LUZERN: Sozialinstitute prüfen Fusion

Beide kämpfen gegen Suchtmittel, beide befinden sich wegen Sparmassnahmen aber in finanziellen Nöten. Der Verein Akzent und das Sozialberatungszentrum Luzern prüfen deshalb die Zusammenlegung.

Stephan Santschi
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Engagieren sich gegen Alkoholsucht: der Verein Akzent und das Sozialberatungszentrum Luzern. Sie prüfen nun die Fusion. (Bild: BreBa (beyond fotomedia RF))

Engagieren sich gegen Alkoholsucht: der Verein Akzent und das Sozialberatungszentrum Luzern. Sie prüfen nun die Fusion. (Bild: BreBa (beyond fotomedia RF))

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Zwei soziale Institutionen, die sich im Suchtbereich engagieren, wollen die Kräfte bündeln. Eine Machbarkeitsstudie, durchgeführt vom Beratungsinstitut Interface aus Luzern, soll den Auftraggebern überzeugende Argumente für eine organisatorische Zusammenlegung liefern. Auf der einen Seite steht der Verein Akzent Prävention und Suchttherapie, der bis 2012 unter dem Namen Drogenforum Innerschweiz bekannt war. Auf der anderen Seite das Sozialberatungszentrum Luzern (SoBZ), dessen Einzugsgebiet sich über die Stadt und die Agglomeration hinaus auf 23 Gemeinden erstreckt. Bis zum 31. August werden jene Grundlagen geschaffen, die dann an den jeweiligen Generalversammlungen im Jahr 2018 noch abzusegnen sind.

Geklärt werden soll auch, wie die übrigen Sozialberatungszentren in Sursee, Hochdorf, Willisau und Schüpfheim in die Zusammenarbeit eingebunden werden können. Diese Stellen sind nicht alleine auf die Suchtthematik spezialisiert, sondern beschäftigen sich mit Sozialarbeit im allgemeinen Sinn, wie etwa in der Familien-, Jugend-, Budget- oder Schuldenberatung.

«Nur Überlegungen, keine Absichten»

Noch halten sich die Verantwortlichen mit Prognosen zurück. «Vorderhand handelt es sich nur um Überlegungen, nicht um Absichten. Wir möchten den Ball flach halten», sagt Akzent-Geschäftsführer Rolf Fischer. Und Beat Waldis, sein Pendant beim SoBZ Luzern, hält fest: «Es geht um eine breite Auslegung des Ist-Zustandes und um die Erarbeitung von Entscheidungsgrundlagen für die Zukunft.»

Bevor die Zukunftspläne etwas genauer ausgeleuchtet werden, lohnt sich der Blick auf die jeweiligen Tätigkeitsgebiete. Laut Fischer widmet sich Akzent einerseits der Präventionsarbeit in Schulen, Betrieben, Gemeinden und in der Freizeit. «Andererseits verfügen wir über ein ­stationäres Angebot für jene Menschen, die illegale Drogen konsumieren.» Insgesamt 50 Personen teilen sich 30 Stellen in den Bereichen Zentrale Dienste, Prävention und Suchttherapie. Das SoBZ Luzern mit 11 Angestellten legt den Fokus stattdessen auf legale Suchtformen, wie Alkohol, Tabak oder Medikamente, und tut dies ausschliesslich in ambulanter Behandlung. Der Alkohol nehme dabei noch immer die Spitzenposition ein, teilt Waldis mit: «Insgesamt gibt es zwar nicht mehr Süchtige. Doch die Zahl jener Menschen, die Alkohol exzessiv konsumieren, um sich beispielsweise entspannen zu können, ist steigend.»

Gelder gestrichen – der Abbau von Stellen droht

Bereits in der Vergangenheit hätten die beiden Institutionen im Rahmen von Schulungen zusammengearbeitet, nun soll dieses Miteinander nach Möglichkeit intensiviert werden. Weshalb? «Weil uns das fachlich, qualitativ und betriebswirtschaftlich Vorteile bringen könnte», sagt Rolf Fischer. Hauptauslöser ist wohl die finanzielle Last, die auf den kantonalen Sparmassnahmen fusst – sowohl Akzent wie auch das SoBZ Luzern werden staatlich vom Kanton und den Gemeinden finanziert. «Die gestrichenen Gelder haben bei uns etwas ausgelöst. Wenn es mit den Sparpaketen so weitergeht, werden wir Stellen streichen müssen. Bereits auf Ende 2016 haben wir im Essbereich Dienstleistungen abgebaut», erklärt Beat Waldis.

Ähnlich angespannt ist die Situation bei Akzent: «Unsere Ressourcen sind eher dünn gesät. Die stationären Therapieplätze kosten viel Geld, wir sind unter Druck geraten. Stellen abbauen wollen wir aber nicht», konstatiert Fischer. Durch die Bündelung der Kräfte erhofft er sich einen geschlossenen Auftritt als das Kompetenzzentrum zum Thema Sucht im Kanton Luzern.

Das Suchtverhalten hat sich verändert

Die Arbeit, so sind beide Seiten überzeugt, wird ihnen nicht ausgehen. Wenn Rolf Fischer den Umgang seiner Klientel mit harten Drogen betrachtet, stellt er fest: «Mittlerweile wird nicht mehr wie früher nur ein Suchtmittel konsumiert, meist sind es mehrere davon. Verbunden damit sind psychische Probleme, welche die Behandlung schwieriger machen.»

Beim SoBZ ist man derweil immer wieder mit der gesellschaftlichen Entwicklung und den daraus resultierenden, veränderten Abhängigkeiten konfrontiert. «Aktuell sprechen wir von der Online- und Gamesucht», berichtet Beat Waldis. Entsprechend müsse sich auch die eigene Institution immer wieder neu positionieren und die Angebote anpassen.