LUZERN: Solaranlagen: Regierung will nachhelfen

Ein Drittel des Luzerner Stromverbrauchs könnte mit Solarenergie gedeckt werden. Doch die Fördergelder bleiben liegen. Ein neuer Internet-Service für Hausbesitzer soll nun Abhilfe schaffen.

Alexander von Däniken
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Eine Solaranlage auf einer Scheune in Ruswil. (Bild: Pius Amrein)

Eine Solaranlage auf einer Scheune in Ruswil. (Bild: Pius Amrein)

Wussten Sie, wie viel Dächer es im Kanton Luzern gibt? Es sind rund 70 000. Etwa 40 Prozent davon würden sich gut bis sehr gut als Solardächer eignen. Um welche Dächer es sich dabei handelt, kann man ab Donnerstag ganz leicht herausfinden. Dann veröffentlicht der Kanton eine spezielle Karte (www.solar.lu.ch): Sie nennt sich Solarpotenzial­kataster, ist kostenlos im Internet abrufbar und zeigt, welche Hausdächer im Kanton Luzern wie gut für Solarenergie geeignet sind.

Das Potenzial wird bisher kaum genutzt. Heutzutage stammt gerade einmal 1 Prozent des Luzerner Stromverbrauches von der Solarenergie. Würden alle geeigneten Dächer genutzt, könnte damit ein Drittel des Stromverbrauchs gedeckt werden, wie Cyrill Studer von der Dienststelle Umwelt und Energie sagt. Der Solarkataster sei denn auch hauptsächlich ein Marketinginstrument des Kantons, sagt Studer: «Mit der Karte wollen wir Hausbesitzern und Bauherren die Solarenergie näherbringen.»

Solar-Statistik am Dorfeingang

Wie viele Solaranlagen es im Kanton Luzern hat, darüber gibt es keine genaue Statistik. Laut Studer dürften es total um die 3500 Solaranlagen sein. In den letzten zwei Jahren sind jeweils knapp 200 Solaranlagen bewilligt worden, wie die Dienststelle Raum und Wirtschaft auf Anfrage mitteilt. Alle Luzerner Gemeinden wurden vom Kanton eingeladen, die aktuelle Zahl an Solaranlagen jeweils zum Beispiel am Dorfeingang zu publizieren.

Die Solarenergie und deren Förderung standen in den letzten Jahren allerdings immer wieder in der Kritik. Im Zentrum stand die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV). Das Instrument des Bundes deckt während 20 Jahren die Differenz zwischen Produktionskosten und Marktpreis. Eigentlich: Denn der Ansturm auf die KEV-Subventionen ist gewaltig, die Warteliste entsprechend lang. Wer zum Beispiel seine Anlage letztes Jahr angemeldet hat, muss bis ins Jahr 2017 auf einen Entscheid warten.

Zumindest die Besitzer kleiner Anlagen können allerdings aufatmen. Seit dem 1. April sind nämlich sogenannte Einmalvergütungen für Anlagen mit einer Spitzenleistung bis zu 30 Kilowatt möglich. Innerhalb weniger Monate nach der Anmeldung werden einmalig 30 Prozent der Investitionskosten subventioniert. Das heisst: Bei einer Fotovoltaikfläche von 20 Quadratmetern und einer Spitzenleistung von 3 Kilowatt zahlt der Bund zum Beispiel rund 3761 Franken. Eine weitere gute Nachricht für Hausbesitzer: Seit neustem sind Solaranlagen mit einer Fläche bis 20 Quadratmetern von der Baubewilligungspflicht ausgenommen. Das heisst: Wer eine Anlage bauen will, muss dies den Behörden nur melden.

2012 blieben 2,3 Millionen liegen

Bei den Subventionen läuft es so, dass der Bund Fotovoltaikanlagen (Solarzellen zur Stromproduktion) fördert, während der Kanton Luzern Sonnenkollektoren (für Warmwasser) unterstützt (siehe Kasten). Wie hoch diese Fördergelder letztes Jahr waren, wird erst am Donnerstag bekannt gegeben. Klar ist aber, dass in den vergangenen Jahren meistens deutlich mehr Geld budgetiert war, als tatsächlich abgeholt wurde. 2012 standen beispielsweise 10,8 Millionen Franken an Fördergeldern für Energiemassnahmen wie Solaranlagen oder Wärmepumpen zur Verfügung. Abgeholt wurden lediglich 8,5 Millionen. Auch in den Jahren zuvor blieb Geld liegen – und wurde jeweils ins Budget für das Folgejahr transferiert.

Es scheint also, dass Luzern bei der Solarförderung ein gewisses finanzielles Polster hat. Mit dem Solarkataster, so die Hoffnung, soll die Nachfrage nun stimuliert werden. Befürchtungen, dass der neue Solarkataster einen Boom auslöst, den man nicht bewältigen könnte, gibt es nicht. «Wir sind im grünen Bereich. Für die Unterstützung zusätzlicher Anlagen sind wir gerüstet», sagt Cyrill Studer.

So sind die Erfahrungen in Zug

Ohnehin muss sich erst noch weisen, inwiefern der neue Service zu einer höheren Nachfrage führen wird. Die Stadt Zug hat bereits Erfahrung mit einem Solarkataster im Internet. Walter Fassbind, Leiter der Abteilung Umwelt und Energie der Stadt Zug, sagt zwar: «Wir haben sehr viele Interessenten. Viele sind überrascht, wenn sie sehen, dass ihr Dach für eine Anlage geeignet ist.» Die meisten würden sich laut Fassbind anschliessend über Bau, Anbieter und Subventionen informieren.

Dennoch wirkt sich dieses grosse Interesse noch kaum in der Praxis aus: Im Jahr 2012 hat die Stadt Zug über das eigene Förderprogramm 13 Anlagen unterstützt, 2013 deren 9 und dieses Jahr noch keine. Insgesamt sind in Zug rund 300 Liegenschaften mit einer Solaran­lage ausgestattet. Fassbind erklärt die Zurückhaltung mit dem Umstand, «dass eine Solaranlage nicht wie der Kauf eines Autos innert Monatsfrist entschieden wird». So seien die behördlichen Hürden zwar kleiner als auch schon. Aber bis der passende Anbieter und das passende System gefunden seien, dauere es seine Zeit. Dazu kommen Abklärungen zum Dachzustand und mit dem Stromversorger, ob eine geeignete Leitung zum Haus bestehe. «Wer sich aber die Zeit nimmt und rechnet, wird feststellen: Es lohnt sich.»

Solarenergie: So viel kostet eine Anlage

  • Sonnenkollektoren: (Kosten 14 000 bis 27 000 Franken für ein Einfamilienhaus). Kollektoren dienen der Produktion von Warmwasser und werden vom Kanton Luzern subventioniert. Für jede Anlage zahlt der Kanton einen Grundbeitrag von 2000 Franken, zusätzlich 200 Franken für jeden Quadratmeter. Etwas mehr gibt es für Anlagen, die zusätzlich auch Heizenergie liefern.
  • Solarzellen: (Kosten 20 000 bis 30 000 Franken für ein Einfamilienhaus). Solarzellen dienen der Stromproduktion und werden vom Bund subventioniert. Konkret wird die Differenz zwischen dem Stromproduktionspreis und dem normalen Marktpreis für Strom rückerstattet. Für kleinere Anlagen gibt es neu einmalige Beiträge an die Baukosten.

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