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LUZERN: So lief der grosse Fritschizug 1905 ab

Frühere Fasnachtsumzüge in Luzern kamen mit «Säbel und Kanonen», viel berittenem Personal und oft ganz schön kriegerisch daher. Sie fanden viel Lob in den Zeitungen – bis nach Deutschland.
Hugo Bischof
Fritschizug 1905 in Luzern unter dem Motto «Schiller-Huldigung». Hier der «Wallenstein-Geschützwagen» auf dem Bahnhofplatz. Rechts der Bahnhof Luzern. Ganz links ein kleiner Teil des Internationalen Kriegs- und Friedensmuseums, das bis 1931 auf dem Europaplatz stand, wo sich heute das Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) befindet. (Bild: Stadtarchiv)

Fritschizug 1905 in Luzern unter dem Motto «Schiller-Huldigung». Hier der «Wallenstein-Geschützwagen» auf dem Bahnhofplatz. Rechts der Bahnhof Luzern. Ganz links ein kleiner Teil des Internationalen Kriegs- und Friedensmuseums, das bis 1931 auf dem Europaplatz stand, wo sich heute das Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) befindet. (Bild: Stadtarchiv)

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

Es ist 1905. Revolutionsjahr. Aber auch das 100. Todesjahr des deutschen Dichters Friedrich Schiller. Dieses wurde in Luzern damals auf besondere Weise geehrt – indem man nämlich den Fritschizug zum Auftakt der Fasnacht 1905 unter das Motto «Schiller-Huldigung» stellte. Was heute seltsam anmuten mag, war damals selbstverständlich: Der grosse Umzug der Zunft zu Safran am Schmutzigen Donnerstag war einem einzigen, meist geschichtlichen Thema gewidmet. Es ging dabei um die möglichst realistische Darstellung heroischer Begebenheiten oder herausragender Leistungen.

«Dieser Fritschizug ist eine unübertroffene Leistung Luzerns!», schrieb der Berichterstatter des ‹Luzerner Tagblatts› 1905. «Wer macht uns das nach?», fragt er stolz und verwies auf die mit grossem Aufwand hergestellten originalgetreuen Kostüme, Rüstungen und Helme, welche die Umzugsteilnehmer trugen. «1600 kostümierte Herren und Damen, worunter 200 Reiterinnen und Reiter» bildeten den Umzug. Dazu kamen «40 Wagen» sowie «5 grosse und 8 kleine Musikkorps». Sie präsentierten dem Publikum mit grosser Theatralik ein Dutzend Bilder aus dem Werk Schillers – vom «Mädchen aus der Fremde» über das «Lied von der Glocke» und «Wallenstein» bis zu «Wilhelm Tell».

Katholischer Gesellenverein als englische Bogenschützen

Die Zahl der am Umzug teilnehmenden Stadtluzerner Vereine war gross, und jeder spielte eine Rolle. Der katholische Gesellenverein stellte englische Bogenschützen dar, der Feldschützenverein personifizierte das burgundische Fussvolk. Der Studentenverein durfte als Ratsherr von Orléans mitlaufen. Die Liste der weiteren Teilnehmer ist ein Spiegelbild der damaligen Gesellschaft: Männerverein, Schützengesellschaft, Katholischer Jünglingsverein, St. Jakobsgesellschaft, Gewerbeverein, Grütliturnverein, Gemischter Chor.

«Revolution! Wir leben in stürmischen Zeiten, lesen es wohl täglich in den Zeitungen, ohne uns so ganz Rechenschaft über die Verhältnisse zu geben», schrieb damals ein anderer Berichterstatter. Und bilanzierte: «Die Bilder des Umzugs helfen der Phantasie ein wenig nach.» In einem der Umzugsbilder erkannte er «Hallenweiber auf dem Weg nach Versailles, die Karosse des Königspaares anhaltend». Er folgerte: «Brutal wirkt diese unter den Klängen der Marseillaise einherziehende Kriegsmacht mit roten Freiheitsmützen, mit Säbeln und Kanonen.»

Aber nicht nur Kriegerisches war zu sehen. «Endlich wieder ein friedliches Bild! – ein strohbedecktes Bauernhaus mit einem laubenüberwölbten Vorplatz», frohlockte der Autor. Die Räuber der böhmischen Wälder zeigten sich darin «in einer Originalität und Echtheit, gegen die die Räuber unserer Bühnen die reinsten Salonfexen sind». Salonfex, heute nicht mehr gebräuchlich, stand für einen «parfümierten Mode-Gecken». Auch der «Tagblatt»-Berichterstatter urteilte: «An malerischer Wirkung nach meinem Empfinden der schönste Wagen war das alte Raubschloss, in dessen Umgebung die Räuberbande kampierte, trank und schmauste.»

Wegen «Hudelwetter» auf den Sonntag verschoben

«Selten geschaute Volksmengen stauten sich vor Beginn des Umzugs um 1 Uhr in Luzern», schrieb die Zeitung «Vaterland». 3500 Zuschauerinnen und Zuschauer reisten per Dampfschiff an, 13 000 per Eisenbahn, zum Teil aus der ganzen Schweiz. Dazu seien «viele Tausende per Tram und zu Fuss» gekommen.Übrigens fand der Umzug 1905 nicht am Schmutzigen Donnerstag, 2. März, statt, sondern wurde damals auf den Fasnachtssonntag, 5. März, verschoben – heute wohl undenkbar. Der Grund war das «Hudelwetter» am Schmudo, mit Regen in der Nacht und Schneefall den ganzen Tag. Die am 2. März dennoch angereisten vielen tausend Personen seien «enttäuscht wieder abgereist», schreibt das «Vaterland». Auch am Sonntag blieb die Sonne aus. Gemäss Zeitungsberichten war der Umzug dennoch ein riesiger Erfolg. Das «Tagblatt» schrieb von einer «würdigen Ehrung Schillers – und sie kam aus dem Herzen des Volks». Der «Vaterland»-Berichterstatter meinte: «Das kann man nicht beschreiben, das muss man gesehen haben.» Folgerichtig verzichtete er auf eine ausführliche Besprechung. Herrlich zu lesen ist ein Abschnitt im «Tagblatt». Mit Rücksicht auf den Charakter des Schillerfestzuges bleibe «das Orangenspenden auf einzelne passende Gruppen beschränkt, was ganz dem Takt der Mitwirkenden überlassen bleibt», heisst es da. Die Folge: «Manch holde Schöne muss sich deshalb mit einem schmachtenden Blick von seiten ihres Ritters begnügen und ist es ihr gestattet, mit dankbarem Lächeln dafür zu quittieren.»

Wie fasnächtlich sich Luzern nach dem Umzug präsentierte, darüber sind sich die Berichterstatter uneinig. «Nach dem Zug bleiben die Strassen voll von kostümierten Rittern, Schnitterinnen, Räubern, Johannitern, Wallensteinern undsoweiter», schrieb das «Vaterland». In einem anderen Bericht hiess es, der Aufmarsch an Kostümierten sei enttäuschend klein gewesen. Auch ausländische Medien berichteten 1905 über den Luzerner Fritschizug. Er sei «eine schöne, einheitlich gedachte, originell durchgeführte Huldigung für den Dichter, von der zu wünschen wäre, dass man sie im Mai, in der Schillerwoche, wiederholte», schrieb die «Frankfurter Zeitung». Diese gewünschte Wiederholung fand nicht statt – wohl, weil der organisatorische Aufwand dafür zu gross gewesen wäre.

«Vorwiegend patriotische Szenen»

Wenn man sich Fotos der Fritschizüge von früher anschaut – so auch die auf dieser Seite –, staunt man über die Vielzahl von Reitern, Grenadieren, Behelmten. Das ist kein Zufall, denn ursprünglich waren die Fritschizüge militärische Harnischschauen. «Später verloren sie ihre militärischen Bezüge und wurden zum fasnächtlichen und die Schaulust befriedigenden Ereignis.» Das schreibt Paul Rosenkranz in seinem lesenswerten Buch «Geschichte der Zunft zu Safran 1400–2000», das die Zunft 2006 veröffentlichte. Mitte des 18. Jahrhunderts waren sie «zu Karnevals- und Schauumzügen geworden, die oft in vielen Bildern vorwiegend patriotische Szenen zur Darstellung brachten».

Nach dem Ersten Weltkrieg nahmen immer mehr Gesellschaften und Vereine am Umzug teil. Deshalb sei es unmöglich geworden, die Umzüge unter ein einheitliches Motto zu stellen, schreibt Rosenkranz: «Auch die Belehrung und Illustration wunderlicher Dinge konnte man jetzt ja anderswo haben – in den zahlreicher werdenden Illustrierten und Journalen – dafür brauchte man nicht mehr die Fasnacht.» Seit 1925 gibt es zusätzlich zum Fritschi-Umzug den Umzug der Wey-Zunft. Und ab 1947 hielten die Guuggenmusigen Einzug in die Luzerner Fasnacht und ihre Umzüge.

Der Fritschizug, der grosse Fasnachtsumzug der Zunft zu Safran Luzern, stand bis in die 1920er- und 1930er-Jahre stets unter einem einzigen, einheitlichen Motto. Hier ein Bild vom Fritschizug 1920. Er stand unter dem Motto «Die hungernden Völker». Der Wagen ist eine venezianische Gondel am Kapellplatz. (Bild: Stadtarchiv Luzern)

Der Fritschizug, der grosse Fasnachtsumzug der Zunft zu Safran Luzern, stand bis in die 1920er- und 1930er-Jahre stets unter einem einzigen, einheitlichen Motto. Hier ein Bild vom Fritschizug 1920. Er stand unter dem Motto «Die hungernden Völker». Der Wagen ist eine venezianische Gondel am Kapellplatz. (Bild: Stadtarchiv Luzern)

Fritschizug 1905: Der «Schillerhuldigungswagen» am Schweizerhofquai. (Bild: Stadtarchiv Luzern)

Fritschizug 1905: Der «Schillerhuldigungswagen» am Schweizerhofquai. (Bild: Stadtarchiv Luzern)

Umzug 1905. «Volk aus Uri und Schwytz» vor dem Gebäude des ehemaligen Hotel Nord. (Bild: Stadtarchiv Luzern)

Umzug 1905. «Volk aus Uri und Schwytz» vor dem Gebäude des ehemaligen Hotel Nord. (Bild: Stadtarchiv Luzern)

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