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LUZERN: Sie surfen mitten in der Stadt

Mit einem Gummiseil lassen sich die Bungeesurfer über die Reuss ziehen. Der spektakuläre Sport ist legal – aber nicht ohne Gefahren.
Niels Jost
Das Bungeeseil haben die Luzerner Surfer (im Bild Edi Sommer) an der Geissmattbrücke befestigt. (Bilder PD/Marco Schaffner)

Das Bungeeseil haben die Luzerner Surfer (im Bild Edi Sommer) an der Geissmattbrücke befestigt. (Bilder PD/Marco Schaffner)

Niels Jost

Ein Dutzend Schaulustige steht auf und neben der Geissmattbrücke in Luzern. Die Handykameras sind gezückt. Marco Schaffner (26), einer der vier anwesenden Surfer, springt samt Surfbrett von der gut drei Meter hohen Brücke in die Reuss. Wassertemperatur: 21 Grad. Im Wasser schwingt sich Schaffner sofort auf sein Brett und paddelt in Position zum Bungeeseil. Das elastische, gut fünf Zentimeter dicke Seil ist am Brückengeländer fest angebracht. Dessen Ende mit der Halterung treibt gut 25 Meter weiter unten auf der Wasseroberfläche.

Schaffner hält sich am Seil fest, die Füsse legt er nacheinander aufs Brett. Quer zur Strömung lässt er sich weiter nach unten abtreiben, das Seil spannt sich. Dann geschiehts: Gekonnt steht der Hobbysurfer aus seiner sitzenden Position auf, das Bungeeseil zieht ihn auf dem Surfbrett die Reuss hoch. Er schwenkt nach rechts, nach links, macht einige Turns. Die Handykameras folgen Schaffners Ritt auf der Reuss, einige applaudieren, andere halten vor Erstaunen die Hand vor den Mund.

Eigenes Label gegründet

Die Reaktionen der Zuschauer sind für Marco Schaffner und seine Kollegen bereits zur Gewohnheit geworden. Seit letztem Sommer gehen sie regelmässig am Feierabend oder an den Wochenenden surfen – mitten in der Stadt. «Uns schauen immer Leute zu, die zufällig vorbeigehen», erzählt er.

Windsurfen und Wellenreiten zählen die Bungeesurfer schon seit Jahren zu ihren Hobbys. Dafür zieht es sie auch oft ins Ausland. Schaffners Kollege Edi Sommer (34) sagt: «Um in Form zu bleiben, ist das Bungeesurfen hier in Luzern ein Training für uns, das zugleich noch extrem Spass macht.»

Obwohl auch Edi Sommer nur hobbymässig auf der Reuss surft, wollte er das Bungeesurfen professionalisieren und gründete im April dieses Jahres ein eigenes Label: Bungeesurf Luzern. Damit ist er vor allem auf Facebook, Instagram und Pictaram aktiv, postet alle möglichen Informationen rund ums Surfen. Auch Fotos und Videos dürfen nicht fehlen, die Hobbyfotograf Marco Schaffner gleich selber macht – auf, neben und im Wasser. Über 260 Personen haben die Facebookseite bereits abonniert. «Zugegeben: Luzern hat schon viel zu bieten. Mit dem Label zeigen wir aber, dass man noch mehr in der Stadt unternehmen kann», sagt Sommer. So haben die Bungeesurfer im Mai dieses Jahres einen ersten Anlass zum Schnuppern durchgeführt: 150 Anmeldungen gingen ein, 50 wagten sich schliesslich aufs Brett. «Pro Stunde zählten wir zeitweise 150 Zuschauer», so Sommer.

Ein offizielles Label erleichtere zudem die Zusammenarbeit mit den Behörden. «Die Polizei schaut regelmässig vorbei, sie kennen uns bereits.» Das bestätigt der Besuch unserer Zeitung vor Ort: Eine Patrouille fuhr während des Abends viermal über die Geissmattbrücke, schaltete sich aber nicht ein. Probleme mit den Behörden gab es noch nie – schliesslich ist das Bungeesurfen erlaubt, wie Simon Kopp, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft auf Anfrage bestätigt. Illegal wäre bloss, das Seil an einer Auto- oder Eisenbahnbrücke zu befestigen. Auch das Hineinspringen in die Reuss von der Geissmattbrücke ist erlaubt, genauso wie das Schwimmen an dieser Stelle. Und: «Wir achten uns immer darauf, keinen Abfall zu hinterlassen und keinen Lärm zu verursachen», sagt Edi Sommer.

Im Notfall: Seil kappen

Auch die Sicherheit wird von den Bungeesurfern grossgeschrieben. So haben alle der gut 15 Aktiven bereits Erfahrung mit dem Sport. Aber auch Neulingen bringen sie ihren Sport näher, erklären die Abläufe und Gefahren im Fluss. Sommer ergänzt: «Wir gehen nie alleine surfen in der Reuss. Zudem steht immer jemand auf der Brücke mit einem Messer bereit – sollte sich der Surfer im Seil verheddern, wird es sofort durchgeschnitten.» Diesen Ernstfall haben sie schon einmal geübt. «Es hat funktioniert.»

Trotzdem hat es das Bungeesurfen in sich. Schliesslich hat der Fluss eine ziemliche Strömung. Auf eigene Faust und mit eigenem Seil sollte man das Surfen deshalb nicht ausprobieren.

Strömung genau analysieren

Dass die Bungeesurfer die Gefahren ihres Hobbys ernst nehmen, zeigt sich beim Augenschein deutlich. Vor jedem Surf-Tag studieren sie die aktuellsten Zahlen zur Strömung, Wasserpegel und Flussbett. Sommer: «Optimale Bedingungen haben wir, wenn die Reuss ruhig und ohne Wellen fliesst und die Strömung um die 200 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durchlässt.» Das ist etwa so schnell wie ein Jogger.

Die stärkste Strömung, die die Bungeesurfer je meisterten, erlebten sie bei hohem Wasserpegel, als das Reusswehr komplett geöffnet war. Dann strömte das Wasser rund 360 Kubikmeter pro Sekunde schnell. Bei unserem Besuch fliesst die Reuss mit 188 Kubikmetern pro Sekunde, die schwächste Strömung lag bei etwa 60. «Selbst dann kann man noch surfen, allerdings dauert das Aufstehen dann lange. Das geht dann schön in die Arme. Muskelkater ist da vorprogrammiert», schmunzelt Marco Schaffner und macht sich für seinen nächsten Ritt auf der Reuss bereit.

Selbst enge Kurven und Drehungen sind für den Luzerner Edi Sommer (34) kein Problem. (Bilder PD/Marco Schaffner)

Selbst enge Kurven und Drehungen sind für den Luzerner Edi Sommer (34) kein Problem. (Bilder PD/Marco Schaffner)

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