LUZERN: Sie besingen die Menschlichkeit

220 junge Leute singen gemeinsam für Menschenrechte und Toleranz. Im Chor erstmals dabei ist eine Gruppe junger Asylbewerber. Besonders beliebt bei ihnen ist «Es Burebüebli».

Hannes Bucher
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Die Premiere ist geglückt: Der Chor der unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden bei einem Auftritt in der Adventszeit. Bild: Nadia Schärli (Finsterwald, 9. Dezember 2016)

Die Premiere ist geglückt: Der Chor der unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden bei einem Auftritt in der Adventszeit. Bild: Nadia Schärli (Finsterwald, 9. Dezember 2016)

«Fast 8 Milliarden Menschen, doch die Menschlichkeit fehlt ... Von hier oben macht das alles plötzlich gar nichts mehr aus; von hier sieht man keine Grenzen und die Farbe der Haut», singt Rapper Sido in seinem Stück «Astronaut». Dies ist einer der Songs, den rund 220 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene am Mittwochabend auf die Bühne in die Maihof-Kirche bringen werden. Am «Konzert für Menschenrechte, für die Toleranz und Gleichberechtigung» wollen sie zeigen, dass es im gelebten Alltag ganz konkrete Schritte gibt, diese Menschlichkeit zu leben.

Der Chor macht es selber vor. Es ist altersmässig bunt gemischt – darunter sind nebst Primar- und Sekschülern auch Hochschulstudenten und eine Gruppe UMA (unbegleitete minderjährige Asylsuchende) aus dem UMA-Zentrum des Kantons im ehemaligen Motel Pilatusblick in Kriens. Das Konzert selber findet zum dritten Mal in dieser Art statt.

Texte müssen einfach und eingängig sein

Neu ist aber der Einbezug von jungen Asylsuchenden. Rolf ­Stucki-Sabeti ist Musiklehrer an der Kantonsschule Reussbühl und Gesamtprojektleiter. «Wir wollen eine Brücke zwischen unseren Schülern und den UMA schlagen», sagt er. «Die jungen Asylsuchenden waren schon bei uns an der Kanti. Dabei haben sie unter anderem auch zusammen mit unseren Schülern eine Gruppenarbeit gemacht und geprobt.» Nicht nur das erwähnte «Astronaut», auch die anderen Stücke des Konzertprogramms seien ganz speziell ausgewählt worden. «Jeder Song steht in einem speziellen Zusammenhang mit dem Grundanliegen», sagt Rolf Stucki.

Bildungs- und Kulturdirektor Reto Wyss hat das Patronat für den Anlass übernommen. Als Gesangssolistin wird die Fachmittelschülerin Merle Link auftreten. Begleitet wird der Chor vom Ensemble der Hochschule Luzern mit Matyas Mézes, Yacin El Bay (Violine) und Daniel Rumler (Bratsche).

Martin Löffel, Musiklehrer an der Krienser Sekundarstufe, freut sich ganz speziell auf das Konzert. Er singt regelmässig einmal in der Woche mit den jungen Asylbewerbern und hat auf dieses Konzert hingearbeitet. «Die Gesangsstunden im Schulhaus Roggern sind sehr intensive Lektionen und fordern von beiden Seiten viel. Aber sie machen enorm Freude.» Es habe «Topsänger» unter den UMA, aber auch «weniger Talentierte», sagt Löffel. Komme dazu, dass viele von den jungen Leuten kaum oder gar nicht lesen könnten. Also müssten die Texte einfach und eingängig sein. Bewusst singt der Krienser Musiklehrer mit den jungen Asylbewerbern zur Hauptsache schweizerdeutsche Lieder. «Das wollen sie auch selber.» Zum Repertoire gehören ganz schlichte Kinderlieder mit leicht verständlichen Texten und Melodien. Mit dabei sind etwa «Es Burebüebli» und «S Ramseyers wei go grase». Diese beiden Volkslieder seien bei den Jungs besonders beliebt, sagt Martin Löffel.

Sie fiebern ihrem grossen Auftritt entgegen

Ein Besuch am freien Samstagnachmittag im UMA-Zentrum zeigt: Für die jungen Fremden ist das Konzert ein ganz besonderes Ereignis. Sie fiebern ihrem Auftritt regelrecht entgegen. «Ich freue mich sehr auf diesen Abend, ich singe gerne deutsche Lieder», sagt etwa der junge Afghane Mortaza. Sein Landsmann Kabir ergänzt: «Ich habe gerne mit anderen jungen Leuten Kontakt.» Es bestehen teilweise bereits solche Kontakte durch das Mitmachen einzelner UMA in den Krienser Sportvereinen: Im Fussball und auch im Handball ist dies etwa der Fall.

Das Mitsingen in diesem grossen Chor bietet jetzt eine weitere Möglichkeit eines Brückenschlags zwischen den Asylsuchenden und der Schweizer Bevölkerung. Die UMA werden am Konzert einen eigenen kurzen Auftritt haben. Welche Lieder werden sie denn singen? Natürlich «Es Burebüebli» und eben «S Ramseyers ...», sagen die drei unisono. Auch für die junge Gesangssolistin Merle Link hat ihr Auftritt in diesem speziellen Rahmen eine ganz eigene Bedeutung. Sie wird unter anderem den Song «Dear Mr. President» der US-amerikanischen Sängerin Pink singen. «Ein sehr politischer Text, der mich nachdenklich macht und der gerade aktuell seine besondere Bedeutung hat», sagt Merle Link.

Hinweis

Konzert für Menschenrechte, Mittwoch, 21. Dezember, MaiHof Luzern, Eintritt frei. Türkollekte. Hinweis der Organisatoren: Es stehen rund 500 Plätze zur Verfügung. Es empfiehlt sich, frühzeitig zu erscheinen.

Hannes Bucher
redaktion@zentralschweizamsonntag.ch