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LUZERN: Sie räumen nach der Party auf

Tonnen von Essensresten, Bierflaschen und Exkremente am Boden: Das ist die Bilanz eines Wochenendes im Sommer. Wir haben das städtische Putzteam frühmorgens begleitet.
Albert Kreienbühl vom Strasseninspektorat beim Reinigen auf dem Luzerner Inseli. (Bild Corinne Glanzmann)

Albert Kreienbühl vom Strasseninspektorat beim Reinigen auf dem Luzerner Inseli. (Bild Corinne Glanzmann)

Eine Putzmaschine im Einsatz am Luzerner bahnhof. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ
Albert Kreienbühl von der Stadtreinigung am Samstagmorgen bei der Arbeit beim Inseli. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Albert Kreienbühl beim Inseli. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Albert Kreienbühl beim Inseli. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Zurückgelassener Abfall. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Albert Kreienbühl beim Inseli. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
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Zurückgelassener Abfall beim Inseli in Luzern. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ
Albert Kreienbühl beim Inseli. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ
Thomas Kälin bei der Ufschötti. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Thomas Kälin bei der Ufschötti. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ
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Sie räumen nach der Party auf: Güselmänner im Einsatz

Stephan Santschi

Es ist Samstag, fünf Uhr. Am Horizont dämmert es, die Konzerte des Blue Balls Festivals sind verklungen, die Partynacht geht zu Ende. Wenn sich die letzten Feiernden auf den Heimweg machen, beginnt für andere der Arbeitstag. Sie tragen orange Arbeitsgewänder, schweres Schuhwerk, Handschuhe. Sie ziehen mit Bambusbesen durch die Gassen oder steuern kleine Güselwagen über Strassen und Plätze. Die Rede ist vom Putzteam der Stadt Luzern. «Ich bin überrascht, wie wenig Abfall herumliegt. Die Sommerferien haben begonnen, viele sind in Lagern, das merkt man. Mir soll es recht sein», sagt Albert Kreienbühl und schmunzelt. Der 57-Jährige ist der Leiter Stadtteil Mitte, einem von vier Bezirken des Strasseninspektorats. Elf Mann hat er an diesem Morgen im Einsatz.

10 Tonnen Abfall pro Wochenende

Sieben bis zehn Tonnen Abfall kommen im Schnitt an einem Wochenende zusammen. Vieles landet in den rund 1700 Abfallbehältern, doch eben längst nicht alles. Vor allem auf der «Partyvolksmeile», die sich von der Ufschötti via Europa- und Bahnhofplatz bis zur Pilatus- und Seidenhof- strasse erstreckt, sieht es manchmal übel aus. Hochkonjunktur hat das Putzteam während der Määs, an der Fasnacht oder wie vor kurzem am Luzernerfest. «Da war auf der Bahnhofstrasse vor lauter Abfall kaum mehr Asphalt zu sehen», berichtet Kreienbühl.

Auch an diesem verhältnismässig harmlosen Samstagmorgen findet man Abfall auf dem Boden – auch dort, wo es in unmittelbarer Nähe Abfallkübel gibt. Glas- und Petflaschen, Dosen, Bierkartons, Verpackungen, Servietten und Zeitungen liegen am Boden, auf Simsen und sogar in Gepäckträgern von Velos. Auch Erbrochenes fehlt nicht. «Am meisten nerve ich mich über Essensreste. So züchten wir Ratten und Tauben», sagt Kreienbühl kopfschüttelnd.

Einweggrills als neue Plage

Einige hundert Meter weiter, bei der Ufschötti, zeigt sich ein ähnliches Bild. «Vor allem die Verschmutzung des Sandstrands ist grösser geworden, wir haben viele Einweggrills, wovon nur etwa 60 Prozent in den vorgesehen Behältern landen», berichtet Thomas Kälin, der hier als Leiter des Stadtteils Süd zuständig ist. Die Kampagnen der Stadt würden ihre Wirkung aber nicht verfehlen. Der vor kurzem installierte Robiman, ein dem Robidog nachempfundener, überdimensionaler Abfallkübel werde rege genutzt. «Ohne ständige Sensibilisierung wäre das Wegwerfverhalten der Leute schlimmer», ist Kreienbühl überzeugt. Die von der Einsatzgruppe SIP verteilten Güselsäcke seien hingegen eher kontraproduktiv gewesen, «nicht selten landeten sie im See». Er wünschte sich deshalb, dass die Polizei noch konsequenter gegen Littering vorgehen würde.

Billiges Bier in der Blumenrabatte

Ob der herumliegende Güsel generell zugenommen habe, wollen wir wissen. Kreienbühl überlegt und antwortet: «Wir erfassen die Zahlen seit 2010 mittels eines Sauberkeitsindexes. Seither stagnieren wir auf einem hohen Niveau. Vor 25 Jahren hatten wir auf den Strassen aber sicher nur halb so viel Abfall.» Ein Grund dafür sei das veränderte Ausgangsverhalten. «Früher trafen wir uns um 19 Uhr in einer Beiz und sassen dort bis 0.30 Uhr zusammen. Heute wird unter freiem Himmel konsumiert.» Weil in den Klubs die Getränke zudem teuer seien, deckten sich viele vorher im Laden mit Alkohol ein und nutzten anschliessend die Grünrabatten als Depot. Die Einführung des Rauchverbots in Restaurants habe derweil zu einem Anstieg der liegen gelassenen Zigarettenstummel geführt. Und dann seien da die vielen Bäckereien und Fast-Food-Einrichtungen, deren Verpackungen oftmals auf der Strasse landen, sagt Kreienbühl.

Scheibe von Reisecar zertrümmert

Ebenfalls zunehmend sind Vandalenakte – vor allem Sprayereien sorgen für grosse Kosten. «Die Langensandbrücke wird regelmässig besprayt», sagt Albert Kreienbühl. Auch Hinweistafeln, Abfalleimer oder Bushaltestellen müssen dran glauben. Auf dem Weg von der Ufschötti zum Bahnhof stösst Kreienbühl beim Inseli auf einen Scherbenhaufen. Die Rückscheibe eines italienischen Reisecars ist zertrümmert worden.

An der Bahnhofstrasse schwingt derweil Alfred Lindauer den Bambusbesen, einer der Männer aus Kreienbühls Team. Vier Stunden werde ihn die Aufräumarbeit beschäftigen. «Ich mache es gerne, es ist sinnvoll, wir leisten einen Beitrag zur Gesellschaft», sagt er. Das Littering stimme ihn nachdenklich. «Die Leute haben kein Gewissen mehr. Ich sage meinen Kindern, dass man Abfall nicht auf den Boden wirft. Das scheinen aber nicht alle zu tun.» Seine Arbeit werde zudem gefährlicher. Dreimal seien Kollegen angegangen, einmal sogar mit einem Messer bedroht worden. «Wir können zwar auf die prompte Unterstützung der Polizei zählen. Trotzdem gehe ich mit einem mulmigen Gefühl in die Gässchen», erzählt Lindauer.

Sonnenaufgang und Gratisgipfeli

Die Mitarbeiter des Putzteams ernten aber auch positive Reaktionen. «Nicht von den Partybesuchern. Aber von den Anwohnern und Spaziergängern», berichtet Thomas Kälin. Er erinnert sich an eine ältere Dame, welche das Team einmal mit Gipfeli eingedeckt habe. «Das sind schöne Gesten, das motiviert.» Und dann ist da der Sonnenaufgang über der Seebucht, der an diesem Samstagmorgen, als die Partynacht definitiv zu Ende ist, für vieles entschädigt.

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