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LUZERN: So viel zahlen Luzerner fürs Wohnen

Die Mieten unterscheiden sich in der Stadt deutlich. Günstig lebt es sich etwa an der Basel- oder Bernstrasse – doch das könnte sich bald ändern.
Niels Jost
Der Mittelwert der monatlichen Wohnungsmieten in der Stadt Luzern. (Bild: Grafik Oliver Marx)

Der Mittelwert der monatlichen Wohnungsmieten in der Stadt Luzern. (Bild: Grafik Oliver Marx)

«Eine attraktive 41/2-Zimmer-Wohnung in Reussbühl für 1560 Franken im Monat.» So lautet ein aktuelles Angebot im Internet. Eine ebenfalls «attraktive» Wohnung mit gleich vielen Zimmern wird für 3920 Franken pro Monat angeboten – mehr als doppelt so viel. Sie ist auf der rechten Seeseite an der Lützelmattstrasse gelegen.

Dieses Beispiel zeigt: Die Wohnungsmieten variieren innerhalb der Stadt Luzern stark (siehe Grafik). Das haben auch die SP und die Juso erkannt. In einem Postulat haben sie den Stadtrat aufgefordert, die Mietpreise regelmässig zu erheben und zu veröffentlichen. Das solle für mehr Transparenz sorgen. Nun liegt die Antwort des Stadtrates vor: Auch er ist überzeugt, die Zahlen zu den Mietpreisen seien «gerade in Bezug auf die Wohnraumpolitik zentral». Lustat Statistik Luzern solle künftig jährlich vertiefte Auswertungen machen und etwa die Nettomieten nach Quartieren, Zimmerzahl oder Bewohnertyp (Genossenschafter und übrige Mieter) aufschlüsseln.

BaBel-Quartier wird künftig teurer

Bereits jetzt liegen solche Zahlen vor. Die aktuellsten stammen aus einer Auswertung von 2010 bis 2014. Rund 3000 Mietpreise von Stadtluzerner Wohnungen mit unterschiedlicher Anzahl Zimmern wurden dabei erhoben. Verglichen werden kann der Mittelwert all dieser Mietpreise. Dieser Mittelwelt ist jeweils etwa so hoch wie die Monatsmiete einer 2- bis 3-Zimmer-Wohnung. Dabei zeigt sich: Die teuersten Wohnungen stehen auf der eingangs erwähnten rechten Seeseite, im Stadtteil Bellerive/Schlössli. Dort beträgt der Mittelwert der monatlichen Miete 1760 Franken. Am anderen Ende der Tabelle liegt das Gebiet Kantonsspital/Ibach mit 1030 Franken, was rund 60 Prozent günstiger ist.

Die grossen Unterschiede zwischen den einzelnen Stadtgebieten überraschen Cyrill Studer nicht. Der Geschäftsleiter des kantonalen Mieterverbandes sagt: «Es ist bekannt, dass das rechte Seeufer einen tendenziell höheren Wohnungskomfort hat. Wiederum ist im BaBel-Quartier seit je her das Verkehrsaufkommen hoch und die Wohnbevölkerung stark durchmischt. Das zieht andere Mieter an.» Dennoch könne sich gerade dieses lebendige Quartier in nächster Zeit zu einem hippen Wohn­gebiet verändern. Das Luzerner Nachtleben etwa hat sich dort zunehmend etabliert. Und die vielen kleinen Läden lassen einen ausländischen Flair aufkommen. Das könne für die sogenannten «Dinks» attraktiv sein, so Studer, der für die SP im Grossstadtrat sitzt. «Dink» steht für «double income no kids», also für Paare, die beide verdienen und keine Kinder haben. «Dass Viertel mit tiefen Mietzinsen und hohem Ausländeranteil an unattraktiver Wohnlage hip werden, beobachten wir auch in anderen Städten wie Zürich oder Basel. Erst recht, wenn sie mit aufwendigen Haussanierungen einhergehen, dank denen der Lärm draussen bleibt.»

Diese eigentlich positive Entwicklung könnte aber zu höheren Mietzinsen führen, warnt Studer. Für «Dinks» wäre das zwar bezahlbar, nicht so aber für all jene Bewohner, die finanziell nicht so gut aufgestellt sind. «Ihnen würde bezahlbarer Wohnraum zunehmend verwehrt.» Deshalb nimmt der Mieterverband die Behörden in die Pflicht. Sie sollen für bezahlbaren Wohnraum sorgen. Eine entsprechende Initiative hat der Schweizerische Mieterverband vorgestern beim Bund eingereicht. Auch der Kantonalverband überlegt sich derzeit, im Kanton Luzern eine Initiative zu lancieren, die fordert, dass der Anfangsmietzins einer Wohnung bei der Neuvermietung offengelegt werden muss. Ein ähnliches Postulat hat die SP-/Juso-Fraktion bereits Ende September beim Stadtrat eingereicht.

Über die künftige Entwicklung der Mietzinse in Luzern sagt Cyrill Studer: «Die teuren Wohnungen werden eher unter Druck geraten.» Das sei auch in anderen urbanen Gebieten zu beobachten. Grundsätzlich werde der Mietzins generell wohl erneut ansteigen.

Geteilte Meinungen der Quartierbewohner

Doch was sagen die Bewohner über die unterschiedlichen Mieten in ihren Stadtteilen? Hans Bammert, Präsident des Quartiervereins Bernstrasse, ist überrascht über die dortigen tiefen Mieten. In den letzten Jahren habe er eher das Gegenteil vernommen. Trotzdem sei das Quartier weiter für Studenten attraktiv, die sich die Miete in einer WG teilen. Die tiefen Mieten könnten darauf zurückgeführt werden, dass es kaum grosse Wohnungen gibt. Bammert: «Eine 41/2-Zimmer-Wohnung gilt bei uns bereits als gross.» Zudem gebe es zahlreiche Genossenschaftswohnungen.

Überrascht ist auch Daniel Steger, Präsident des Quartiervereins An der Emme, weil die Mietzinse im Littauerboden höher sind als in den anderen Littauer Stadtgebieten. Eine mögliche Erklärung: «Viele Häuser wurden hier in den letzten 25 Jahren gebaut – und noch immer entstehen neue Wohnungen», so Steger. Entsprechend seien die Mieten für diese Neubauten höher als etwa in den älteren Häusern im Gebiet Littau Dorf. Steger wohnt aber gerne im Littauerboden: «Mit dem Bahnhof haben wir eine sehr gute Erschliessung, und man kann sich hier gut erholen.»

Lars Dubach, Präsident des Quartiervereins Bellerive-Halde-Lützelmatt, ist nicht überrascht, dass die Mieten in seiner Wohngegend am teuersten sind. Eine konkrete Erklärung hat aber auch er nicht. «Die Aussicht ist schön, und auch die Lage ist super», mutmasst Dubach. Zudem wurde auf der rechten Seeseite nicht so verdichtet gebaut, es gebe mehr Platz zum Wohnen. «Entsprechend grössere Einfamilienhäuser oder Wohnungen gibt es hier. Das hat seinen Preis.» In den letzten Jahren wurden laut Dubach jedoch immer mehr Einfamilienhäuser durch Mehrfamilienhäuser mit Mietwohnungen ersetzt. «Sie könnten die Mietzinse zusätzlich in die Höhe getrieben haben», so Dubach.

Niels Jost

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