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LUZERN: Sie lotet jeden Winkel des Hotels aus

Neu kann man sich in Luzern zur Hotelkommunikationsfachkraft ausbilden lassen. Geraldine Röllin (17) hat einen von zwei bestehenden Ausbildungsplätzen – und schon einige Überraschungen erlebt.
Raphael Zemp
Packt an: Geraldine Röllin im Luzerner Hotel Cascada. (Bild: Eveline Beerkircher (16. August 2017))

Packt an: Geraldine Röllin im Luzerner Hotel Cascada. (Bild: Eveline Beerkircher (16. August 2017))

Draussen rauscht der Verkehr hektisch über den Bundesplatz. In der schicken und gemütlichen Lounge des Hotels Cascada hingegen herrscht kurz nach Mittag angenehme Ruhe. Die Dame an der Bar poliert Gläser, aus den Deckenlautsprechern rieselt süffiger Pop. Gerade braucht sich die 17-jährige Geraldine Röllin nicht um Gäste zu kümmern. Zeit, um zusammen mit ihrer Betreuerin Selina Schmid, stellvertretende «Chef de Réception», die ersten Wochen als ­angehende Hotelkommunikationsfachfrau zu resümieren.

Hotelkommunikationsfachkraft. Die Sperrigkeit dieses Wortes schüchtert ein. Kein Wunder spricht man im «Cascada» konsequent von «Hoko». Es handle sich dabei nicht bloss um eine neue Bezeichnung für eine bereits bestehende Ausbildung, erklärt Schmid. «Hier wurde tatsächlich ein neuer Lehrgang geschaffen.» Laut Schmid erhalten Lernende Einblicke in sämtliche Hotelbereiche. Im ersten Jahr arbeiten Lernende je vier Monate in der Hauswirtschaft, im Service und in der Küche. Im zweiten Lehrjahr stehen sie an der Réception, und im dritten werden sie eingeführt in den Bürobereich. «Eventmanagement, Marketing, Sales – das ganze Programm», erklärt Schmid.

«Überall einsetzbar»

Wer diese Lehre abschliesse, sei ein «absoluter Allrounder, überall im Hotel einsetzbar». Für ein Hotel wie das «Cascada» sei diese Ausbildung besonders interessant, führt Selina Schmid weiter aus. «Wir sind verhältnismässig klein, und trotzdem gibt es bei uns sämtliche Bereiche, die für diese Ausbildung notwendig sind.» 66 Hotelzimmer bietet das Viersternehaus an. Angestellt sind im Schnitt 70 Mitarbeiter, 15 davon sind Lehrlinge.

Überzeugt hat diese neue Ausbildung auch Geraldine Röllin aus Rickenbach. «Für mich war schon immer klar, dass ich etwas mit Sprachen machen wollte.» Das habe ihr auch das Welschland-Jahr nach dem Sek-Abschluss verdeutlicht. Nebst Französisch spricht sie auch Englisch, Chinesisch (ihre Mutter ist Chinesin) und ein wenig Japanisch («ein persönliches Hobby»). «Jetzt musst du nur noch Arabisch lernen», neckt Betreuerin Schmid. «Ebenfalls wichtig war mir der Kontakt zu Menschen», sprudelt es weiter voller Begeisterung aus Röllin heraus. Schon früh stand deshalb fest: Etwas im Hotelbereich soll es werden. Als sie dann im Internet auf die neu geschaffene Lehre zur «Hoko» stiess, wusste sie: «Das ist es!» Und nach drei Tagen Schnuppern war auch der Lehrvertrag bald unterzeichnet. «Alles ganz einfach», kommentiert Röllin selbstsicher.

«Klubaktivitäten liegen nicht mehr drin»

Nicht ganz so einfach war dann der eigentliche Einstieg ins Berufsleben Anfang August. Es habe schon einige Überraschungen gegeben, gibt Röllin zögerlich zu, äugt rüber zu Schmid. Die aber muntert sie bloss mit einem «nur zu» zum Weiterreden auf. Allgemein unterschätzt habe sie, wie viel Arbeit hinter allem stecke, gesteht Röllin. Besonders der Zimmerservice sei «ein absoluter Knochenjob». Bei ihrem 50-minütigen Anfahrtsweg und den unregelmässigen Arbeitszeiten muss sie auch bei ihren Hobbys zurückstecken. «Klubaktivitäten liegen schlicht nicht mehr drin.» Röllin weiss sich aber auch anderweitig zu beschäftigen: «Ich zeichne viel, lese und tanze – ein bisschen von allem.» So kann weder bei der Arbeit noch in ihrer Freizeit gross ­Langeweile aufkommen.

Auch wenn Geraldine Röllin sich noch an das strenge Arbeiten im Hotel gewöhnen muss, schon richtig lieb gewonnen hat sie die übrigen Mitarbeiter. Nach nur zwei Wochen spricht sie bereits von «einer grossen Familie». Der Umgangston sei ungezwungen, ungekünstelt und ehrlich. Auch Vorgesetzte seien sich nicht zu schade, selber anzupacken. Mit Ausnahme des Hoteldirektors duze man sich, sagt Röllin. «Und trotzdem weiss jeder, wer Chef ist.»

Über die drei Lehrjahre erhofft sich Röllin, ein grosses und vielseitiges Wissen zu erwerben – um dann für die Hotelfachschule gewappnet zu sein. Will die angehende «Hoko» später selbst ein Hotel leiten? Zu einer definitiven Antwort lässt sich Röllin nicht verleiten. «Auf alle Fälle hätte ich bereits in alle ­Hotelbereiche reingesehen und verschiedene Hierarchiestufen durchlaufen», meint sie ausweichend. Dabei ist ihr gerade Letzteres besonders wichtig. Dafür zieht Röllin einen Vergleich mit der Monarchie heran: «Ein guter König kann nur sein, wer Verständnis für seine Untertanen aufbringen kann.»

Raphael Zemp

raphael.zemp@luzernerzeitung.ch

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