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LUZERN: Sexueller Missbrauch an Kindern via Live-Chat

Ein 62-jähriger Luzerner hat über das Internet mehrfach zu Kindsmissbrauch auf den Philippinen angestiftet. Auch konsumierte er jahrelang Kinderpornografie. Nun wurde der Mann verurteilt.
Die katholische Kirche wurde 2014 mit 12 neu bekannt gewordenen Missbrauchsfällen konfrontiert (Symbolbild) (Bild: CHRISTOF SCHUERPF (KEYSTONE))

Die katholische Kirche wurde 2014 mit 12 neu bekannt gewordenen Missbrauchsfällen konfrontiert (Symbolbild) (Bild: CHRISTOF SCHUERPF (KEYSTONE))

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

2 Jahre und 6 Monate Haft sowie eine Therapie: So lautet das Urteil des Luzerner Kriminalgerichts. Es wurde für einen 62-jährigen in Luzern wohnhaften Schweizer ausgesprochen, wegen mehrfacher Anstiftung zu sexuellen Handlungen mit Kindern sowie mehrfacher Pornografie mit Minderjährigen. Der Mann hatte zwischen 2008 und 2014 Bild- und Videodateien mit Kinderpornografie aus dem Internet heruntergeladen und konsumiert. Das Material wurde auf mehreren beschlagnahmten Datenträgern sichergestellt. Darüber hinaus hat er via Live-Sex-Chats Personen in den Philippinen zu sexuellen Handlungen mit Kindern angestiftet, den Missbrauch mitverfolgt und dirigiert, sowie sich selbst den Kindern via Webcam beim Masturbieren gezeigt.

Aufgedeckt wurde der Fall im Rahmen eines Strafverfahrens in England 2012 gegen einen britischen Militäroffizier. Dieser stand im Verdacht, sexuellen Missbrauch von Kindern auf den Philippinen via Live-Streaming zu arrangieren. Die Konsumenten der Streams hatten dies über den Onlinedienst PayPal bezahlt. Über ihre Kontodaten gerieten mehrere Personen in Verdacht, darunter der verurteilte Luzerner. Von ihm wurden zwischen August 2012 und Januar 2014 total 174 PayPal-Überweisungen auf die Philippinen getätigt, mit denen er die sexuellen Handlungen an Kindern bezahlte, die er per Live-Chat mitverfolgte.

Ein forensisch-psychiatrisches Gutachten diagnostizierte beim Beschuldigten eine heterosexuelle Pädophilie von «nicht-ausschliesslichem Typus». Es liegt keine Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit vor. Der Mann hat sich laut Staatsanwaltschaft im Verlauf der Untersuchung geständig und kooperativ verhalten, und sich freiwillig in therapeutische Behandlung gegeben. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft handelt es sich um ein mittelschweres Verschulden.

Schwierige Lebenslage zum Tatzeitraum

Im Zeitraum der Straftat war der Luzerner zudem in einer schwierigen persönlichen Lage, wie dem schriftlich vorliegenden Urteil zu entnehmen ist: Aufgrund eines Verkehrsunfalls verlor er seine Stelle und war in den folgenden Jahren lange Zeit erwerbslos. Gemäss der Luzerner Staatsanwaltschaft dürfte dies zur Delinquenz beigetragen haben. Mittlerweile hat der bald 63-Jährige wieder eine Erwerbstätigkeit.

Für Anstiftung zu sexuellen Handlungen mit Kindern gibt es bis zu fünf Jahre Haft, für Pornografie mit Minderjährigen bis zu drei Jahre. Trotzdem forderte die Staatsanwaltschaft in diesem Fall aus den genannten Gründen nur zwei Jahre und sechs Monate. Zudem sei das blosse Absitzen einer Freiheitsstrafe nicht ausreichend vorbeugend. Insbesondere für den Konsum von kinderpornografischem Material wurde dem Mann eine hohe Rückfallgefährdung attestiert. Deshalb soll er durch die Psychotherapie lernen, sein Verhalten zu kontrollieren.

Das Kriminalgericht setzte das Strafmass wie von der Staatsanwaltschaft gefordert fest. Des Weiteren wurde unter Aufschub des Vollzugs der Freiheitsstrafe eine ambulante Massnahme zur Behandlung der psychischen Störung sowie Bewährungshilfe angeordnet. Der Verurteilte hat zudem die Untersuchungs- und Gerichtskosten von rund 33 000 Franken zu bezahlen. Das Urteil ist rechtskräftig.

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