LUZERN: Sechs Baumgräber in Luzern

Der Friedhof Friedental bietet neu Baumbestattungen an. Georgette Baumgartner-Krieg hat als Erste die neue Bestattungsform in Anspruch genommen.

Natalie Ehrenzweig
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Friedhofsleiter Cornel Suter (oben) bei den Baumgräbern auf dem Friedhof Friedental. Unten: ein offenes Baumgrab. (Bilder Nadia Schärli/PD)

Friedhofsleiter Cornel Suter (oben) bei den Baumgräbern auf dem Friedhof Friedental. Unten: ein offenes Baumgrab. (Bilder Nadia Schärli/PD)

«Das Schöne am Baumgrab ist, dass es keinen Anlass für Konkurrenzdenken gibt. Ein Baum, Wiese drum und voilà. Die Natur machts», beschreibt Georgette Baumgartner-Krieg, warum ihr Baumbestattungen zusagen.

Die ehemalige Stellenleiterin der Sterbebegleitung hat letzten Februar ihre gute Freundin Noemi beerdigt, die mit 90 Jahren nach kurzer Krankheit verstarb. Es war die erste Baumbestattung im Friedental. Seither gab es dort fünf weitere Baumbestattungen. «Noemi wollte immer auf dem Raten verstreut werden, weil sie dort oft mit ihrem Mann wandern war. Ich fand es allerdings eine kuriose Vorstellung, dass ich die Asche meiner Freundin da oben verstreuen sollte», erzählt Georgette Baumgartner-Krieg.

Offene Türen eingerannt

Im letzten Jahr änderte Noemi aber ihre Meinung. «Wir haben über den Friedwald geredet. Doch es sollte ein Platz sein, zu dem sie einen Bezug hatte. Ich rief Cornel Suter an, den Friedhofsleiter, und machte ihm den Vorschlag, die schönen alten Bäume im Friedental doch als Baumgräber anzubieten. Er sagte mir, dass ich offene Türen einrenne», erinnert sie sich.

«Immer wieder gelangen Angehörige mit verschiedenen Bedürfnissen an uns. Einmal im Jahr tauschen wir uns auch mit beteiligten Organisationen und Partnern aus. Und wir stehen in Kontakt mit anderen Friedhöfen, wie zum Beispiel Winterthur, wo Baumbestattungen schon seit einigen Jahren angeboten werden», erklärt Cornel Suter.

Im Unterschied zu einem Grab im Eichenwald wird bei der Baumbestattung ein spezifischer Baum von den Angehörigen gemietet. «Der Baum ist sozusagen das Denkmal für den Verstorbenen.» Drei Wochen nach der Beerdigung darf das Grab nicht mehr geschmückt werden.

Die Kremationen haben gegenüber den Erdbestattungen in den letzten Jahren enorm zugenommen. «Die Gesellschaft verändert sich, der Glaube ist weniger zentral. Angehörige können oder wollen nicht viel Zeit für die Grabpflege aufwenden», vermutet Cornel Suter die Gründe für diese Entwicklung. Einen veränderten Umgang mit dem Tod ginge aber mit diesem Trend nicht einher. «Wobei es schon auch unsere Idee ist, dass wir die Menschen mit unseren vielfältigen Bestattungsmöglichkeiten auch dazu anhalten, sich darüber klar zu werden, was sie wollen.»

Nicht nur die Kremationen nehmen zu. Es wird auch immer öfter gewünscht, die Urne nach Hause zu nehmen. «Rechtlich gesehen kann man mit der Asche machen, was man will. Das ist anders als etwa in Deutschland», weiss der Friedhofsleiter.

«Nicht in einer Reihe liegen»

Der Urne aber nicht einen öffentlich zugänglichen Platz zu geben, kann schwierig sein – vor allem für die Freunde. «Der Verstorbene hat ja nicht nur die engste Familie, sondern hat auch Freunde, war etwa in einem Verein oder so. Für diese Menschen kann es schwierig sein, keinen Ort zu haben, an dem sie den Verstorbenen besuchen können», berichtet Suter aus seiner Erfahrung.

Georgette Baumgartner-Krieg geniesst es, den Baum ihrer Freundin besuchen zu können. «Noemi war sehr naturverbunden, wie ich auch. Es ist schön, dass die Wiese zu jeder Jahreszeit anders aussieht. Das letzte Mal blühten bei ihrem Baum Veilchen. Für mich jedes Mal ein Gruss von ihr», freut sich die Freundin, die sich gut vorstellen kann, unter dem gleichen Ahornbaum beerdigt zu werden. «Ich möchte nicht in einer Reihe liegen. Da ärgere ich mich höchstens über rechts und links», meint sie lachend.

Auch den anderen Angehörigen von Noemi gefiel laut Georgette Baumgartner-Krieg die Baumbestattung: «Alle fanden das sehr schön. Mein fünfjähriger Enkel sagte, als er den Baum sah: ‹Super, hier kann man toll rumrennen.› Das fand ich sehr schön. Und wenn ich Sehnsucht nach Noemi habe, setze ich mich auf das schöne neue Bänkli und denke an sie.»

3800 Franken Grabmiete

KOSTEN - 86% der Bestattungen in der Stadt Luzern sind Kremationen. Was nach der Kremation mit der Urne oder der Asche geschieht, ist je länger, je individueller. Der Friedhof Friedental bietet neben der Baumbestattung (400 Franken für Beisetzung, 3800 Franken für 25 Jahre Grabmiete) das Urnenreihengrab (kostenlos), das Urnenfamiliengrab, das Privatgrab (400 Franken für Beisetzung und Grabmiete ab 900 Franken für 15 Jahre), das Gemeinschaftsgrab mit oder ohne Namensnennung (350/500 Franken) oder das Eichenwaldgrab (400 Franken für Beisetzung und 2000 Franken für 15 Jahre Grabmiete). Der Ratgeber der Stadt Luzern findet sich unter www.friedhof.stadtluzern.ch.

Hinweis

Am Freitag, 27. Juni, findet bei den Baumgräbern eine Veranstaltung mit Texten, stillen Momenten und musikalischen Darbietungen statt; Treffpunkt: 19.00 Uhr, Haupteingang Friedhof Friedental.