LUZERN: So viel verdienen die Lehrer wirklich

Eine Auswertung zeigt: Die Löhne der Luzerner Lehrer liegen grösstenteils über dem Durchschnitt der Deutschschweiz. Das beruhigt die Lehrerverbände im Kanton nicht – im Gegenteil.

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Primarschülerinnen wie hier werden in Luzern von vergleichsweise gut entlöhnten Lehrern unterrichtet. (Symbolbild Gaetan Bally/Keystone)

Primarschülerinnen wie hier werden in Luzern von vergleichsweise gut entlöhnten Lehrern unterrichtet. (Symbolbild Gaetan Bally/Keystone)

Roseline Troxler

Die Regierung will das Lohnsystem der Lehrer anpassen (Ausgabe von gestern). Die Lehrerverbände sehen dies als reine Sparmassnahme an und sehen die Attraktivität des Kantons Luzern als Arbeitgeber für Lehrer gefährdet. Zu Recht? Ein Vergleich der Lehrerlöhne, der von der Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz vorgenommen wurde, zeigt: Die Lehrerlöhne im Kanton Luzern befinden sich im Durchschnitt oder sogar über dem Schnitt der Deutschschweiz (siehe Grafik). Nur im Obergymnasium liegt sowohl der Minimal- wie auch der Maximallohn leicht unter dem Durchschnitt der Deutschschweiz.

Kaspar Bättig, Geschäftsführer des Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverbands, sieht die Erhebung als «möglicher Vergleichsansatz, der aber stark relativiert werden muss». Es stelle sich die Frage, nach wie vielen Dienstjahren welche Stufe erreicht werden könne. Weiter müsse die Unterrichtsverpflichtung einbezogen werden. Diese unterscheide sich sehr. «Ein Vergleich mit anderen Kantonen wäre auch bezüglich Schulqualität anzustellen. Der Kanton Luzern hat diesbezüglich die Nase noch vorn. Noch deshalb, weil diese Qualität durch das wiederholte Sparen stark in Bedrängnis kommt.» Bättig geht davon aus, dass mit dem neuen Lohnsystem eine Entwicklung nach unten erfolgt.

«Belastung massiv gestiegen»

Der BCH Luzern, der die Interessen der Berufsschullehrer im Kanton vertritt, hält die Lohndatenerhebung für «wenig aussagekräftig», wie Präsident Stefan Moser erklärt: «Die Löhne zeigen nur die eine Seite. Tatsache ist, dass die Belastung der Berufsschullehrer in den letzten Jahren massiv gestiegen ist.» Er weist darauf hin, dass die Zahl der Lernenden in der Berufsbildung seit 2010 zugenommen hat, während sechzig Stellen abgebaut worden seien. «Die Klassenlehrerentschädigung wurde gestrichen, die Altersentlastung ist deutlich tiefer als in den umliegenden Kantonen, und die Klassengrössen sind massiv erhöht worden.»

Grössere Klassen hätten für die einzelnen Lehrer viel mehr Gespräche mit Lehrbetrieben und Eltern oder zusätzliche Prüfungen, die korrigiert werden müssen, zur Folge. «Die Steigerung der Belastung wird in der Lohndatenerhebung nicht abgebildet», betont Moser. Er ist überzeugt, dass das neue Lohnsystem die Löhne stärker unter Druck bringt.

Abwanderung befürchtet

Weiter nimmt der Präsident des BCH Luzern Bezug zum Zentralschweizer Durchschnitt: «Die Löhne der Luzerner Berufsschullehrer liegen darunter. Entscheidend für die Attraktivität ist vor allem, wie die Lehrer in den Nachbarkantonen entlöhnt werden.»

Dies erachtet auch Remo Herbst, Präsident des Verbands Luzerner Mittelschullehrer, als entscheidend. «Wenn Lehrer nur wenige Kilometer weiter eine wesentlich geringere Belastung haben und auch noch mehr verdienen, wird es zu einer Abwanderung kommen.» Ausserdem sei die Erhebung der Löhne «realitätsfremd». «Der Maximallohn kann gar nicht mehr erreicht werden.» Grund sei das mehrfache Aussetzen des Lohnstufenanstiegs und die nun verfügte Abschaffung des Lohnstufenanstiegs. «Dass die Einstiegslöhne höher sind als im Schnitt der Deutschschweiz, liegt daran, dass sie vor vier Jahren angehoben wurden, um überhaupt noch Gymnasiallehrer für den Kanton Luzern zu finden.» Entscheidend sei, was wirklich ausbezahlt wird.

«Monetär nicht abgeschlagen»

Bildungsdirektor Reto Wyss sagt zur Lohnerhebung: «Der Kanton Luzern ist nach wie vor attraktiv für Lehrpersonen. Monetär sind wir keineswegs abgeschlagen, sondern bewegen uns um die Mitte.» Bei den Primarlehrern sei Luzern im Vergleich mit der Innerschweiz lohnmässig im oberen Bereich, bei den Sekundar- und Berufsfachschulen im Mittelfeld und bei den Gymnasiallehrpersonen leicht darunter. Weiter sagt Wyss: «Bei der Rekrutierung haben wir ähnliche Probleme wie andere Schweizer Kantone.»

Lehrerlöhne im Vergleich: Lohnangaben pro Schulstufe jeweils im ersten Jahr und im Maximum (in Franken) (Bild: Tabelle: Neue LZ)

Lehrerlöhne im Vergleich: Lohnangaben pro Schulstufe jeweils im ersten Jahr und im Maximum (in Franken) (Bild: Tabelle: Neue LZ)