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LUZERN: Seebrücke-Baustelle: So mausert man sich am besten durch

Seit einer Woche ist die Seebrücke wegen Bauarbeiten nur einspurig befahrbar. Mit welchem Verkehrsmittel kommt man am schnellsten durch das Chaos? Wir haben es getestet – und kamen zu einem überraschenden Ergebnis.
Christian Hodel/Lena Berger
Blick von der Terrasse der Führungs- und Tourismusakademie HFT Luzern hinunter auf die teilgesperrte Seebrücke. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 6. Juli 2017))

Blick von der Terrasse der Führungs- und Tourismusakademie HFT Luzern hinunter auf die teilgesperrte Seebrücke. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 6. Juli 2017))

Christian Hodel/Lena Berger

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch

Den Bus nehmen, zu Fuss gehen, mit dem Velo fahren – das rät die Stadt den Autofahrern während der Seebrückensanierung. Doch geht das wirklich schneller? Welches Verkehrsmittel ist komfortabler, was kostet mehr Zeit, was mehr Nerven? Die Redaktion der «Zentralschweiz am Sonntag» hat das diese Woche zu Stosszeiten getestet (siehe Grafik oben im Bildwechsel). Am Mittwochmittag und Donnerstagabend führte der Weg von der Maihofstrasse an den Bahnhof, am Freitagmorgen ging es in die Gegenrichtung.

Ein angeknackstes Ego, ein zerrissener Rock und ein Nahtoderlebnis – so lautet das Fazit unserer Redaktorin, die sich auf das Velo gesetzt hat. Das Ego litt, weil sie zu Beginn des Experiments grossspurig erklärt hatte, dass sie die Schnellste sein werde. Tatsächlich brauchte sie für die Strecke zwischen 7 und 10 Minuten – und wurde damit zwei Mal vom autofahrenden Arbeitskollegen abgehängt. Nur im Abendverkehr war sie schneller. Der Rock ist gerissen, als sie nach einer Vollbremsung abrupt vom Velo steigen musste, weil ein verirrter Car am Schwanenplatz plötzlich den Velostreifen kreuzte. Und das Nahtoderlebnis folgte, als sie von der Bahnhofstrasse auf die Seebrücke einbog – und ein Bus vom Bahnhof her in dem Moment das Gleiche tat. Beide hatten Grün.

Die beste Zeit schaffte der Autofahrer

Den Tipp der Stadt beherzigten offensichtlich viele. Im Abendverkehr kam es zu regelrechten Staus auf dem Velo­streifen. Während manch einer aufgrund mangelnder Gewohnheit recht unsicher unterwegs war, waren die Velopendler umso ungeduldiger und schreckten nicht davor zurück, rasant rechts zu überholen oder gleich aufs Trottoir auszuweichen.

Weit gemütlicher hatte es der laufende Kollege. Zwar dauerte sein Arbeitsweg gute 17 Minuten – doch um die Gelassenheit, die er danach verspürte, konnten ihn die anderen nur beneiden. Denn gedrängt war es ausser auf dem Gehweg überall. So auch auf den Buslinien. Angegeben wird für unsere Teststrecke von den VBL bei optimaler Verkehrslage eine Reisezeit von 9 Minuten. Die schwitzigen Busfahrten dauerten für unseren Redaktor bis zu 15 Minuten. Am Freitagmorgen um 7.30 Uhr hingegen ging es so rassig wie noch nie durch die Stadt. Schon nach 7 Minuten war er im Büro.

Zu diesem Zeitpunkt kam auch der Kollege im Auto extrem gut voran – nicht mal 6 Minuten brauchte er, um auf die Redaktion zu gelangen. Ganz anders war es am Donnerstagabend. Unser Testfahrer hatte sich für die von der Stadt signalisierte Umleitungsroute vom Maihof via Spitalstrasse über die Baselstrasse zum Bahnhof entschieden. 28 lange Minuten dauerte das. Zwar musste er sich dank der Klimaanlage keine Schweissperlen von der Stirn wischen wie seine Kollegin auf dem Velo. Dafür brauchte diese nur 9 Minuten. Allerdings: Wurde der direkte Weg über die Seebrücke gewählt, kamen weder der Busfahrer noch die Velofahrerin schneller ans Ziel als der Autofahrer. Wobei: Hätte die Zeit mitgezählt, die er fürs Parkieren aufwenden musste, sähe die Rechnung anders aus.

Ende der Woche normalisierte sich die Situation

Ein weiteres Fazit des Experiments: Die Wartezeiten Ende dieser Woche waren bei allen Verkehrsmitteln nicht wesentlich länger als unter normalen Umständen. Tangiert die Sanierung der Seebrücke den Verkehr also gar nicht so arg wie vermutet? Michael Wägli, städtischer Projektleiter, sagt nach der ersten Woche: «Die meisten Verkehrsteilnehmer haben ihren Weg inzwischen gefunden. Es läuft nicht schlecht.» Zwei Dinge hätten ihn aber überrascht. «Dass es auf der linken Seeuferseite nie ein Chaos gab, damit hätte ich nicht gerechnet. Die Staus haben sich alle auf der rechten Seeuferseite konzentriert.» Das andere, das Wägli erstaunt hat, sei der starke Stau, den es Anfang der Woche auf der Haldenstrasse gab. «Die Erfahrung, dass sich die Verkehrslage am 3. Tag aber beruhigt, hat sich auch hier bei der Belagsanierung der Seebrücke wieder bestätigt.»

Die VBL empfehlen weiterhin, mehr Zeit einzurechnen

Anfang der Woche sah dies allerdings noch ganz anders aus. «Am Montag und Dienstag hatten wir auf einigen Linien noch Verspätungen von über einer Stunde», sagt Norbert Schmassmann, Direktor der Verkehrsbetriebe Luzern AG (VBL). Diese konnten in der Zwischenzeit massiv gesenkt werden. «Derzeit müssen unsere Gäste im Minium mit einer längeren Reisezeit von 10 bis 15 Minuten rechnen.» Sein Fazit nach der ersten Woche: «Wir haben uns durchgemausert.» Nach wie vor würde man sich wegen der Sperrung in einer Ausnahmesituation befinden, der Ärger der Kunden sei zwar immer noch gross, habe jedoch abgenommen.

Aus gutem Grund: Die Verantwortlichen haben reagiert und im Laufe der Woche Massnahmen umgesetzt, die den Verkehr flüssiger gemacht haben. Besondere Vorkehrungen haben die VBL etwa auf der Linie 24 getroffen, die während der Teilsperrung der Seebrücke über das St. Anna verkehrt, um den Stau auf der Haldenstrasse zu umfahren. Weiter führten die VBL auf der Linie 6 und 8 einen Shuttle-Bus-Betrieb ein. Diese Busse fahren vom Matthof beziehungsweise Hirtenhof nur bis zum Bundesplatz. Damit können die Zeiten für die Passagiere, die ins Zentrum oder an den Bahnhof müssen, besser eingehalten werden. Weitere Massnahmen würden situativ geplant, sagt Schmassmann. Eventuell sei es sinnvoll, noch weitere Verkehrslotsen an den neuralgischen Punkten einzusetzen.

Und womit müssen die Verkehrsteilnehmer in den nächsten Tagen rechnen – verschlimmert sich die Situation? Er gehe davon aus, dass sich die Verkehrssituation in der Stadt Luzern in den kommenden Tagen weiter verbessern wird, sagt Schmassmann. «Ab Montag besteht die Hoffnung, dass der Verkehr aufgrund der Ferienzeit abnimmt.» Dennoch empfiehlt der VBL-Direktor den ÖV-Kunden in und rund um Luzern, genügend Zeit einzuberechnen. Die Teilsperrung der Seebrücke dauert noch bis Ende Monat.

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