LUZERN: So stark hat Luzern zugelegt

In wenigen Wochen ist es so weit: Dann hat der Kanton Luzern 400 000 Einwohner. Aber längst nicht überall wachsen die Gemeinden – im Gegenteil.

Thomas Heer
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Bild: Grafik Neue LZ

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Sie gehen mit der Seilbahn zur Schule, sie hirten das Vieh, sie flicken die Zäune, sie helfen bei der Ernte, sie spielen aber auch in der wunderschönen Landschaft. Das Leben dieser Buben und Mädchen scheint wie aus einer anderen Zeit. Mit ihrem berührenden Dokumentarfilm «Die Kinder vom Napf» gelang Regisseurin Alice Schmid ein Werk, das 2012 selbst an der «Berlinale» für Aufsehen sorgte. Mit dem Streifen zeigt die Filmemacherin einen eindrücklichen realen Ausschnitt aus dem Alltag in der Gemeinde Romoos.

Eine andere, weit weniger erfreuliche Realität von Romoos findet sich in den Zahlenreihen von Lustat Statistik Luzern. Denn daraus geht hervor, dass das Dorf im Zeitraum zwischen 1982 und 2014 knapp 18 Prozent seiner Bewohnerinnen und Bewohner verlor. In Zahlen ausgedrückt ist das ein Schwund von 808 auf 663 Personen.

Es lockt der Seeblick: Am stärksten gewachsen ist in den letzten fünf Jahren die Region Seetal (6.6%) um den Baldeggersee. Kaum angestiegen sind die Bevölkerungszahlen im Entlebuch (1,2%). (Bild: Lustat Statistik Luzern)
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Aufsteiger und Absteiger: Keine Gemeinde ist in den letzten fünf Jahren stärker angewachsen als Inwil (+ 16%). Romoos hingegen hat am meisten Einwohner verloren (- 4.9%) (Bild: Lustat Statistik Luzern)
Gebärfreudig: In der Region Sempachersee kommen mehr Menschen zur Welt, als sterben müssen. In keiner anderen Region ist der Geburtenüberschuss so hoch. (Bild: Lustat Statistik Luzern)
Da überrascht es nicht, dass im Einzugsgebiet der Region Sursee/Sempachersee am meisten Familien leben (mehr als 73%).  In der Stadt ist der Anteil der Familienhaushalte mit 59% am tiefsten. (Bild: Lustat Statistik Luzern)
International: Der Anteil der ausländischen Bevölkerung beträgt in der Stadtregion 22.2 Prozent. Am tiefsten ist der Ausländeranteil im Entlebuch (7.5%). (Bild: Lustat Statistik Luzern)
Die Statistiker rechnen damit, dass die Region Unteres Wiggertal bis ins Jahr 2035 am stärksten zulegen wird (+17,6 Prozent). Praktisch auf dem heutigen Stand bleiben dürften Entlebuch (+1,6) und Rottal-Wolhusen (+1,9%). (Bild: Lustat Statistik Luzern)

Es lockt der Seeblick: Am stärksten gewachsen ist in den letzten fünf Jahren die Region Seetal (6.6%) um den Baldeggersee. Kaum angestiegen sind die Bevölkerungszahlen im Entlebuch (1,2%). (Bild: Lustat Statistik Luzern)

Am 7. Mai dürfte es so weit sein

Mit diesem Rückgang liegt Romoos an der Spitze all jener Luzerner Gemeinden, die in den letzten drei Jahrzehnten bevölkerungsmässig schrumpften. An den meisten anderen Orten stieg die Zahl der Einwohner jedoch – seit 1982 teils markant. Rund 300 000 Männer, Frauen und Kinder verteilten sich vor 34 Jahren auf den 1493 Quadratkilometern Kantonsgebiet. Bald werden es 400 000 Menschen sein. Khanh Hung Duong, Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Lustat, kann auch schon abschätzen, wann dies der Fall sein wird: «Gemäss heutigen Berechnungen erwarten wir, dass die 400 000er-Marke am 7. Mai 2016 erreicht sein wird.»

Zurück zu Romoos: Gemeindeammann Peter Emmenegger sagt: «Ausserhalb der Landwirtschaft finden sich bei uns wenig Arbeitsplätze. Sobald die Jungen ihre Lehre abgeschlossen haben, verlassen sie das Dorf meistens.» Emmenegger kann aber auch von Erfolgen berichten. So sei die Zahl der Kinder in den vergangenen Jahren eher wieder gestiegen. «Es gibt immer wieder Familien, die ganz bewusst aufs Land zügeln.» Auch Touristen zieht es in stattlicher Zahl nach Romoos. Wo sonst in der Schweiz kann innerhalb eines Tages Gold gewaschen werden und einem Köhler bei der Ausübung seiner – archaisch anmutenden – Arbeit über die Schulter geschaut werden?

Deutsche kommen nach Luthern

Auch Luthern gehört neben Romoos und Ebersecken zu jenen Dörfern, die bevölkerungsmässig am meisten schrumpften. Co-Gemeindeammann Hans Peter weist darauf hin, dass sich der Abwanderungstrend in jüngster Vergangenheit verlangsamte. Das hänge auch damit zusammen, dass viele leer stehende Wohnungen von deutschen Staatsbürgern angemietet wurden. Den nördlichen Nachbarn macht es im Vergleich zu den Schweizern offenbar weniger aus, längere Anfahrtswege zum Arbeitsort in Kauf zu nehmen. Von Luthern in die Stadt Luzern muss mit einer Fahrzeit von einer Dreiviertelstunde gerechnet werden.

Für die wirtschaftliche Belebung des Dorfes setzen Luthern wie Romoos auch auf den Tourismus. Ein Trumpf können die Hinterländer mit dem Maienwallfahrtsort Luthernbad ausspielen. Dem Wasser wird eine heilende Wirkung nachgesagt. Peter sagt: «Die Anzahl der Pilger hat zugenommen.»

Am anderen Ende der Wachstumsskala findet sich die Gemeinde Honau. Ab 1982 hat das Dorf die Bevölkerungszahl um rund 350 Prozent gesteigert. Gemeindeschreiber Thomas Bucher führt den Boom darauf zurück, dass Landwirtschaftsland in Bauzonen umgewandelt wurde. Auch Gisikon hat neben Greppen mächtig zugelegt. Gisikons Gemeindepräsident Alois Muri begründet das Wachstum unter anderem so: «Der Druck aus Zug und sogar aus Zürich ist gross. Dort liegen die Kosten fürs Wohnen einfach wesentlich höher.»

Und der Gemeindeammann von Greppen sagt zu den Vorzügen seines Dorfes: «Wenn ich mich mit den Leuten unterhalte, höre ich immer wieder, dass die Zuzüger wegen der Ruhe und der schönen Landschaft zu uns kommen.»

Thomas Heer