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LUZERN: So tickt die Regierung an der Fasnacht

Vier unserer fünf Regierungsräte mischen sich unters Narrenvolk. Und lassen sich dabei gern auf die Schippe nehmen.
Evelyne Fischer
Finanzminister Marcel Schwerzmann hat seinen offiziellen Auftritt bereits hinter sich: die Inthronisationsfeier der Wey-Zunft. (Bild PD/Heinz Steimann)

Finanzminister Marcel Schwerzmann hat seinen offiziellen Auftritt bereits hinter sich: die Inthronisationsfeier der Wey-Zunft. (Bild PD/Heinz Steimann)

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Marcel Schwerzmann

Rote Schuhe mit goldenen Absätzen. Sie sind das Markenzeichen von Marcel Schwerzmann (52) während der Fasnacht. «Ganz sicher bin ich damit morgen Donnerstag zu sehen», sagt der parteilose Finanzdirektor. «Nicht entgehen lassen will ich mir auch den Einzug der Kulturfasnächtler sowie die diversen Strassentheater, etwa jenes der Luzerner Moggetätscher oder die Darbietung der Maskenliebhaber-Gesellschaft der Stadt Luzern.» Auf dem Programm stehen ferner die Fasnachtsumzüge in Luzern und Kriens – Letzteres ein Heimspiel. Seinen einzigen offiziellen Auftritt hat Schwerzmann bereits hinter sich: die Inthronisationsfeier der Wey-Zunft (Bild). Um die langen Tage unbeschadet zu überstehen, hat Schwerzmann ein einfaches Rezept zur Hand. «Warm anziehen, genug essen und wenig Alkohol.» Die Zeit der Konfetti und kakofonischen Klänge begeistert ihn seit jeher: «Ich war schon als Kleinkind mit Vater und Schwester an der Tagwache.» Damals, Anfang der 70er-Jahre, noch auf dem Kornmarkt, ohne Gedränge. «Wie die Guuggenmusigen jeweils alle gleichzeitig um 5 Uhr loslegten, werde ich nie vergessen.»

Reto Wyss

Ein Narr ist, wer Reto Wyss für einen Fasnächtler hält: Der Bildungs- und Kulturdirektor zieht Schneegestöber bekanntlich dem Konfettiregen vor. «Auch dieses Jahr werde ich die Fasnachtstage in den Bergen verbringen», sagt der 51-jährige CVP-Politiker aus Rothenburg. Ob rassige Fahrt auf der Piste oder Skitour mit Freunden: «Ich liebe es, in der Winterlandschaft unterwegs zu sein.» Dass Wyss lieber vom Outdoor-Virus gepackt wird als dem Fasnachtsfieber erliegt, dürfte ihm in die Wiege gelegt worden sein. «Bereits als Kinder sind wir in dieser Zeit jeweils mit unseren Eltern in die Skiferien verreist.» Dass Wyss an der Fasnacht physisch nicht präsent ist, muss allerdings nicht heissen, dass er als Person keine dankbaren Steilpässe für Schnitzelbänkler und Umzugswagensujets geliefert hat. Stichwort Salle modulable. Wyss nimmts gelassen. «Während der Fasnachtszeit darf man nicht alles auf die Goldwaage legen.» Wer in der Öffentlichkeit stehe, müsse damit umgehen können, dass das eigene Handeln satirisch beleuchtet werde. «Die Grenze liegt bei mir dort, wo es zur politischen Abrechnung wird und nicht mehr humorvoll ist.»

Robert Küng

Wie der Elefant, der dunkle Turm, zur Pfarrkirche St. Peter und Paul gehört, so wenig ist die 126-jährige Karnöffelzunft aus Willisau wegzudenken. Hinter den Figuren des jassähnlichen Kaiserspiels versteckt sich auch Politprominenz: Als «Rosen Banner» mischt sich Regierungsrat Robert Küng (FDP) unter die Narren. «Die Zunftmitgliedschaft bringt mir gesellschaftlich viele gute Kontakte. Die Karnöffler tragen zum Erhalt von Brauchtum bei, eine spannende Aufgabe», sagt der Baudirektor. Der 60-Jährige hat intensive Tage vor sich: «Am Fasnachtssonntag marschiere ich mit der Zunft am Umzug in Beromünster mit, am Güdismontag besuche ich als Gast den traditionellen Hirsmändig in Flühli.» Am selben Tag findet ein Pflichtanlass für Willisauer Fasnächtler statt: der Sprüchliabend. «Zahlreiche Gruppen nehmen in den Restaurants das lokale, regionale und nationale Geschehen auf die Schippe, sie bieten beste Unterhaltung», sagt Küng. Schnitzelbänke über seine Person nimmt er mit Humor. «Ich gehe locker fasnächtlich damit um, meistens hat es ja etwas Wahres dabei. Die Versli-Schmiede kennen die Grenzen ganz gut.»

Guido Graf

Unvergesslich bleibt sein Auftritt am Herrenabend des Lozärner Fasnachtskomitees von 2013: Regierungsrat Graf krönte sich zum «König Guido I. von Pfaffnau», die Schärlische Hilfs-Mäusepolizei gehörte zur Entourage. Zu welchem Kostüm der Gesundheits- und Sozialdirektor heuer greift, verrät er nicht: «Ein richtiger Fasnächtler behält seine Verkleidung für sich.» Entlarven könnte ihn allenfalls eine Rock ’n’ Roll- oder Discofox-Einlage: Als «Vater» der Luzern-tanzt-Kampagne will sich auch der 58-jährige CVP-Politiker an einem Maskenball aufs Tanzparkett wagen. «Wo wir das Tanzbein schwingen, werden meine Frau und ich spontan entscheiden.» Geheim bleibt auch, an welchen Anlässen er in offizieller Mission unterwegs ist. Fest zur privaten Grafschen Fasnachtsagenda gehört mittlerweile die Luthertaler Tanneschleipfete. «Der schöne Anlass ist mit viel Tradition und einer einmaligen Stimmung verbunden», sagt Graf. 2013 war er gar der Höchstbietende bei der traditionellen Tanne-Versteigerung. Die dortigen Wagenbauer dürfen sich freuen: «Bei einem guten Spruch über einen Politiker lache ich gerne mit.»

Paul Winiker

Heute schaut Justiz- und Sicherheitsdirektor Paul Winiker als «Sheriff» im Kanton Luzern zum Rechten, als Kind ritt er diesem im Wilden Westen davon. «Zusammen mit meinem Bruder war ich als Indianer unterwegs, die Kostüme hatte unsere Mutter genäht», sagt Winiker. Statt das Lasso zu schwingen, haut der 60-Jährige SVP-Politiker heute auf die Pauke – wortwörtlich: «Ich mache bei der Luzerner Bucheli- und Fritschimusig mit, die sich aus demografischen Gründen inzwischen zusammengeschlossen hat. Die einzige Fusion, der ich je zugestimmt habe», schmunzelt er. Nach Jahren an der Trommel habe er sich auch als Posaunist versucht. «Allerdings erfolglos.» Besonders freue er sich auf den Monstercorso, «das Highlight für jeden Fasnächtler». Seit Jahren ist Winiker Mitglied der Zunft zu Safran. «Zünfte pflegen die Tradition und die Kameradschaft, dies gab den Ausschlag für meinen Beitritt.» Vollblutfasnächtler Winiker fehlte weder am Herrenabend des Lozärner Fasnachtskomitees noch am Krienser Haxenfrass. «Morgen besuche ich den Fritschi-Umzug in der Stadt, den Abschluss markiert der Umzug vom Güdisdienstag in Kriens.»

Baudirektor Robert Küng mischt sich in Willisau als «Rose Buur» unter die Narren. (Bild: Foto: PD)

Baudirektor Robert Küng mischt sich in Willisau als «Rose Buur» unter die Narren. (Bild: Foto: PD)

Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf geht an die Fasnacht. Wann, Wo und als was «hält ein richtiger Fasnächtler für sich». (Bild: PD)

Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf geht an die Fasnacht. Wann, Wo und als was «hält ein richtiger Fasnächtler für sich». (Bild: PD)

Justiz- und Sicherheitsdirektor Paul Winiker haut während der Fasnacht auf die Pauke – wortwörtlich, und zwar bei der Bucheli- und Fritschimusig. (Bild PD)

Justiz- und Sicherheitsdirektor Paul Winiker haut während der Fasnacht auf die Pauke – wortwörtlich, und zwar bei der Bucheli- und Fritschimusig. (Bild PD)

Bildungs- und Kulturdirektor Reto Wyss ziehts während dem bunten Treiben in die weisse Bergwelt. (Bild: Heinz Steimann)

Bildungs- und Kulturdirektor Reto Wyss ziehts während dem bunten Treiben in die weisse Bergwelt. (Bild: Heinz Steimann)

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