen hatte und sogar Verdacht auf Tetraplegie besteht, wurde er ins Paraplegiker-Zentrum in Nottwil überwiesen.

Springen ist nicht verboten

Der verunfallte Badegast hat nicht regelwidrig gehandelt. Vom Steg in den See zu springen, ist nicht verboten, auch wenn das Wasser in Ufernähe nur etwa 1 Meter tief ist. «Wir gehen zudem davon aus, dass der Verunfallte nicht ins Wasser gesprungen ist, sondern unglücklich vom Steg gefallen ist», sagte Marc Syfrig, Verwaltungsratspräsident der Strandbad Lido AG, gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Der Bademeister habe das Spiel auf dem Steg beobachtet und dabei keine Gefahr erkannt.

In jeder Badeanstalt gelten die Baderegeln der SLRG (Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft). Dass das Hineinspringen in niedrige Gewässer gefährlich ist, wird in diesen Baderegeln nicht erwähnt. Auch findet sich keine zusätzliche Warnung in der Nähe des Lido-Steges, dass das Hineinspringen mit grossen Risiken verbunden ist.

Seit dem schweren Unfall am Pfingstmontag überlegt sich der Verwaltungsrat des Strandbades Lido AG aber, ob zusätzliche Massnahmen notwendig sind. Verwaltungsratspräsident Syfrig: «Wir besprechen im Verwaltungsrat, ob eine zusätzliche Signalisation ein vernünftiges Mittel wäre, solche Unfälle zu verhindern.» Auf der Signalisation könnte etwa abgebildet werden, dass ein Kopfsprung ins Wasser gefährlich oder gar verboten ist. Syfrig appelliert aber auch eindringlich an die Selbstverantwortung aller Badegäste: «Der Wasserstand an dieser Stelle ist niedrig, und bei klarem Wasser sieht das jeder. Ein steiler Kopfsprung ist da lebensgefährlich.»

Restriktivere Massnahmen würden wenig Sinn machen, sagt Syfrig weiter. «Wenn man den Steg umzäunt, dann müsste man als logische Konsequenz auch den ganzen Luzerner Quai mit einem Zaun umgeben.»

Der Geschäftsführer des Luzerner Strandbades, Marcel Wiesler, sieht das gleich: «Eine Verbot macht wenig Sinn. Wir wollen den Badegästen nicht den Spass verbieten.» Zudem müsste dann auch konsequent überprüft werden, ob sich die Badegäste an das Verbot halten würden. Bei mehreren Stegen erfordere dies auch mehr als einen Bademeister. «Die Leute sollen sich noch frei bewegen können, es ist ja schliesslich ihre Freizeit», so Syfrig.

«Niemand trägt die Schuld»

In den letzten 30 Jahren hat sich laut Marc Syfrig bisher noch kein so schlimmer Unfall ereignet. «Meist handelt es sich um Kreislaufkollapse, Stiche und sonstige kleine Verletzungen», ergänzt Marcel Wiesler. «Dieser Unfall ist schrecklich – für die Familie und auch das Lido –, doch die Schuld daran trägt niemand. Die Rettungskette hat einwandfrei funktioniert» sagt Syfrig.

Die Ermittlungen zum Unfallhergang sind laut Polizei noch nicht vollständig abgeschlossen. Rechnet Syfrig mit einer Klage? «Nein, ich glaube nicht, dass noch eine Klage folgen wird.»