LUZERN: SGV mit Rekordergebnis und neuem Schiff

Die Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee (SGV) ist auf Kurs – trotz rückläufigen Passagierzahlen. Für 14 Millionen Franken baut die SGV bis 2017 ein neues Motorschiff.

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Der verregnete Frühling 2013 ist Schuld am Rückgang der Passagierzahlen. Auf dem Bild: Nur wenige Touristen und Ausflügler wagen sich bei Brunnen aufs Dampfschiff «Uri». (Archivbild Keystone)

Der verregnete Frühling 2013 ist Schuld am Rückgang der Passagierzahlen. Auf dem Bild: Nur wenige Touristen und Ausflügler wagen sich bei Brunnen aufs Dampfschiff «Uri». (Archivbild Keystone)

Ab 2017 soll ein neues Motorschiff auf dem Vierwaldstättersee verkehren. Laut SGV betragen die Kosten rund 14 Millionen Franken und bietet Platz für 1000 Personen. «Es wird das Flaggschiff unserer Motorschiffe», so Verwaltungsratspräsident Hans-Rudolf Schurter. «Ob es aber auch das Flaggschiff unserer gesamten Flotte wird, wird die Zukunft zeigen. Spekulationen hierüber sind verfrüht». Damit setzt die SGV ein klares Zeichen für die Zukunft. Diese Innovation stehe jedoch in keinem Widerspruch zur traditionellen Dampfschiffflotte, welche auch in Zukunft mit erlebnisreichen Fahrten ihre Gäste begeistern soll, so Schurter.

Das neue Schiff soll in einer aussergewöhnlichen Form daherkommen: «Sein luxuriöser Komfort innen und aussen, seine Extras – ich bin richtiggehend begeistert, ein grandioses Schiff! Allein dieses neue Schiff zu besichtigen, wird eine Reise wert sein. Das erste Dreidecksschiff! Ja, mit dem Panoramadeck eigentlich ein Vierdeckschiff und mit dem Nautilusraum im Unterdeck sogar ein Fünfdeckschiff», frohlockt Martin Wicki, Leiter des Geschäftsbereichs Schifffahrt.

28. April 2016: Das Schiff wird eingewassert. (Bild: SGV)
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Das neue Schiff hat die Werft Luzern erstmals verlassen. (Bild: Bruno Gisi)
Bei Prachtswetter wird das Schiff im April 2016 eingewassert. (Bild: SGV)
20.08.2015: Michael Sigrist malt den Rumpf an. (Bild: Eveline Beerkircher)
Kurt Roos ist auf dem Hauptdeck mit Malerarbeiten beschäftigt. (Bild: Eveline Beerkircher)
Yvonne Bühlmann bohrt ein Loch in den Boden. (Bild: Eveline Beerkircher)
Nicolai Bättig misst ein Blech aus. (Bild: Eveline Beerkircher)
Blick in den Salon auf dem Hauptdeck. (Bild: René Meier)
Die unteren drei Bullaugen liegen künftig im Wasser, die oberen drei über dem Wasser. (Bild: René Meier)
Sicht unter das Schiff mit den beiden Antriebswellen. (Bild: René Meier)
Im Aussenbereich ist ein Spaziergang gegen das Heck oder den Bug möglich. (Bild: René Meier)
Das Schiff wird in der Werft zusammengebaut. (Bild: René Meier)
Sicht vom Oberdeck auf das Hauptdeck mit der Galerie, welche viel Licht durchlässt. (Bild: René Meier)
19.09.2014: Ein Shiptec-Mitarbeiter ist mit Schweissarbeiten beschäftigt. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Bau der «MS 2017» (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Bau der «MS 2017» (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Bau der «MS 2017» (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Im Frühling soll die «MS 2017» in den See stechen. (Bild: Visualisierung judel / vrolijk & co)
In der Mitte ist der Kompass-Sitz zu sehen, der sich immer nach Norden ausrichtet, egal wie das Schiff fährt. (Bild: Visualisierung judel / vrolijk & co)
Die «MS 2017» fährt bis maximal 30 km/h. (Bild: Visualisierung judel / vrolijk & co)

28. April 2016: Das Schiff wird eingewassert. (Bild: SGV)

Der Bau des neuen Schiffs beginnt im Sommer 2014. «Mit diesem Schiff beschreiten wir neue Wege, insbesondere auch in technischer Hinsicht», sagt Rudolf Stadelmann, Geschäftsführer der Shiptec AG. Darum benötigt vor allem die Entwicklungsphase mehr Zeit als bei einem herkömmlichen Fahrgastschiff.

Das neue Schiff soll einen vollhybriden Antrieb bekommen. «Wir adaptieren die Hybridtechnologie, die auch bei PKWs angewendet wird, an ein grosses Fahrgastschiff. So können wir Leistungsspitzen, die beim Ent- oder Beschleunigen eines Schiffes entstehen, durch elektrische Energie, die kurzzeitig aus Batterien bezogen wird, auffangen und den Energieverbrauch «glätten». Durch diesen für Schiffsantriebssysteme neuen Ansatz erreichen wir eine hocheffiziente Nutzung der Dieselmotoren.»

SGV erneut mit Rekordergebnis

Die SGV hat 2013 weniger Passagiere befördert, aber den Gruppenumsatz von 61,8 auf 62,9 Mio. Fr. steigern können. Der Betriebsertrag EBIT verblieb bei 2,9 Mio. Franken, der Gewinn ging von 2,8 auf 2,2 Mio. Fr. zurück.

Die SGV spricht in einer Mitteilung vom Mittwoch von einem erfreulichen Resultat, auch wenn sich das Umsatzwachstum abgeschwächt habe. Das gute Konzernergebnis sei möglich geworden, weil der Ertrag pro Passagier gestiegen sei, und die Gastronomie und Schiffstechnik gute Resultate erzielt hätten.

Die SGV besteht aus den drei Sparten Schifffahrt (SGV AG), Schiffstechnik (Shiptec AG) und Verpflegung (Tavolago AG). Den grössten Anteil am Umsatz hat die Schifffahrt mit 34,5 Mio. Franken.

Die SGV AG konnte trotz des Passagierrückganges von 11,8 Prozent auf 2,2 Millionen den Verkehrsertrag leicht um 0,3 Mio. Fr. auf 27,9 Mio. Fr. steigern. Sie führt diese Zunahme auf den frequenzunabhängigen höheren Umsatz der Pauschalfahrten sowie auf Tariferhöhungen zurück.

Den Rückgang bei den Passagierzahlen erklärt die SGV mit dem verregneten Frühling. Die SGV sei sich bewusst gewesen, dass das sehr gute Resultat von 2012 kaum zu wiederholen sei, erklärt SGV-Direktor Stefan Schulthess im Geschäftsbericht. Er habe aber mit besseren Frequenzen gerechnet.

Die Tavolago AG erreichte einen Gesamtumsatz 24,0 (konsolidiert 21,8) Mio. Franken. Auffallend ist, dass das Schiffsgastronomieunternehmen zu Lande 49 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet hat. So ist die Tavolago etwa für die Gastronomie an der Messe Luzern zuständig.

Shiptec lichtet erfolgreich den Anker

Die Shiptec absolvierte 2013 ihr erstes Geschäftsjahr als eigenständiges Unternehmen und erzielte wie die SGV AG und die Tavolago ebenfalls einen Gewinn. Der Betriebsertrag erreichte einen Wert von 14,9 Mio. Franken, wobei der Umsatz mit Drittkunden 6,7 Mio. Fr. betrug.

Fast alle Kennzahlen der Shiptec würden die budgetierten Werte übertreffen, erklärt SGV-Verwaltungsratspräsident Hans-Rudolf Schurter im Jahresbericht. Nun gehe es darum, dass sich Shiptec erfolgreich positioniere. Er sei überzeugt, dass das Unternehmen langfristig zu einem wichtigen Standbein der SGV-Gruppe werde.

Für das laufende Jahr geht die SGV von einer stabilen Nachfrage im Rahmen des langjährigen Durchschnitts aus. Einen grossen Einfluss dürfte erneut das Wetter haben.

Wachstum werde 2014 kaum erzielt werden, erklärt Direktor Schulthess. Die SGV müsse Mittel und Wege finden, diese Wachstumsschwäche zu meistern.

Das grösste Wachstumspotential sieht Verwaltungsratspräsident Schurter bei der Shiptec, das kleinste bei der traditionellen Schifffahrt. Bei den Risiken sei es gerade umgekehrt. Es seien aber alle drei Geschäftsbereiche für die SGV-Gruppe von grosser Bedeutung.

Hinweis: Der Geschäftsbericht in voller Länge

sda/rem