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LUZERN: Sexualpädagogik-Zentrum: «Das ist nicht unsere Aufgabe»

Weil der Bund nicht mehr zahlt, muss das Zentrum für Sexualpädagogik schliessen. Ein bequemer Weg für Luzern, die Einrichtung loszu­werden? Bildungsdirektor Reto Wyss dementiert.
Interview Cyril Aregger
Das Kompetenzzentrum amorix erstellte Grundlagen zur schulischen Sexualerziehung ung Sexuelpädagogik. Nun wird es geschlossen (Symbolbild) (Bild: Keystone)

Das Kompetenzzentrum amorix erstellte Grundlagen zur schulischen Sexualerziehung ung Sexuelpädagogik. Nun wird es geschlossen (Symbolbild) (Bild: Keystone)

Das Kompetenzzentrum für Sexualpädagogik und Schule an der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz Luzern schliesst Ende Juni. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) beendet auf diesen Zeitpunkt die Zahlungen von jährlich 300 000 Franken, mit der es das Zentrum unterstützt hatte. Ab dem Sommersemester hätte das Zentrum theoretisch unter der neuen Pädagogischen Hochschule Luzern weitergeführt werden können. Der Kanton Luzern wollte die Kosten jedoch nicht übernehmen. Reto Wyss, Vorsteher des Bildungs- und Kultur­departements des Kantons Luzern, erläutert die Gründe.

Reto Wyss, das Kompetenzzentrum für Sexualpädagogik schliesst Ende Juni. Weshalb wird es vom Kanton Luzern nicht weitergeführt?

Reto Wyss: Das Zentrum wurde vom BAG angestossen. Das Bedürfnis bestand also primär aus Gesundheits- und nicht aus Bildungssicht. Wir haben uns das Zentrum von der Bildungsebene aus angesehen und sind zum Schluss gekommen, dass von dieser Seite das Bedürfnis für eine Weiterführung zu gering ist. Wir sind der Ansicht, unsere Bedürfnisse in diesem Bereich sind abgedeckt.

Hatte Ihr Entscheid finanzielle Gründe? Die 300 000 Franken, die das BAG jährlich an das Kompetenzzentrum zahlte, erscheinen auf den ersten Blick nicht besonders hoch.

Wyss: 300 000 Franken, das ist schon eine erhebliche Summe. Bei der derzeit angespannten Finanzlage müssen wir Prioritäten setzen. Zudem sind wir der Ansicht, dass ein solches Kompetenzzentrum eine gesamtschweizerische Aufgabe ist. Deshalb sollte sie auch gesamtschweizerisch finanziert werden.

Haben Sie denn bei anderen Kantonen, zum Beispiel aus der Zentralschweiz, nachgefragt, ob sie sich am Zentrum beteiligen würden?

Wyss: Nein, diese Frage stellte sich für uns nicht.

Weshalb nicht?

Wyss: Sie müssen sehen, dass auch bei einer Mitfinanzierung durch die Zentralschweizer Kantone der Löwenanteil der Kosten, so um die 60 Prozent, immer beim Kanton Luzern – dem grössten Kanton – hängen bleibt. Das hätte also die Rechnung auch nicht markant verbessert.

Das wären dann 180 000 Franken. Wann hat das BAG Ihnen die Einstellung der Zahlungen kommuniziert?

Wyss: Das BAG ist in dieser Sache nie mit mir in Kontakt getreten.

Das erscheint seltsam. Schliesslich bedauert das BAG das Ende des Kompetenzzentrums und ist der Ansicht, es brauche eine solche Fachstelle an den pädagogischen Hochschulen – und wäre gemäss eigenen Aussagen unter Umständen bereit gewesen, weiterhin einen Teil mitzufinanzieren.

Wyss: Ich will das nicht kommentieren. Aber es ist so: Vom BAG kam keine Anfrage, ob wir das Zentrum weiterführen möchten – ob alleine oder mit anderen Kantonen.

Hat nebst den finanziellen Aspekten auch die Kritik am Kompetenzzentrum eine Rolle gespielt? Man könnte sagen, mit seinem Ausstieg spielte das BAG einen perfekten Steilpass, um das umstrittene Zentrum loszuwerden.

Wyss: Nein, das spielte definitiv keine Rolle. Entscheidend waren unsere anfangs erwähnten Grundsatzüberlegungen. Ich glaube auch, dass die Arbeit, die am Zentrum geleistet worden ist, gut war.

Hinter vorgehaltener Hand hört man auch, dass es den Kantonen ganz recht ist, dass das Kompetenzzentrum schliesst. Somit werde der neue Lehrplan 21, der auch wegen der Sexualerziehung bereits vor seiner Vorstellung in der Kritik steht, aus der Schusslinie genommen. Die Chancen auf eine Einführung würden steigen.

Wyss: Man muss klar sehen: Die Zusammenhänge zwischen dem Lehrplan 21 und dem Kompetenzzentrum für Sexualpädagogik, die von den Kritikern hergestellt werden, sind nicht korrekt. Das Zentrum wurde vom BAG angestossen – völlig unabhängig vom Lehrplan 21. Auch die Behauptung der Gegner, gemäss Lehrplan 21 solle Sexualunterricht bereits im Kindergarten stattfinden, ist schlicht falsch.

Also spielte der Lehrplan 21 bei Ihrem Entscheid keine Rolle?

Wyss: Das war im Kanton Luzern nicht massgebend. Aber es ist wohl schon so: Eine Entflechtung des Themas ist für den Lehrplan 21 sicher nicht von Nachteil.

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