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LUZERN: Sie will Priesterin werden

In Deutschland ist Jacqueline Straub schon fast ein Medienstar. Der Grund: Die 25-Jährige hat ein ausser- gewöhnliches Berufsziel – das Rüstzeug holt sie sich in Luzern.
Thomas Heer
Jacqueline Straub (25), hier in der Luzerner Jesuitenkirche, fühlt sich von Gott berufen. (Archivbild Boris Bürgisser)

Jacqueline Straub (25), hier in der Luzerner Jesuitenkirche, fühlt sich von Gott berufen. (Archivbild Boris Bürgisser)

Thomas Heer

Am vergangenen Donnerstag war sie zu Gast bei Markus Lanz im ZDF, mit Reinhold Beckmann auf ARD diskutierte sie auch schon, und mehrfach trat sie in der «Münchner Runde» beim Bayrischen Rundfunk auf – Jacqueline Straub.

Immer, wenn sich die 25-Jährige einer breiten Öffentlichkeit erklärt, steht das eine Thema im Fokus: Straub und ihr Berufswunsch. Die gebürtige Süddeutsche, die heute auch mit dem Schweizer Pass ins Ausland reist, will katholische Priesterin werden. Das fachliche Rüstzeug dafür erarbeitet sich die junge Frau derzeit in Luzern, wo sie im 12. Semester an der Universität Theologie studiert.

«Berufung ist eine Herzenssache»

Dass Straub diese Bildungsstätte bald als erfolgreiche Absolventin verlassen wird, ist vorgezeichnet. Was aber danach kommt, bleibt völlig offen. Denn die katholische Kirche ist für vieles bekannt. Auch dafür, dass sie nie Gefahr läuft, einem Reformrausch zu verfallen. Oder wie es der Kapuziner Willi Anderau, Mediensprecher der Pfarrei-Initiative – einer Bewegung, die sich für eine offene Kirche einsetzt –, formuliert: «Gottes Mühlen mahlen langsam, jene in Rom aber noch langsamer.»

Vor wenigen Tagen ist Straubs Buch erschienen (siehe Hinweis). Darin beschreibt sie ausführlich, wie ihr Priesterwunsch entstand. Zentral dabei ist ihre Beziehung zu Gott, die offenbar über die Jahre kontinuierlich wuchs. «Das erste Aufkeimen einer Berufung ist vor allem eine Herzens- und Gefühlssache», hält sie fest. Danach gehe es darum, diese Ausgangslage rational einzuordnen oder, wie sie schreibt, dem Ganzen nach und nach auf den Grund zu gehen. Straub hält aber auch fest: «Jemand, der berufen ist, weiss, wie schwierig es ist, dies in Worte zu fassen.»

Durch die Bibel bestätigt

Damit zurück zu etwas Greifbarerem, den Regeln in der katholischen Kirche. Diese öffnen Frauen bislang keinen Spalt breit die Option, als Priesterinnen vor die Gläubigen zu treten. Warum eigentlich? Die Kirche hat sich über all die Jahrhunderte ja nicht im luftleeren Raum entwickelt. Das Nein der katholischen Kirche zum Frauenpriestertum sei ein «kulturelles Phänomen», wie Willi Anderau sagt. Er ergänzt: «Über Jahrhunderte waren die Frauen den Männern untergeordnet.» So taten sich Aristoteles oder Thomas von Aquin, der sich auf den Griechen berief und die Ausrichtung der Kirche für Jahrhunderte massgebend prägte, nicht als Frauenförderer hervor.

Biblisch jedenfalls lässt sich nicht begründen, weshalb Frauen fast alle Sakramente nur erhalten, nicht aber erteilen dürfen. Straub fühlt sich aufgrund der Bibelschreibung im Gegenteil gerade darin bestätigt, an ihrem Berufswunsch festzuhalten. Dann nämlich, wenn sie darauf hinweist, dass Jesus nach seiner Auferstehung als Erstes Maria Magdalena begegnet und ihr ausrichtete: Sie, die Frau, solle den anderen ausrichten, dass er, Jesus, lebe.

Eine Nachfrage beim Bistum Basel zum Fall Straub zeigt folgendes Bild. Der Kommunikationsverantwortliche Hansruedi Huber teilt schriftlich mit: «Gegen den Berufswunsch von Jacqueline Straub spricht eigentlich nichts ausser der langen Tradition der katholischen Kirche und dem Dekret von Papst Johannes Paul II.» Demnach solle man, wie der verstorbene Pole einst sagte, über die Frauenordination nicht mehr reden. Die Worte des Heiliggesprochenen in Gottes Ohr, ein neuer Papst kann die Sachlage aber durchaus wieder anders beurteilen.

So setzt, wie viele andere reformwillige Katholikinnen, auch Jacqueline Straub Hoffnung in Papst Franziskus. Die Studentin sagt: «Franziskus hat zum Beispiel verfügt, dass es den Bischöfen überlassen sei, zu entscheiden, ob geschiedenen und wiederverheirateten Männern und Frauen die Kommunion erteilt werden darf.» Aufgrund solcher Veränderungen hält es auch Willi Anderau nicht für ausgeschlossen, dass Straubs Berufswunsch in vielleicht zwanzig Jahren doch noch in Erfüllung gehen könnte.

Parallelen zum Boxtraining

Am vergangenen Sonntag initiierten rund 1000 Männer und Frauen in der Kathedrale von St. Gallen eine Bewegung mit dem Ziel, die Stellung der Frauen in der katholischen Kirche aufzuwerten. Dabei wolle die Gruppe, der auch die Priorin des Klosters Fahr angehört, nicht mit dem Kopf durch die Wand, wie der «Tages-Anzeiger» schrieb, und direkt aufs Frauenpriestertum zusteuern. Mit dem Marsch nach Rom wollen die Reformwilligen beim Papst erwirken, dass die Situation der Frauen in der katholischen Kirche Schritt für Schritt verbessert wird. Auch Jacqueline Straub will keine Revolution entfachen. Sie will nicht mit «Feuer und Schwert», wie sie sagt, ins Feld ziehen, sondern mit «Herz und Verstand».

Die 25-Jährige hat übrigens nicht nur einen aussergewöhnlichen Berufswunsch, sondern auch ein Hobby, das ein wenig aus dem Rahmen fällt. In der Freizeit begibt sie sich so oft wie möglich in den Boxkeller. Dort werden ihr auch die körperlichen Grenzen aufgezeigt. Dann zum Beispiel, wenn es gilt, Klimmzüge zu trainieren. Bislang ist ihr das noch nicht gelungen. Sie sagt: «Ich erhalte aber immerhin die Chance dazu, mich diesbezüglich zu verbessern. Dasselbe erhoffe und erwarte ich auch von der katholischen Kirche.»

Hinweis

Das Buch von Jacqueline Straub heisst «Jung, katholisch, weiblich – weshalb ich Priesterin werden will». Herausgegeben wird das Werk von der Firma Publik-Forum-Verlagsgesellschaft GmbH, Postfach 2010 in D-61410 Oberursel. Laut dem Verlag kostet es 17.90 Franken.

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