LUZERN: So löst Wien sein Carproblem

Ein Stadtverbot für Touristencars? Was in Luzern im Zusammenhang mit dem Metro-Projekt zu reden gibt, wurde in Wien soeben erfolgreich eingeführt.

Luca Wolf
Merken
Drucken
Teilen
Luzern gibt sich alle Mühe, mit der täglichen Fülle von Reisecars zurechtzukommen. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Luzern gibt sich alle Mühe, mit der täglichen Fülle von Reisecars zurechtzukommen. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

In Spitzenzeiten fahren pro Tag um die 290 Touristenbusse ins Stadtluzerner Zentrum und sorgen dort für überfüllte Parkplätze und Stau. Die Initianten des Metro-Projekts – einer U-Bahn von der Reussegg bis zum Schwanenplatz – möchten das Problem wie folgt lösen: Die Stadt soll in einem Reglement festhalten, dass Cars mit Tagestouristen ins neue Metro-Parkhaus neben der KVA Ibach müssten. Nur noch Cars mit Hotelgästen dürften in die Stadt rein. Dieser Vorschlag sorgt bei uns für Aufregung (Ausgabe vom Mittwoch). Doch wie lösen das andere Städte?

Busse behinderten Verkehr

Bereits Erfahrung mit einem ähnlichen System hat die Stadt Wien. Seit dem 1. Mai 2014 dürfen dort Touristenbusse nicht mehr bis ins historische Wiener Stadtzentrum, den Bezirk Innere Stadt, fahren. «Der Grund dafür ist, dass die grossen Busse in den oft engen Gassen der Innenstadt zum einen den öffentlichen Verkehr behindert haben, zum anderen Lärm und Abgase für die Anwohner nicht mehr tolerierbar waren», erklärt Andreas Baur, Mediensprecher der grünen Wiener Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou, auf Anfrage.

Im Detail funktioniert das Carverbot für das bloss 3 Quadratkilometer (von total 415 km2) kleine Wiener Stadtzentrum wie folgt: Reisebusse und speziell die zweistöckigen Citytour-Busse müssen auf einem der Carparkplätze rund ums Zentrum halten. Von dort gehts zu Fuss in die Innere Stadt. Baur schätzt, dass durch diese Massnahme pro Tag weit über 100 Busse weniger durchs Zentrum fahren. Genaue Zahlen gibt es nicht.

Weiterhin ins touristische Herz von Wien fahren dürfen Busse mit konkreten Zielorten wie etwa Hotels oder Kongresszentren – das soll auf Drängen der Hoteliers auch in Luzern weiterhin möglich sein. Die Zufahrt zu den Wiener Hotels ist nur möglich mit einer speziellen Zufahrtskarte.

Bislang positive Erfahrungen

Laut Andreas Baur konnte das neue Busregime in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten erstellt werden. Grossen Widerstand habe es nicht gegeben. Da seit der Einführung der neuen Regelung erst eineinhalb Monate vergangen sind, kann Baur erst eine provisorische Zwischenbilanz ziehen. «Die Erfahrungen sind, soweit zu diesem Zeitpunkt bekannt, für die Bewohner der Inneren Stadt positiv. Diese Wahrnehmung basiert auf Feedbacks aus der Bevölkerung. Für eine Bilanz aus wirtschaftlicher Sicht liegen uns noch keine Daten vor.»

Eins zu eins vergleichbar sind die Städte Luzern und Wien jedoch nicht. Nur schon, weil Wien eine Schuhnummer grösser ist. So wohnen in der österreichischen Hauptstadt 1,8 Millionen Menschen (Stadt Luzern etwa 80 000). 2013 übernachteten in Wien über 12 Millionen Touristen und Besucher (Stadt Luzern gut 1 Million). Nicht vergleichbar ist auch die Belastung durch die in Wien omnipräsenten grossen, aber oftmals halb leeren Citytour-Busse. Solche gibts in Luzern keine.

Zwei grüne Politiker am Steuer

Vergleichbar, aber das nur am Rande erwähnt, sind dafür die in Wien und Luzern verantwortlichen Politiker. Bei uns ist der grüne Stadtrat Adrian Borgula für den Verkehr zuständig. Wegen seines Parteibuchs wird ihm von Bürgerlichen oft vorgehalten, er setze sich nur für Velofahrer, Fussgänger und den öffentlichen Verkehr ein.

Dabei können Borgulas Kritiker froh sein, dass in Luzern nicht Wiens grüne Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou das Sagen hat. Denn Vassilakous Ziel ist laut ihrer Website die massive Förderung des ÖV, und das mit folgendem Ziel: «Kein Wiener und keine Wienerin soll mehr auf das eigene Auto angewiesen sein.»