Einkaufsgutscheine für die Stadt, ein «GA» für die Region: So wollen die Luzerner Touristiker Schweizer Gäste anlocken

Wegen der Coronakrise bleiben in der Zentralschweiz die Gäste aus den USA und Asien aus. Nun setzt Luzern Tourismus auf Übernachtungen von Schweizern – aber nicht nur.

Alexander von Däniken
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Dieses Bild strebt Luzern Tourismus an: eine bevölkerte Luzerner Kapellbrücke.

Dieses Bild strebt Luzern Tourismus an: eine bevölkerte Luzerner Kapellbrücke.

Dominik Wunderli (29. Juli 2019)

Mit Flugzeugen kennt sich Martin Bütikofer aus. Schliesslich ist der Verwaltungsratspräsident der Luzern Tourismus AG auch Direktor des Verkehrshauses Luzern, wo zwei Swissair-Flugzeuge stehen. Gegroundet wie die Swissair ist der Tourismus in der Region zwar nicht, «aber er hat erheblich an Flughöhe eingebüsst», sagte Bütikofer am Mittwoch im KKL vor den Medien. Und machte mit einem Flugzeugmodell in den Händen eine Abwärtsbewegung.

Die Zahlen sind bekannt: Zwischen Januar und Mai hat die Stadt Luzern wegen der Coronakrise bei den Logiernächten ein Minus von 61 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode verzeichnet. Die ganze Region Luzern-Vierwaldstättersee ist mit einem Minus von 52 Prozent etwas besser dran, weil Hotels auf dem Land und in den Bergen derzeit gefragter sind.

Mit Geschenkkarten wird auch Gewerbe unterstützt

Um den Inlandtourismus weiter anzukurbeln, hat Bütikofer zusammen mit Tourismusdirektor Marcel Perren verschiedene Massnahmen ergriffen:

  • Ab September erhalten Personen, die in einem Stadtluzerner Hotel übernachten, eine City-Card im Wert von 50 Franken geschenkt. Die Gutscheinkarte der City-Vereinigung kann in rund 200 Geschäften in der Stadt Luzern eingelöst werden. Die Stadt hat dafür 100'000 Franken bereitgestellt. «So können wir einerseits die Hotellerie unterstützen, andererseits aber auch das lokale Gewerbe», begründete Perren.
  • Ab 15. August profitieren Hotelgäste im Kanton Luzern von der «Tell-Pass-Aktion 2 für 1». Der Tell-Pass ist eine Art Generalabonnement für die Zentralschweiz, das zur freien Fahrt im Zug, Bus, auf dem Schiff oder in der Bergbahn ermächtigt. Zwei Tage kosten im Sommer 190 Franken. Neu wird Hotelgästen gratis ein zweiter Tell-Pass abgegeben. Kinder reisen ebenfalls gratis. Von diesem Angebot sollen nebst Schweizern auch Gäste aus Süddeutschland profitieren. Laut Perren wird im Raum Stuttgart eine entsprechende Kampagne gestartet.
  • Schon angelaufen sind der Zentralschweizer Gutschein und der Adventure-Kalender. Mit ersterem kann für die Familie, Freunde oder Kunden ein personalisierter Gutschein für rund 110 Angebote bestellt werden. Knapp 2000 Gutscheine im Wert von 190'000 Franken sind bereits ausgestellt worden. Der Adventure-Kalender bietet noch bis Ende Juli Hotelpauschalen, Stadterlebnisse und andere Vergünstigungen im Kanton Luzern.

Finanziert werden die Massnahmen nebst der Stadt Luzern vom Kanton und von Schweiz Tourismus respektive dem Bund. So hat der Kanton nach einer ersten Tranche von 700'000 Franken eine weitere über eine Million Franken gesprochen. Wichtig ist laut Bütikofer, dass nicht zu viel in teure Kampagnen gesteckt wird:

«Wir wollen die Plakatwände nicht zupflastern.»

Schweizer Gäste können Ausfall nicht kompensieren

Mit den Massnahmen will Luzern Tourismus den Mehrwert und die Angebotsvielfalt der Region aufzeigen, aber auch Wertschöpfung vor Ort generieren. Natürlich geht es in erster Linie darum, Schweizer Gäste in die Zentralschweiz zu locken. «Diese werden den Ausfall der internationalen Gäste nicht kompensieren können. Aber wir können auf eine Flughöhe kommen, die unsere Tourismusbetriebe tragen kann», sagte Bütikofer.

KKL: Mit der Maske in den Konzertsaal

(avd) Die Coronakrise setzt auch dem KKL am Luzerner Europaplatz zu. Und zwar in allen Bereichen, wie CEO Philipp Keller am Mittwoch sagte. Mit Ausnahme von kleinen Anlässen ist der Konferenzbereich zusammengebrochen, die Gastronomie läuft nur ohne Verbindung zu Veranstaltungen einigermassen. Auch die Kultur findet nach Absage des Blue Balls bloss eingeschränkt statt.

Das Lucerne Festival wird zwar vom 14. bis 23. August stattfinden. Aber wegen der Reisebeschränkungen stehen überwiegend in der Schweiz wohnhafte Musiker auf der Bühne. Die Zuschauer werden über einen Seiteneingang ins KKL gelassen. Auf dem Weg in den Saal müssen sie eine Maske tragen. Während des Konzerts gilt keine Maskenpflicht. Die Platzzahl ist auf 1000 beschränkt.

Bis dahin dürfte es aber kräftig schütteln und rütteln. Entlassungen oder Konkurse seien nicht ausgeschlossen. Immerhin attestieren Bütikofer und Perren der gebeutelten Stadt Luzern bessere Aussichten als dem vergleichbaren Interlaken. Zwar hätten beide Destinationen mit Seen und Bergen ähnliche Voraussetzungen und auch der Anteil ausländischer Gäste bei den Hotelübernachtungen sei vergleichbar. «Aber», fügte Perren an, «Luzern hat mehr Tagesgäste als Interlaken und ist vor allem in der Deutschweiz fest verankert – nur schon durch das Verkehrshaus oder das KKL.»

Diese und weitere Angebote sollen also bei Zürchern, Romands oder Bernern wieder in den Vordergrund rücken. Vorausgesetzt, die Angst vor Ansteckungen nehme nicht Überhand. Bütikofer: «Das ist denn auch meine grösste Sorge.»