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LUZERN: Sie rücken innert zwei Minuten aus

Am 1. 1. startet die neue Berufsfeuerwehr der Stadt. Die Feuerwehrleute müssen weit mehr können als nur Feuer löschen.
Raphael Gutzwiller
Sie sind für die neue Berufsfeuerwehr verantwortlich: Feuerwehrkommandant Theo Honermann (links) und der neue Chef der Berufsfeuerwehr, Sacha Müller. (Bild Corinne Glanzmann)

Sie sind für die neue Berufsfeuerwehr verantwortlich: Feuerwehrkommandant Theo Honermann (links) und der neue Chef der Berufsfeuerwehr, Sacha Müller. (Bild Corinne Glanzmann)

Raphael Gutzwiller

Wenn es in der Stadt Luzern brennt, rückt seit 120 Jahren das Löschpikett der Polizei aus. Es löscht kleinere Brände selber und bietet bei Bedarf zusätzlich Milizfeuerwehrleute auf.

Damit ist am 1. Januar Schluss. Die Stadt Luzern führt eine Berufsfeuerwehr ein, die neu diese Aufgabe übernimmt. 25 Feuerwehrleute sind angestellt, um die Stadt gegen Brände zu schützen. Nötig wurde dies, weil der Kanton von der Stadt pro Jahr 800 000 Franken mehr für das Löschpikett verlangen wollte.

Neuer Chef eifert seinem Vater nach

Der neue Chef der Berufsfeuerwehr heisst Sacha Müller. Der 44-Jährige ist gelernter Kältetechniker und bereits seit mehreren Jahren Offizier in der Feuerwehr Stadt Luzern, zudem amtet er seit mehreren Jahren als Feuerwehrinstruktor. Sein Vater war jahrelang Feuerwehrkommandant von Littau. «Ich bin für die gesamte Planung und Ausbildung der Berufsfeuerwehr zuständig. Wenn Not am Mann ist, werde ich aber auch selber Schichtdienst leisten», sagt Müller zu seiner neuen Aufgabe.

24-Stunden-Schicht

Neben Sacha Müller sind 24 weitere Feuerwehrleute in einem 100-Prozent-Pensum angestellt, um für die Sicherheit der Stadt zu sorgen. In drei Teams à je acht Personen arbeiten sie von 7 bis 7 Uhr 24 Stunden am Stück und haben danach 48 Stunden frei. Ihre Schicht setzt sich aus Arbeits- und Bereitschaftszeit zusammen, sie müssen aber jederzeit einsatzbereit sein. Selbstverständlich auch mitten in der Nacht. In vier Schlafsälen schlafen die Feuerwehrleute, jeder hat dort sein eigenes Bett. Diese sind bereits beschriftet, zeigt eine Besichtigung vor Ort. «Die Berufsfeuerwehr ist parat», sagt Sacha Müller.

Bei einem Alarm müssen die Feuerwehrleute innert zwei Minuten ausrücken. «Das ist sehr sportlich, aber wenn etwas passiert, ist das dringend nötig», so Müller. Ziel ist es, bei jedem Einsatz in der Stadt Luzern in 10 Minuten vor Ort zu sein.

Und was machen die Berufsfeuerwehrleute ohne Notfall? «Sie müssen die Gerätschaften, Fahrzeuge, das Gebäude inklusive Infrastrukturen und die Schutzausrüstungen unterhalten. Daneben gibt es administrative Tätigkeiten, wie die Einsatzplanung», erklärt Kommandant Theo Honermann. «Zudem trainieren sie täglich, um in Einsätzen schnell handeln zu können.»

Was ist der Unterschied zwischen der Berufsfeuerwehr und dem Löschpikett der Polizei? «Sie ist viel breiter ausgebildet als das Löschpikett. Ein Berufsfeuerwehrmann oder eine Berufsfeuerwehrfrau muss das gesamte Einsatzspektrum beherrschen.» Die Berufsfeuerwehr ist nicht nur für das Löschen von Bränden zuständig, sondern ist bei jeglichen Einsätzen jeweils als Erste vor Ort. «Bei über 500 Alarmierungen pro Jahr ist es sinnvoll, dass die Milizfeuerwehr von Bagatelleinsätzen, wie beispielsweise einer Ölspur, entlastet wird», sagt Honermann.

Über 350 Bewerbungen

Für die 25 Stellen (24 Berufsfeuerwehrleute, ein Chef) sind insgesamt über 350 Bewerbungen eingegangen. Feuerwehrerfahrung wurde vorausgesetzt. Die Hälfte des neuen Teams entspringt der eigenen Milizfeuerwehr, die anderen waren davor bei anderen Feuerwehren in der Innerschweiz tätig. «Es gab auch Bewerbungen von Berufsfeuerwehrleuten. Bei denen hat es aber keine Einigung gegeben», sagt Honermann dazu.

Schliesslich hat sich die Stadt für 22 Männer und 3 Frauen entschieden. Sie alle mussten einen Gesundheitscheck und einen Feuerwehr-Fähigkeitstest absolvieren. Wichtig bei der Wahl war auch die Altersdurchmischung: Der jüngste Berufsfeuerwehrmann ist 22-jährig, der älteste 52 Jahre alt. «Wir haben bewusst darauf geachtet, eine gute Altersdurchmischung zu haben, damit es eine ausgeglichene Fluktuation gibt», erklärt Honermann. Die Jüngeren werden eine 18-monatige Ausbildung zur Berufsfeuerwehrfrau oder zum Berufsfeuerwehrmann mit eidgenössischem Fachausweis absolvieren. Drei beginnen ihre Ausbildung im ersten Jahr, weitere werden die Ausbildung danach absolvieren.

Der Lohn der Feuerwehrleute befindet sich übrigens im Spektrum der städtischen Angestellten. Je nach Alter und Funktion variiert der Lohn zwischen 65 000 und 120 000 Franken jährlich.

Dienst beginnt am 1. 1. um Punkt 7

Grösser werden soll die Berufsfeuerwehr nicht, sagt Theo Honermann. «Unser Rückgrat bleibt die Milizfeuerwehr, daran wird nichts geändert.» Dennoch wird die Zahl der Milizfeuerwehrleute von 345 auf 245 Personen gesenkt.

Am 31. Dezember um 17 Uhr nimmt die Milizfeuerwehr den Auftrag vom Polizei-Löschpikett feierlich zurück. Die Milizfeuerwehr leistet dann den Dienst über die Silvesternacht. Am 1. Januar um 7 Uhr übergibt sie den Dienst der Berufsfeuerwehr, die dann für die Sicherheit der Stadt zuständig ist.

Historisches Jahr

Das Jahr 2015 geht nicht nur wegen der Einführung der Berufsfeuerwehr in die Geschichte ein. In diesem Jahr feierte die Feuerwehr mit diversen Anlässen «700 Jahre Schutz vor Feuer in der Stadt Luzern».

530 Einsätze, viele Rettungen

Bis gestern Abend stand die Feuerwehr der Stadt Luzern in diesem Jahr 530 Mal im Einsatz. Das ist jetzt schon mehr als in den Vorjahren, als es 503 (2014) und 490 (2013) Meldungen gab. Das Rekordjahr ist es für die Luzerner Feuerwehr dennoch nicht: 2012 hat sie 592 Einsätze geleistet.

2015 waren es aussergewöhnlich viele Rettungen, sagt Feuerwehrkommandant Theo Honermann. Grossbrände gab es wenige. Der grösste war gemäss Honermann derjenige beim Hallwilerweg letzten März: Beim Brand eines Bürogebäudes mussten rund 40 Personen evakuiert werden. Und welche Brände sind die häufigsten? «Zuletzt haben sich Brände von Akku-Geräten gehäuft. Insbesondere gefälschte sind sehr gefährlich», so Honermann.

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