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LUZERN: Sie zelebrieren die «Kunst der Verschwendung»

Ob Fötzeliregen, Urknall oder drachenmässige Wiedereröffnung der Kapellbrücke: Seit 20 Jahren haben sich die Pyromantiker auf spezielle Knalleffekte und Feuerwerkshows spezialisiert.
Natalie Ehrenzweig
Leidenschaft für Feuerwerk: der zurücktretende Pyromantiker-Präsident Silvio Nosetti (links) und alt Präsident Edy Felder im Kieswerk Ennetmoos. (Bild Nadia Schärli)

Leidenschaft für Feuerwerk: der zurücktretende Pyromantiker-Präsident Silvio Nosetti (links) und alt Präsident Edy Felder im Kieswerk Ennetmoos. (Bild Nadia Schärli)

Silvio Nosetti macht nicht den Eindruck eines «Züüslis», in seinem Büro riecht es nicht nach Schwarzpulver. Doch wenn man den zurücktretenden Präsidenten der Pyromantiker auf seine Leidenschaft anspricht, erscheint ein Lächeln auf seinem Gesicht, und die Augen leuchten beim Erzählen.

Feuerwerk Baggenstoss in Giswil im Jahr 2012. (Bild: Archiv)
Am 100 Jahr Jubiläum des Rotary Clubs verwandelten die Pyromantiker den Wagenbachbrunnen vor dem KKL in eine riesige Torte. (Bild: Archiv)
Die Pyromantiker organisierten 2013 ein Feuerwerk in Hirzel anlässlich einer Hochzeit. (Bild: Archiv)
Auch am Economiesuisse 2007 in Interlaken liessen es die Pyromantiker knallen. (Bild: Archiv)
2013 wurde vor Rapperswil/Jona der See in Flammen gehüllt. (Bild: Archiv)
Pyrotechnische Spezialeffekte gehören zu den Spezialitäten der Pyromantiker. (Bild: Archiv)
Die Gruppe ist schweizweit bekannt. (Bild: Archiv)
7 Bilder

20 Jahre Pyromantiker

Vor 20 Jahren hat diese Gruppe unterschiedlichster Menschen zusammengefunden, die alle die Liebe zum Feuerwerk verbindet. «Wir zählen Leute aus ganz verschiedenen Berufen zu den Pyromantikern, wir haben sogar eine Richterin bei uns», erzählt der langjährige Präsident der Truppe, die in ihrer Freizeit Feuerwerke auf Bestellung entwirft und realisiert. «Speziell bei uns ist, dass zu praktisch allen Feuerwerken Musik gehört», so Silvio Nosetti. Dabei seien Feuerwerke die Kunst der Verschwendung. «Wir verschwenden Material, Geld und viel Zeit. Was bleibt sind die Erinnerungen, die Emotionen und die Freude.»

150 Arbeitsstunden pro Show

Fünf grössere, fünf kleinere Feuerwerke schiessen – so nennt man das – die Pyromantiker etwa im Jahr. «15 Minuten ist etwa die ideale Dauer eines Feuerwerkes. Darin stecken aber etwa 150 Arbeitsstunden unsererseits», erklärt der ehemalige Schild-CEO. Nachdem die Wünsche des Kunden abgeklärt sind, wird das Gelände vor allem hinsichtlich der Sicherheitsvorschriften besichtigt.

Dann machen sich die Tüftler ans Werk: «Nächtelang entwerfen sie am Compi mit der Musik die Bilder und erstellen das Konzept. Dann geht es ans Basteln. Dabei riechen die Hände dann schon nach Schwarzpulver», verrät er lachend. Die sogenannten Bomben sehen aus wie braune Pappeier, je grösser in Durchmesser, je höher fliegen sie. «Blau ergibt sich durch Kupferpulver, Strontiumsalze macht Rot und Bariumsalze Grün. Dazu kommen noch weitere Metallsalze. Die richtige Mischung machts eben.» Natürlich besitzen die Pyromantiker dafür die Herstellungsbewilligung von der Bundespolizei.

Doch die Faszination der Feuerwerke liegt für Silvio Nosetti nicht unbedingt im Basteln, sondern eher in der sekundengenauen Abstimmung des Feuerwerks mit der Musik. «Beim Feuerwerk werden alle Sinne bedient. Wir sind der Meinung: Mit weniger holt man mehr heraus. Zusammen mit der Musik befreien wir sozusagen den Geist. Das ist es auch, was mir so gefällt: die Menschen mit einem schönen Feuerwerk zu begeistern, ob zu einem Song von Tina Turner, zu Nabucco oder Tschaikowksy.»

Seit 20 Jahren schiessen die Pyromantiker ihre Feuerwerke und Pyro­effekte und tragen auch zur technischen Weiterentwicklung bei. «Wir haben zum Beispiel das Vulkanrad weiterentwickelt. Seit kurzem arbeiten wir auch oft mit Gas für die Feuereffekte oder tüfteln an den Zündboxen weiter.»

Der fasnächtliche Urknall und der Fötzeliregen wurde übrigens auch von ihnen ins Leben gerufen. In Erinnerung geblieben sein dürfte zudem vielen Luzernern ihre Pyroshow mit Drachen, Dämonen und Nebel, mit der die Kapellbrücke nach dem Brand 1994 wieder eingeweiht wurde. Die Pyromantiker sind in dieser Zeit vor allem zwei Credos treu geblieben: Neumitglieder müssen von der Chemie her zur Gruppe passen. «Und es muss Freude machen», betont Silvio Nosetti, der den Präsidentenposten an der gestrigen Generalversammlung an Nicola Wassmer weitergegeben hat. «Die Zukunft des Vereins liegt mir am Herzen. Mit einem jungen Präsidenten wie Nicola Wassmer geht es weiter. Für den Sommer planen wir etwas Neues, eine Verbindung von Feuerwerk, Orchester und Theater, bei dem die Inszenierung das Wichtigste ist. Mehr will ich noch nicht verraten», meint Silvio Nosetti lachend.

Nicht zu kurz kommt bei den Pyromantikern die Geselligkeit. Einen grossen Wunsch haben sie sich mit dem letztjährigen Besuch der Feuerwerke Las Fallas in Valencia, wohl der grössten in Europa, erfüllt.

Natalie Ehrenzweig

Bilder der eindrücklichsten Feuerwerke finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/bilder

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