LUZERN: So stehen die Chancen der Parteien

CVP und FDP wollen im Luzener Kantonsrat je drei Sitze gewinnen, die GLP gar deren vier. Ist das Wunschdenken oder realistisch? Eine Einschätzung, drei Monate vor den Wahlen.

Drucken
Teilen
Regierungsratskandidat Robert Küng und seine Frau Esther lassen sich am 10. April 2011 im Lichthof des Regierungsgebäudes von Grossstadtrat Albert Schwarzenbach (links) die Wahlzwischenresultate erklären. (Bild Philipp Schmidli)

Regierungsratskandidat Robert Küng und seine Frau Esther lassen sich am 10. April 2011 im Lichthof des Regierungsgebäudes von Grossstadtrat Albert Schwarzenbach (links) die Wahlzwischenresultate erklären. (Bild Philipp Schmidli)

Formulieren Parteistrategen und Wahlkampfmanager ihre Ziele, tönt das beispielsweise so: «2 bis 3 zusätzliche Sitze zu gewinnen, ist sehr ehrgeizig, aber realistisch.» Dieser Satz stammt von Katharina Meile, Co-Präsidentin der Grünen und Kantonsrätin aus der Stadt Luzern. Er könnte aber genauso gut von den Präsidenten der CVP und der FDP stammen. Auch Pirmin Jung und Peter Schilliger wollen mit ihren Parteien am 29. März 2015 drei zusätzliche Kantonsratsmandate holen. Noch ambitiöser gibt sich Laura Kopp: Sie will mit ihrer GLP gar vier Sitze dazu- gewinnen. Umgerechnet auf den prozentualen Sitzgewinn, entspräche dies einer Zunahme von 67 Prozent der jetzt gehaltenen sechs Mandate (siehe Grafik). Die CVP würde, wenn sie ihr Ziel erreichen sollte, in der nächsten Legislatur rund 8 Prozent mehr Sitze besetzen, die FDP 13 Prozent.

4 Sieger, 2 Verlierer?

So ehrgeizig die Ziele von Wahlkämpfern sind: Sind die Stimmen am Abend des Wahltags ausgezählt, gibt es neben Siegern immer auch Verlierer. Welche der jetzt im Kantonsrat vertretenen sechs Parteien in etwas mehr als drei Monaten jubeln und welche in Katzenjammer ausbrechen werden, ist zwar äusserst schwierig abzuschätzen. Anhaltspunkte gibt es jedoch schon. Beispielsweise der politische Leistungsausweis, die Auftritte der Exponenten oder der allgemeine Eindruck, den die Parteien derzeit erwecken.

CVP (39 Sitze)

Die immer noch wählerstärkste Luzerner Partei möchte ihre 39 Kantonsratsmandate um 3 Sitze ausbauen und damit einen Teil der 2011 verlorenen 7 Sitze zurückerobern. Das ist äusserst optimistisch. Die CVP verlor nicht nur bei den letzten Kantonsratswahlen, sondern auch bei den nationalen Wahlen vom 23. Oktober 2011, nämlich 3,1 Prozent Wähleranteile. Dazu kommt, dass die Kantonsratsfraktion oft unglücklich agiert, ebenso Bildungsdirektor Reto Wyss. Auch Parteipräsident Pirmin Jung wird kaum wahrgenommen. Die CVP kann sich glücklich schätzen, wenn sie ihre 39 Mandate halten kann. Wahrscheinlicher ist, dass sie Einbussen hinnehmen muss. Die beiden Sitze in der Regierung, gehalten von Guido Graf und Reto Wyss, sind dagegen nicht gefährdet.

SVP (27 Sitze)

Franz Grüter ist der einzige Parteipräsident, der seine Wahlziele nicht in Zahlen ausdrückt: «Holen wir weniger zusätzliche Sitze als angestrebt, nennt man uns am Wahlabend Verlierer. Darum nenne ich keine Zahlen.» Klar ist, dass die Nummer 2 der Parteien zulegen will – und sie darf sich zumindest berechtigte Hoffnungen machen, auch wenn es der SVP an Köpfen fehlt. Dass die Partei ähnlich viele Sitze holt wie 2011, ist aber unwahrscheinlich. Deshalb: Eine bescheidene Zunahme des Wähleranteils liegt drin. Praktisch aussichtslos ist der Versuch, den Sprung in die Regierung zu schaffen. Der parteilose Finanzdirektor Marcel Schwerzmann geniesst in der Bevölkerung einen zu hohen Rückhalt – die Chancen des Krienser Gemeindepräsidenten und Kantonsrats Paul Winiker sind minim.

FDP (23 Sitze)

Die Freisinnigen wollen 3 der 2011 verlorenen 6 Parlamentssitze zurückerobern. Das ist ein sehr hoch gestecktes Ziel, zumal die Partei auch bei den letzten nationalen Wahlen massiv Wähleranteile verlor – mit 3,4 Prozent so viel wie keine andere Luzerner Partei. Deshalb mutet die bereits jetzt kommunizierte Zielsetzung, einen dritten Nationalratssitz zu gewinnen, beinahe grotesk an. Die FDP muss wie die CVP hochzufrieden sein, wenn sie ihre Verluste minimieren kann. Oder anders formuliert: Wer den Freisinnigen eine weitere Abnahme der Sitzzahl prognostiziert, dürfte richtig liegen. Den von Robert Küng gehaltenen Regierungsratssitz wird die FDP hingegen problemlos verteidigen können.

SP (16 Sitze)

Zulegen wollen auch die Sozialdemokraten – allerdings nicht so massiv. Parteipräsidentin und Regierungsratskandidatin Felicitas Zopfi sagt: «1 bis 2 Sitze sind machbar.» Diese Einschätzung kann durchaus zutreffen. Das Wahljahr 2011 gelang der SP gut, die 16-köpfige Kantonsratsfraktion macht einen dossiersicheren Eindruck, die Parteileitung ebenso. Zudem schaffte es die SP im Alleingang, fast die Hälfte der Luzerner zu einem Nein zur Wirtschaftsfakultät an der Uni zu bewegen. Sehr gut sind die Chancen, den Sitz in der Regierung halten zu können, auch wenn mit Yvonne Schärli eine populäre Politikerin abtritt.

Grüne (9 Sitze)

2 bis 3 Sitze mehr: Das ist das erklärte Ziel von Co-Präsidentin Katharina Meile. Würde dieser Wunsch in Erfüllung gehen, käme das einer Überraschung gleich. Bei den kantonalen Wahlen gewann die Partei zwar 1,4 Prozent Wähleranteile, im Herbst fuhr sie dann aber einen ähnlich hohen Verlust ein. Ein Sitzgewinn scheint aber möglich. Nötig ist dazu auch etwas Glück bei den Listenverbindungen mit der SP. Wenig Hoffnung machen dürfen sich die Grünen bei den Regierungsratswahlen. Kandidat Michael Töngi gehört zwar zu den profilierten Kantonsräten, doch die Wählerbasis ist schlicht zu klein, um den Sprung in die fünfköpfige Regierung schaffen zu können.

GLP (6 Sitze)

Die kleinste im Kantonsrat vertretene Partei steckt sich das mit Abstand ambitionierteste Ziel: 10 Kantonsratsmandate. Dass sich die GLP hohe Ziele steckt, ist nachvollziehbar – schliesslich war die Partei die ganz grosse Gewinnerin des Wahljahrs 2011. Im Frühjahr holte sie auf Anhieb einen Wähleranteil von 5,9 Prozent, im Herbst jagte sie der SVP einen Nationalratssitz ab. Eine Steigerung um 4 Kantonsratssitze käme aber einer Sensation gleich. Auch deshalb, weil die GLP Mühe haben wird, wahrgenommen zu werden, verzichtet sie doch höchstwahrscheinlich auf eine Teilnahme bei den Regierungsratswahlen.

Lukas Nussbaumer

BDP will in den Kantonsrat

Mindestens einen Sitz im Kantonsrat gewinnen: So formuliert die BDP ihr Ziel für die Kantonsratswahlen vom 29. März 2015. Das ist ambitiös. Am 10. April 2011, als die BDP zum ersten Mal an kantonalen Wahlen teilnahm, holte die 2010 gegründete Partei einen Wähleranteil von 1,66 Prozent. Bei den Nationalratswahlen 2011 kam die BDP auf 2,1 Prozent.

Noch kleinere Brötchen bäckt die EVP. Sie nahm an den kantonalen Wahlen 2011 nicht teil, dafür an den nationalen. Das Resultat: ein Wähleranteil von 0,7 Prozent. Ein Sitzgewinn im Kantonsrat sei «eher unwahrscheinlich», sagt Co-Präsident Klemens Ruoss.

nus

Alle Präsidenten an einem Tisch

Am Mittwoch, dem 7. Januar 2015, findet im Casino in Luzern eine öffentliche Podiumsdiskussion mit allen Präsidenten der im Kantonsrat vertretenen sechs Parteien statt. Es sind dies Pirmin Jung (CVP), Franz Grüter (SVP), Peter Schilliger (FDP), Felicitas Zopfi (SP), Katharina Meile (Grüne, Co-Präsidentin) und Laura Kopp (GLP). Moderator ist Jérôme Martinu, stellvertretender Chefredaktor der Neuen Luzerner Zeitung.

Türöffnung ist um 18.30 Uhr. Wegen der beschränkten Platzzahl ist eine Anmeldung nötig unter www.ifu.ch. Organisiert wird der Anlass vom Info-Forum Freies Unternehmertum, das Unternehmer und Politiker vernetzen will.