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LUZERN: Sogar Dracula kaufte einst bei ihm eine Vase

Dominik Weingartner (66) ist Glasexperte. Seit 25 Jahren führt er die Galerie Excaliburart und hatte schon prominente Kunden. Man kann auch Dinge schätzen lassen. Wir versuchten, «Bares für Rares» zu bekommen.
Roger Rüegger
Dominik Weingartner mit einer Glasarbeit aus Murano. (Bild: Roger Rüegger (Luzern, 28. April 2017))

Dominik Weingartner mit einer Glasarbeit aus Murano. (Bild: Roger Rüegger (Luzern, 28. April 2017))

Dominik Weingartner: In meinem Keller lag ein Schatz. Aus diesen in Metall eingefassten Gläsern tranken bereits meine Grosseltern. Wie hoch schätzen Sie den Wert?

(Der Experte wirft einen flüchtigen Blick auf meine mitgebrachten Gläser) Das ist kein Silber.

Äh ja. Was meinen Sie damit?

Dass Sie daraus Tee und Schnaps trinken können. Ist doch gut?

Geld gibt’s dafür nicht?

Von mir nicht.

Immerhin, ich hab’s versucht. Wie oft lassen Leute Gegenstände bei Ihnen schätzen?

Selten. Und das meiste ist erst noch Gerümpel. Einmal aber präsentierte mir eine Frau aus Burgdorf eine aussergewöhnliche Vase von René Lalique aus dem Jahr 1921.

Sagt mir nichts. Wer ist das?

Er war ein französischer Schmuck- und Glaskünstler des Art déco sowie des Art nouveau.

Dann war es eine Kostbarkeit?

Schon. Die Frau war sich auch bewusst, was sie dabeihatte. Dennoch, Glaskunst ist nicht sehr teuer.

Was muss man für eine schöne Vase bei Ihnen bezahlen?

Nicht viel. Ab 300 Franken ist man dabei.

Nicht viel? Für eine Vase dünkt mich dies noch saftig. Aber ich kenne mich ja nicht aus mit der Materie. Verraten Sie mir doch bitte: Wie erkenne ich ein gutes Glas?

Das sogenannte Kristallglas hat einen klaren Klang. Es ist hell, und es glänzt. Dann gibt es auch farbiges Glas, welches speziell geschliffen wird. Glas ist ein wunderbares Material.

Wenn man Sie in Ihrer Galerie inmitten von Vasen, Skulpturen und Gläsern in allen Farben sieht, kann man Ihre Begeisterung nachvollziehen. Woher kommt die Freude?

Glas gefällt mir einfach. Schon immer. Mit dem Material befassen sich auch viele Künstler. Ich besass Skulpturen von Picasso und anderen grossen Meistern.

Ich wusste nicht, dass Picasso Glasskulpturen anfertigte. Die kosten wohl reichlich?

Eben nicht. Für die bekommt man kein Geld. Für Glaskunst gibt es keine Wertschätzung. Wenn einer einen farbigen Strich aufs Papier bringt, wird jedoch unbezahlbare Kunst daraus. Richtiges Handwerk aus Glas ist den Leuten offenbar nichts wert.

Hätten Sie also nicht gescheiter eine Bildergalerie eröffnet?

Bilder interessieren mich nicht. Ich mache es nicht des Geldes wegen, sondern ich mag das Material Glas. Ich beziehe jetzt AHV, und meine Frau arbeitet noch. Darum kann ich in meiner Galerie sitzen. Sonst würde es nicht funktionieren. Ich kann leben.

Beherrschen Sie auch das Handwerk Glasblasen?

Nein, wo denken Sie hin! Das ist viel zu kompliziert. Ein Glasbläsermeister im italienischen Murano, der Hochburg der Glaskunst, benötigt 20 Jahre Erfahrung, ehe er sich Meister nennen darf. Nur zum Vergleich, wie viel Aufwand betrieben wird und wie wenig diese Kunst geschätzt wird. Da steckt viel Wissen dahinter.

Hatten Sie nie Lust, das Handwerk zu lernen?

Nein, ich lernte Buchdrucker beim Union Druck und arbeitete bis vor 25 Jahren beim «Vaterland» und beim «Tagblatt». Glas hat mich als Sammler fasziniert. Wobei ich schon als Bub mit allen möglichen Dingen gehandelt habe.

Sie sind heute ein Experte, der auch von grossen Galeristen nach der Meinung gefragt wird. Wie haben Sie sich das Wissen beigebracht?

Durch Literatur und auf Reisen habe ich viel gelernt. Ich war in vielen Manufakturen in Frankreich und Italien. Ich kenne ziemlich alle Skulpturen und Werke der bekannten Künstler.

Sie haben ein paar schmucke Stücke und führen als einziges Geschäft in der Schweiz Weingläser von Baccarat, St. Louis, Val St. Lambert und Emilie Gallè. Was kostet ein gutes Weinglas?

Bei mir 50 bis 80 Franken.

So einen Betrag bezahlte ich noch nie für ein Glas. Das ist doch viel?

Wenn Sie neue Gläser dieser Qualität kaufen, kostet es Sie das Dreifache.

Kann man dafür Ihre Gläser in der Maschine waschen?

Ja, das könnte man schon.

Aber?

Besser man lässt es bleiben, weil die heutigen Waschmittel sehr aggressiv sind. Man wäscht die Gläser besser von Hand. Ihre Grossmutter tat dies ja auch. Die Gläser, die Sie mir zeigten, sind zwar nicht wertvoll, aber auch nicht matt. Das ist doch auch etwas wert.

Stimmt, es gibt bei mir zu Hause schon manchmal Diskussionen, weil ich alle Gläser in den Geschirrspüler stelle und diese deswegen matt werden.

Billige Gläser werden in der Maschine matt. Die guten und etwas teureren erkennen Sie – wie ich schon sagte – daran, dass sie hell sind und schön klingen. Die haben einen höheren Bleianteil und bleiben klar.

Welche Leute kaufen bei Ihnen solche Gläser?

Sicher keine Chinesen. Die kaufen Uhren. Als Luzern noch ein Filmfestival hatte, betrat Christopher Lee mein Lokal. Er kaufte Schmuck und eine Vase.

Der Christopher Lee? Dracula kaufte bei Ihnen eine Vase? Das ist ja super. Äh, Urnen oder einen Glassarg führen Sie nicht?

Nein, solche habe ich nicht. Aber Lee war ein toller Kunde.

Wie war er denn so?

Ein unheimlich netter Kerl. Es kommen hin und wieder prominente Leute. Schriftsteller, Musiker und eben Schauspieler.

Bekannt und auch unheimlich kommt mir die Puppe vor, die in Ihrem Geschäft in einem Schaukelstuhl sitzt.

Die kennen Sie vielleicht. Das ist Charly Mc Carthy, die berühmte Bauchrednerpuppe von Edgar Bergen. Die beiden hatten in den USA in den Vierzigerjahren eine eigene Radiosendung. Charly ist mein treuer Kollege. Den verkaufe ich nicht.

Das Glas aus Ihrer Galerie verscherbeln Sie aber ausnahmslos?

Natürlich, darum geht’s doch. Ich kann ja nicht nur sammeln.

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

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